Debatte: (K)ein Ausweg aus der Google-Falle?

Heutige Shopsysteme führen unweigerlich in die Google-Falle, aus der es derzeit so gut wie kein Entrinnen gibt.

Doch anstatt webtauglichere Shoppinglösungen zu entwickeln, bieten geschäftstüchtige Agenturen und Shopsystemhersteller die unvermeidlichen SEO/SEM-Leistungen zunehmend gleich selber an. So sichert man sich kontinuierliche Erlösströme – auf Kosten der Händler.

Das wäre ungefähr so, wie wenn die Autoindustrie absichtlich nur noch Autos auf die Straße bringen würde, die kontinuierlich jemanden brauchen, der sie anschiebt.

Wir sind gespannt, wie lange sich der Online-Handel das noch gefallen lässt bzw. wann er beginnt auf webtauglichere Geschäftsmodelle umzusteigen.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Uncategorized

  1. Für die meisten Unternehmen wird es wohl tatsächlich keinen Ausweg aus der Google-Falle geben. Wer kein so breites Produktsortiment anbietet wie Ebay, Amazon, Quelle usw. ist auf Kunden angewiesen, die zum größten Teil nur einmal im Jahr oder noch seltener kaufen (manche Käufe tätigt man ja sogar nur einmal im Leben). Diese Kunden werden, wenn sie das nächste Mal einen Einkauf planen, wieder zu Google greifen auf der Suche nach einem Shop. Eine Lösung für die Shops wäre es natürlich, direkt über Amazon & Co. zu verkaufen, aber dort läuft das Geschäft ausschließlich über den Preis und zudem dürfte es auch nicht allzu attraktiv sein, aus der Google-Falle heraus zu kommen und in die Amazon-Falle hinein zu tappen.
    Solange die meisten Käufer ihren Einkauf bei Google beginnen, ist das der Ort, an dem der Verkäufer zu finden sein muss. Das Käuferverhalten kann kein Verkäufer ändern. Und Stammkunden aufzubauen gelingt halt nicht bei Produkten, die man nur extrem selten benötigt, denn dann interessiert sich kein Kunde für Newsletter, Mailings usw. (und auch an den tollen Service vorm und nach dem Kauf erinnert man sich Jahre später wohl nur noch selten).

  2. Den Weg aus dieser Abhängigkeit versuchen ja schon immer mehr Firmen zu gehen, die mittels direkter Bewerbung der URL in TV-Spots und Offline-Medien ihre Domain bekannter machen wollen.
    Tatsächlich aber bestimmt der Nutzer durch sein Suchverhalten den Markt. Und da sieht es im Moment nicht nach einer Reduzierung von den Marktanteilen des Suchmaschinenriesen aus.

  3. „Das wäre ungefähr so, wie wenn die Autoindustrie absichtlich nur noch Autos auf die Straße bringen würde, die kontinuierlich jemanden brauchen, der sie anschiebt.“
    Auf der anderen Seite, ist es einem Formel-1-Rennfahrer wohl sehr recht, wenn sich Professionelle um sein schnelles Wägelchen kümmern, da das Rennfahren nicht nur sein täglich Brot ist, ihn auch umbringen könnte, wenn auch die beste Technik ohne ständigen Support und Pflege mal versagt. Die wenigsten Formel-1-Fahrer setzen sich nach ihrer Arbeit noch an ihr Vehikel und schrauben daran rum, weil sie entweder keine richtige technische Ahnung von ihrem Gefährt haben und vor allem weil sie sich auf etwas anderes mehr konzentrieren sollten: das erfolgreiche Rennfahren.
    Aber im Großen und Ganzen sind diese Gedanken schon nachvollziehbar.

  4. Google wird aus meiner Sicht erst dann zu einer Falle, wenn man alle SEO-SEM-Potentiale bereits angenutzt hat. Bis dahin ist es einfach nur der wichtigste Trafficlieferant der meisten Shopbetreiber.

  5. Die Geister werden sich streiten wo die SEM-Potenziale denn genau aufhören ?
    Generell dürften die größten Budgets oft mit der schlechtesten Optimmierung gekoppelt sein (Stichwort: Hauptsache Warenkorb abgeschickt). Dort liegt jede Menge Optimierungspotenzial.
    Und während der eine auf Neukunde und der andere auf Deckungsbeitrag optimieren lernt, wird sich hier auch eine Entspannung ergeben….früher oder später.
    Aus den Top-100 keywords google sind bei den meisten unternehmen zwischen 30-60% Verschreiber der Brand, URL oder ähnliches…und keiner erklärt nachhaltig und stichhaltig warum man denn seinen eigenen Brandname als keyword buchen soll??!? (Weils billig ist, weils sonst affiliates machen, weil es den Pagerank stützen könnte…irgendwie, weils der Historie ein bisschen hilft…wahrscheinlich…)
    Der erste der in diesem Spiel verlieren wird (weil zwischen den Stühlen) sind die Buchungsagenturen…die Kunden sourcen mehr in (flexibler, billiger, KnowHow-Aufbau, integriertere Maßnahmen), Google zahlt nichts mehr für Vermittlungen.
    Wir werden sehen, erst wenn sich die großen bewegen, bröckelt das System

  6. „bieten geschäftstüchtige Agenturen und Shopsystemhersteller die unvermeidlichen SEO/SEM-Leistungen zunehmend gleich selber an. So sichert man sich kontinuierliche Erlösströme“
    das ist doch auch verständlich oder etwas nicht. jeder muss doch sehen wo er bleibt.

  7. Alles Arbitrage-Wegelagerer ;-)
    Die sterben immer zuerst wenn der Markt sich bereinigt.

  8. „So sichert man sich kontinuierliche Erlösströme – auf Kosten der Händler.“
    Das ist Verschwörungstheorie.
    So weit denken die Hersteller nicht, diese produzieren auch ausschließlich marktorientiert, also das was sie bei Web-Entscheidern verkaufen können: blinkeblinke und viel Schampus auf Verkaufsevents.
    Die allermeisten Webläden sind doch inzwischen froh wenn sie verstanden wie wichtig Usability ist, die Erkenntnis ist so wichtig wie die für Dienstleister, grundsätzlich freundlich zu sein.
    Die Tatsache das das Netz keine reine Ansammlung von Farbpixeln auf Bildschirmen ist, sondern strukturierte Daten, ist im Moment noch zu hoch.
    Natürlich lebt Google davon das frühe Entwicklungsfehler in Geschäftsstrategie, Webshop, Auftreten etc dann hinterher mit wesentlich mehr finanziellen Aufwand ins SEO, SEM oder Affiliate kompensiert werden.
    Allein das es oft für jede Sparte wie Banner, SEO, SEM und Affiliate eigene Agenturen beauftragt werden erzeugt sehr viele Synergeiverluste.
    So richtig verstanden haben das alles nur wenige, ein Amazon hatte schon früh gezeigt was Web alles kann, auch wenn amazon inzwischen nicht wirklich neues bringt. Die deutschen Krämerseelen, die noch immer die Entscheidungen im Netz treffen sind da immer noch im letzte Jahrtausend, denn damals hat das ja auch alles funktioniert.

  9. Analogie zum Stationärhandel:
    Wenn ich einen Laden aufmachen würde, dann würde ich mir einen Ort suchen, der stark frequentiert ist und somit Reichweite in meinen Laden bringt. Eine 1b-Lage oder schlechter bringt mir leider nicht viel (zu wenig Laufkundschaft). Von daher lieber in die Innenstadt, Fußgängerzone.
    Genau dass gleiche machen alle Online-Shops durch Werbung auf Google (SEM & SEO), da dies die größte Reichweite bei gleichzeitiger guter Segmentierung bringt. Von daher ist eine Abhängigkeit von Google für Webshops normal genauso wie viele Stationärgeschäfte von 1a-Lagen abhängig sind (oder hat jemand schon mal nen H&M in irgendwelchen Seitenstrassen entdeckt?)
    Ergo: Auf eine Abhängigkeit von Google müssen sich viele einstellen, da aller Voraussicht nach sich das Lauf-Klickverhalten der deutschen User sich nicht so schnell (oder nie?) ändern wird (viele nutzen Google als Start für Webbesuche). Abhilfe schaffen nur solche Konzepte, die nicht auf Masse ausgelegt sind und sich somit 1b-Lagen oder Nebenstraßen (schlechte Positionen auf Google) leisten können, da ihr Konzept die Leute automatisch zieht (ich hab auch in der Innenstadt meine Läden, in die ich gerne gehe ohne dass Sie in stark frequentierten Straßen liegen).
    Meiner Einschätzung wird sich durch den zunehmenden Wettbewerb auf Google (ständig steigende CPCs) der Markt demnächst selbst regulieren (einige werden desinvestieren und ihre Budgets shiften). Dann sind wir genau wieder wie bei der Innenstadtlage. Auch hier haben wir endliche Ressourcen (Fläche), die nur wenige Konzepte (auf Masse ausgelegt) wirtschaftlich nutzen können.
    Ansonsten kann ich jedem nur mal raten sein Online-Shop-Konzept in einem Satz zusammenzufassen und damit den echten Mehrwert aus Kundensicht („Lieschen Müller“) darzustellen. Auch wenn viele dies vielleicht anders sehen, ich würde tippen, dass ca. 60-80% der Sätze nahezu identisch sind. Und damit sind wir wieder beim guten alten Konzept: Gute Konzepte sind rar! Copycats scheinen aktuell deutlich in der Mehrzahl
    P.S:: Abseits dessen sollte sich jeder mal fragen, ob sein Invest in Google SEM abzüglich Brand/Tippfehler isoliert wirtschaftlich ist. Denn meist machen die ca. nur 20-40% des Umsatzes aus, benötigen aber ca. 90% der Kosten. Und Traffic allein ist auch nicht alles.

  10. @Christian Martin: Bei dieser Argumentation (Analogie zum Stationärhandel) frage ich mich, warum die Versandhäuser ihre Kataloge immer direkt zum Kunden geschickt haben und nicht auch darauf gewartet haben, bis die Kunden ihre Kataloge an (fiktiven) Katalogabholstationen abgeholt haben.
    Durch die Analogie wird sehr deutlich, wie der Versandhandel derzeit in seiner Denkweise ein bis zwei Schritte zurück macht und sich online in ein Shop-Korsett zwängen lässt, dass der Versandhandelsdenke komplett zuwiderläuft.
    @Martin Schröder: Natürlich befindet sich auch Amazon in der Google-Falle. Ich habe aber das Gefühl, dass Amazon weiß, das es der Einäugige ist. Umso absurder ist es, wenn derzeit viele Amazon nacheifern und im Amazon-Modell das Nonplusultra des E-Commerce sehen.

  11. @Jochen: Meine Analogie war nicht auf den klass. Versandhandel bezogen, sondern generell auf Online-Shops. Während klass. Katalogmarketing eher dem Direktmarketing (Kunde ist weitestgehend bekannt, Scoring etc.) entspricht, sehe ich beim E-Commerce eher Analogien zum Stationärhandel. Und dort ist neben dem Konzept die Lage das entscheidende Argument.
    Ergo:
    – Entweder kommt der Kunde von selbst (Konzept)
    – oder du bist da wo deine Zielgruppe/größte Reichweite ist („Google-Falle“)

  12. Shops in der Google-Falle?

    Eine interessante Debatte zur Zeit bei ExcitingCommerce.
    Mehr zu dem Thema und eine persönliche Einschätzung, demnächst im eGadgets Blog.

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