Vielleicht kehrt 2017 endlich Vernunft ein in die Handelsbranche, die sich mit Omni-Channel-Strategien die Zeit vertreibt („Wie IKEA seine Online-Kunden schikaniert“) anstatt sich auf zugkräftige Online-Strategien zu konzentrieren („Pure Play vs. Omnichannel“).
Dass sich Omni-Channel-Strategien für Händler nur ganz schwer rechnen, hat gerade Jörg Dubiel, Chief Intelligence Officer bei Conrad Electronics, ausführlich dargestellt („Omni-Channel = Nein Danke?“):
„Denn erfahrungsgemäß stehen vielen Kunden, die bevorzugt in einem Kanal kaufen, nur relativ wenige echte Omni-Channel-Kunden entgegen. Diese Minderheit erhöht – durch gesteigerte Ansprüche an die informatorische Integration verschiedener Kanäle – mit zunehmender Kanalzahl dramatisch die Komplexität für die gesamte Organisation und bindet Kräfte auf allen Ebenen.“
In seinen Ausführungen beschreibt er sämtliche Denkfehler und Fehlschlüsse, denen die Branche so gerne erliegt („Warum das IFH/ECC Köln zunehmend stärker unter Druck gerät“). Siehe Exchanges #135.
Man könnte es auch andersherum formulieren: Erfolgreicher Handel lebt von der Spezialisierung!
Diese kann am besten kanalspezifisch erreicht werden. Kanalübergreifend macht sie nur dann wirklich Sinn, wenn dies für die Masse der Kunden relevant ist („Forerunner Ventures über erfolgreiche E-Commerce-Modelle“). Siehe dazu auch Shifting Value Pools: Der ultimative Impuls von der K5 2016.
Typische Omni-Channel-Händler sind online auch deshalb so schwach und angreifbar („Zooplus wächst auf 742 Mio. € (+30%), Fressnapf online um 2%“), weil sie nur einen Bruchteil der Zeit und Energie in den Online-Kanal stecken können wie dedizierte Online-Spezialisten.
Die Überlegungen von Jörg Dubiel zur Komplexitätsfalle Omni-Channel sollte jeder in der Branche gelesen haben. Danke an Alexander Graf für den Hinweis!
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