Update an Industry: Beim Entrepreneurship Summit in Berlin

Wem der klassische Existenzgründer zu verstaubt und das VC-finanzierte Gründerdasein zu suspekt ist, der kann als Unternehmer trotzdem weit vorne sein und so einiges bewirken, wenn er sich als Entrepreneur betätigt, wie ihn Günter Faltin zum Beispiel in seinem Bestseller "Kopf schlägt Kapital" ("Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen") beschreibt: der "Entrepreneur as Composer", der seine Fixkosten niedrig hält und sich sein Geschäft sehr kapitalschonend aus verfügbaren Komponenten zusammenbaut:

Modularentrepreneurship

In seinem Eröffnungsvortrag "The Art of Entrepreneurship" ging Günter Faltin gestern auf dem Entrepreneurship Summit in Berlin unter anderem der Frage nach: Ist Geld verdienen und Gewinn maximieren alles – oder können (und sollten) Entrepreneure nicht mehr bewirken? Was ist der Sinn unternehmerischen Handelns in einer Welt, die sich im Umbruch befindet?

Viele Gründer und Unternehmer befassen sich noch allzu häufig mit Geschäftsmodellen auf der untersten Stufe, fokussieren sich vornehmlich auf menschliche Grundbedürfnisse und ziehen ihren Erfolg aus der mehr oder weniger geschickten Verführung zum Konsum. Wer nicht konsumiert, wird für die so Agierenden dann schnell, so Faltin provokativ, eine Art "konsumloses Gesindel". Wo jedoch bleiben die Entrepreneure, die sinnvolle (im Sinn von sinnstiftende) Geschäftsmodelle entwickeln, die im Menschen mehr als einen Konsumenten sehen und ihm mehr geben als die reine Konsumbefriedigung?

"Update an Industry!" war einer seiner Appelle am Samstag. Viele Branchen halten an überholten Konventionen fest. Wer sich jedoch rückbesinnt auf den ursprünglichen Zweck einer Branche, der wird Mittel und Wege finden, sie zu revolutionieren. Faltin führt traditionell seine Teekampagne an. Oder Paper C, eine andere seiner Beteiligungen.

Exciting Commerce versucht sowohl im Publishing-Bereich als auch bei den (Fach-)Konferenzen zu zeigen, dass es weitaus sinnvollere und kostenschonendere Wege gibt, eine Branche zu vernetzen als dies die traditionellen Anbieter vermögen.

Das Entrepreneurship-Modell klingt in der Theorie immer sehr viel einfacher als es in der Praxis ist. Das wurde auch in manchen Sessions des Entrepreneurship Summit wieder deutlich. Denn die Herausforderung/Kunst ist es natürlich schon, die richtigen Komponenten/Partner zu finden und sich bei der "Komposition" intensive Gedanken zu machen, wie die ideale Zusammenstellung aussehen könnte.

Von überstürzten Gründungen hält Günter Faltin wenig. Wenige gute Entrepreneure sind ihm lieber, als Tausende von Existenzgründern auf dem Weg in die Insolvenz (s. eine seiner früheren Präsentationen). Er plädiert dafür, viel zu experimentieren, nebenbei zu starten und Ideen erst in Ruhe reifen zu lassen, bevor es voll losgeht.

Man sollte betonen: Das Entrepreneurship-Modell ist ein mögliches Modell für modernes Unternehmertum. Ein anderes Modell ist die "Professional Service Firm", wie sie Tom Peters geprägt hat. Ebenfalls gute Anregungen für unternehmerisches Denken bietet Michael E. Gerber. Zuletzt ist von ihm "The E-Myth Enterprise" erschienen. Neu auf den US-Bestsellerlisten ist "The Lean Startup" von Eric Ries

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Kategorien:exceed

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