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Wie löst Amazon das Marktplatz-Dilemma für sich und andere?

Marktplätze können für erfolgreiche Online-Händler eine perfekte Ergänzung und Erweiterung des Geschäftsmodells sein. Was aber, wenn der Marktplatz irgendwann erfolgreicher wird als das eigene Handelsgeschäft? Kann man dann beides einfach so weiter betreiben wie bisher? Oder muss man sich über kurz oder lang entscheiden? Und wenn ja, dann wie?

Wenn das Hauptgeschäft zum Nebengeschäft wird

Das ist das Dilemma, in dem Amazon steckt, seit der Marktplatz das Handelsgeschäft 2015 überholt hat und inzwischen bereits 58% vom Umsatz macht:

In den Exchanges #224 haben wir einige der Optionen durchgespielt und uns dabei auch gefragt, was aus dem angestammten Handelsgeschäft werden soll/könnte, wenn sich Amazon zunehmend zum Technologie- und Infrastrukturprovider wandelt:

Hier die 10 spannendsten Aspekte rund um das Marktplatz-Dilemma:

  1. Noch ist das Handelsgeschäft für Amazon zu wachstumsstark und bedeutsam, als dass man es einfach so aufgeben würde.
  2. Denkbar wäre allerdings eine stärkere organisatorische Trennung, sodass auch Amazon Retail nur einer unter vielen Anbietern auf dem Amazon-Marktplatz wäre.
  3. Die Öffnung von Amazon Prime in jüngster Zeit auch für Nicht-Amazon-Händler könnte darauf hindeuten.
  4. Eine komplette Trennung von Handel und Marktplatz würde allerdings erhebliche Nachteile nicht für Amazon Retail, sondern für das Amazon-System als Ganzes bedeuten.
  5. Der zunehmende regulatorische Druck könnte allerdings so groß werden, dass – wie zuletzt in Indien – gar kein Weg daran vorbeiführt.
  6. Amazon könnte dann proaktiv sicherlich eine bessere Lösung finden als unter Zugzwang.
  7. Würde Amazon dabei so weit gehen wie Ocado, das das Handelsgeschäft in ein Joint Venture ausgelagert hat und künftig mit einem Partner weiterführen will? Schwer vorstellbar.
  8. Doch Amazon hatte jetzt bald 5 Jahre Zeit, sich dazu Gedanken zu machen. Entsprechend gespannt kann man sein, für welchen Weg sich Amazon entscheidet.
  9. Denn der Fall Amazon führt schnell zu der grundsätzlichen Frage: Sollten Händler generell keine Marktplätze betreiben dürfen – und umgekehrt?
  10. Das widerspricht allerdings der Beobachtung, dass dem Beispiel Amazons folgend im Grunde nur Anbieter, die selber Handel treiben, überhaupt in der Lage sind, erfolgreiche Marktplätze zu etablieren. Siehe Exchanges #197: 9 Dinge, die man von Siroop lernen kann

Wie entscheiden sich Amazon, JD und andere Plattform-Betreiber?

Interessanterweise steht momentan nicht nur Amazon vor diesen Fragen, sondern auch JD, das ebenfalls als Händler gestartet ist und im Wettbewerb mit Alibaba das Marktplatzgeschäft in den letzten Jahren ebenfalls stark ausbauen konnte und jetzt mit Amazon ziemlich gleichauf liegt:

Und auch für Zalando dürfte sich die Frage bald stellen („Zalando will Marktplatz von 600 Mio. € auf 8 Mrd. € ausbauen“), auch wenn dort das Marktplatzgeschäft bis auf weiteres unter 50% bleiben soll. Siehe aber auch Zalando opfert für Zara & Co. sogar das Eigenmarkengeschäft.

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