Die neuen Amazon-Zahlen haben den angenehmen Nebeneffekt, dass nun erstmals auch belegbar wird, wie sehr viele „Marktforscher“ bei Amazon und ihren Online-Einschätzungen daneben lagen.
So hat Bloomberg das Versagen von eMarketer dokumentiert, das vor einem Jahr noch posaunt hat: „Amazon Now Has Nearly 50% of US Ecommerce Market“. Und jetzt zurückrudern musste, weil es meilenweit daneben lag. Demnach lag die Prognose für 2019 um 25%(!) zu hoch:
Mit seriöser Marktforschung hat das alles wenig zu tun. Und doch sind derlei irreführende Zahlen symptomatisch für die Branche und werden ungefiltert übernommen.
Die hiesigen „Institute“ stehen den amerikanischen da in nichts nach. Auch das Kartellamt beruft sich munter darauf (PDF):
„Die insbesondere auch von Branchenverbänden veröffentlichten Studien sagen u.a. aus, dass ein hoher Anteil des deutschen Onlinehandels von deutlich mehr als 40% allein über den Marktplatz amazon.de abgewickelt wird.“
Wir hatten auf die Problematik bis 2016/17 immer wieder hingewiesen und es entsprechend bedauert, dass sich die einzige marktneutrale Studie nicht halten konnte:
- ACTA 2017: Warum wir die ACTA-Studien vermissen werden
- Vitale Innenstädte 2016: Wie das IFH den Handel einseift
- Der b(e)vh und die Marktzahlen für 2016 in neutraler Form
- Exchanges #135: Der Ruf des IFH/ECC Köln
Wie sehr es der Branche an kompetenter Online-Marktforschung mangelt, dürfte angesichts des Amazon-Debakels nun klarer werden denn je.
Bei Exciting Commerce stützen wir uns in unseren Einschätzungen bewusst nur auf die veröffentlichten Unternehmensangaben und die entsprechenden Wachstumsraten der Marktführer.
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