Zwischen sich selbst gut verkaufen können und die Öffentlichkeit an der Nase herumführen ist es ein schmaler Grat. Ersteres gehört für ambitionierte Startups und Wachstumsunternehmen dazu, letzteres schlägt über kurz oder lang zurück.
Gerade Windeln.de wurde von Kritikern aus der Branche immer unterstellt, dass es sein Geschäft nicht im Griff hat und sich erheblich besser verkauft als es ist. Belegen ließen sich derlei Unterstellungen kaum, solange Windeln.de seine Vorgaben erreichen und den eingeschlagenen Kurs plausibel erläutern konnte.
Mit den jüngsten Volten („Kann sich Windeln.de wieder gesundschrumpfen?“) allerdings liefert Windeln.de nicht nur seinen Kritikern ordentlich Futter („Hat Windeln.de ein Kommunikations- oder ein Strategieproblem?“).
Denn wie auch immer man die jüngsten Entwicklungen einordnen mag – als Tritt auf die Wachstumsbremse, als Sanierung, Restrukturierung oder als strategische Neuausrichtung, so ist es vergleichsweise dreist, den Halbjahresbericht (PDF) einzuleiten mit den Worten:
„Die im Geschäftsbericht 2015 getroffenen Aussagen zum Geschäftsmodell, zur Konzernstruktur, zur Strategie und Wettbewerbsposition des Konzerns, sowie zur Forschung und Entwicklung sind zum 30. Juni 2016 nach wie vor zutreffend.“
Kurz zur Einordnung: Am 17.3., bei der vergleichsweise späten Präsentation der Jahresergebnisse, hatte Windeln.de für 2016 noch ein Wachstum von 50% angekündigt, um es dann am 18.5. – aufgrund unvorhergesehener Probleme in China – auf 30% und am 28.7. auf 12% zu reduzieren:
Irritierend auch, wenn es in der Pressemitteilung am 24.5. heißt: „Die Umstellung des Warenwirtschaftssystems ist Ende Mai größtenteils abgeschlossen“, und im Halbjahresbericht dann: „Die Implementierung konnte im Juli abgeschlossen werden.“
Nach Lektüre des Halbjahresbericht (PDF) verfestigt sich der Eindruck, dass Windeln.de nicht mit offenen Karten spielt, und deshalb noch für so manch böse Überraschung gut ist.
Kurios sind die aktuellen Entwicklungen nicht zuletzt auch deshalb, da im Jahresbericht (PDF) lang und breit über das ausgeklügelte Risikomanagement geschrieben wird.
Mit Windeln.de und ähnlichen Fällen hatten wir uns zuletzt auch ausführlich in den Exchanges #146 („Windeln.de und die Falling Stars“) beschäftigt.
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