Schuhmarkt: Deichmann will Zalando nichts entgegensetzen

Ein jetzt schon legendäres Interview ("Ach ja, Zalando") hat "Schuh-Papst" Heinrich Deichmann der Frankfurter Rundschau gegeben. Es unterstreicht geradezu prototypisch, warum speziell die alteingesessenen Filialisten für ambitionierte Onliner weiter so leichte Opfer sind.

Ihnen fehlt noch komplett das Bewusstsein für Chancen und Gefahren. Lieber "investieren" sie weiter stolz "202 Mio. Euro" in neue Filialen als sich Gedanken zu machen, was die Vernetzung im Internet für ihr Stammgeschäft bedeutet und welche Rolle sie in einer online getriebenen Welt spielen könnten.

Deichmannschachteln

Deichmann präsentiert Schuhschachteln in den Filialen

Im Prinzip legt Deichmann dieselbe Einstellung an den Tag wie seinerzeit Thalia & Co., die weiter eine Buchhalle nach der anderen eröffnet/übernommen haben und sich nun über "die Wucht der Internetwelle" wundern.

Dem Online-Handel soll es recht sein. Er kann die Gunst der Stunde nutzen. Die Produktivität der Filialen sinkt, und die Onliner nehmen dem stationären Handel weiter Marktanteile ab.

Wir hatten den Schuhmarkt kürzlich am Beispiel von Görtz beleuchtet.

"Challenge the POS!" lautet eines der zentralen Leitmotive für die K5-Konferenz am 20./21.9. in München: Wie kann der Online-Handel gegenüber dem stationären Einzelhandel punkten, wo ja auch heute schon sehr viel mehr möglich wäre.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Ultimondo

  1. Naja, erstmal abwarten was bei Zalando so abgeht, wenn sie ihre Marketing spendings mal runterfahren und irgendwann auch Geld verdienen müssen.
    Deichmann speziell ist nicht zu vergleichen mit normalen Retailern, da er kein Markensortiment vertreibt und damit sortimentsmäßig nicht in direkter Konkurrenz zu zalando steht. Außerdem ist er doch selbst auch online und kann da ggf. auch den Onlineshop noch mehr pushen.
    Dass die Innenstädte bald menschenleer sind und alle Leute nur noch vor ihren Rechnern hocken und online bestellen ist ferner eine schiefe Zukunftsvision, offline retail wird es immer geben, aber natürlich müssen sie sich auf online einstellen und das integrieren.
    Vor 10 Jahren haben sich die Supermärkte schließlich auch nicht in die Hose gemacht, als Lebensmittel online verkauft werden sollten.

  2. @Analyst: Deichmann vertreibt keine Marken? Hmm, was wohl Adidas, Fila, Kappa, Nike und Puma dazu sagen, das sie keine Marke sind: http://www.deichmann.com/DE/de/shop/marken.cat

  3. Ja, das mit den Marken stimmt. Aber Deichmann hat immer noch eine Menge Eigenmarken.
    Wie auch immer, schade dass auf meine Argumente nicht eingegangen wird.
    Ich kann hier nicht verstehen, dass im Blog immer pauschal auf die alten Player draufgehauen wird.
    Wo ist das Problem bei Deichmann? Soll er jetzt gleich alle Filialen zusperren? Er hat doch genau so seinen Onlineshop den er bei Bedarf auch marketingmäßig auch hochfahren kann.
    Die Samwers haben doch bisher keine Firma gebaut, die mal nachhaltig funktioniert hat, Deichmann hingegen erwirtschaftet massiv Gewinn und hat bewiesen, dass er wirklich Geld verdienen kann – und das nicht nur in dem man aufgepumpte defizitäre Umsatzmaschinen an Investoren weiterverkauft. Zalando ist von der VC-Bubble abhängig.

  4. Das was Zalando an Umsatz einfährt ist doch im Vergleich zu dem was Deichmann hat recht wenig. Und wie immer zählt nicht nur Umsatz, sondern es muss auch profitabel sein und das muss zalando erstmal beweisen. Mal abgesehen davon steht im Interview ganz richtig, dass Zalando in einer ganz anderen Preisregion aktiv ist.
    Ich bin eigentlich kein großer Zalando Kritiker, aber man sollte auch mal die Kirche im Dorf lassen. Das Beispiel mit den Büchern hinkt, Bücher muss ich nämlich nicht anprobieren. Da hat das Internet mit Leseproben und Rezensioinen einfach Vorteile.
    Außerdem hat Deichmann ebenfalls eine bekannte Marke in der Zielgruppe und einen Onlineshop.
    Die Diskussion ist bei mir ähnlich wie bei dem Interview mit dem Fielmann Typen bzgl. Mister Spex. Wie soll man denn Mister Spex als Konkurrenten betrachten? Fielmann macht 10mal mehr Gewinn vor Steuern als Mister Spex Umsatz. Und auch hier gilt, dass es für den Brillenhandel einfach viele Vorteile beim Offlinehandel gibt. Ich behaupte außerdem, dass bei Mister Spex ein großer Anteil vom Umsatz über Sonnenbrillen (ohne Korrekturgläser) und Kontaktlinsen entsteht.

  5. Joa, ich sehe das genauso, wie meine Vorschreiber, mal abgesehen von:
    „Sind Sie’s, Herr Deichmann? ;)
    Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) “
    Schlimm, dass so ein Comment auch noch vom Autor des Artikel kommt. Seine fachliche Qualifikation ist somit nachgewiesen eher dürftig.
    Ich habe noch nie verstanden, warum besonders in der Online-Welt ein Unternehmen nur dann als erfolgreich angesehen wird, wenn es vor allem im Marketingbereich äußerst agressiv auftritt. Jedes Unternehme unterliegt wirtschaftlichen Zwängen und diese gelten früher oder später auch für die Unternehmen deren Umsatz=Marketingaufwendungen entspricht. Ich habe es selbst miterlebt, wie ein ehemaliger Online-Branchenführer um 2003 mit 60mio. Umsatz auf ca. 20mio. Umsatz gefallen ist, nur weil die finanzille Unterstützung weggebrochen ist. Das Ende von Lied war eine Insolvenz. Heute spricht keiner mehr von der Bude!

  6. @Analyst Natürlich gehört Deichmann in die Hall of Fame des deutschen Einzelhandels – wie Quelle, Neckermann, Otto, Media Markt, Hugendubel und die vielen anderen Pioniere.
    Deshalb ist die Frage ja auch nicht, ob Deichmann gut dasteht, sondern, wie zukunftsfähig die Strategie ist und ob man mit einer Einstellung, wie sie Deichmann & Co. an den Tag legen, weiterkommt.
    Der deutsche Einzelhandel gerät doch nicht ins Wanken, weil alles Dilettanten sind. Sondern im Gegenteil: Gerade ihre Erfahrung und ihre hart erabeitete Kompetenz auf ihrem angestammten Feld macht sie so anfällig.

  7. Vielleicht sollte man mal die Anti-Zalando Argumente auseinandernehmen:
    1) Zalando arbeitet nicht nachhaltig und hochdefizitär.
    Das Z. keine Geschäftszahlen veröffentlicht, ist das reine Spekulation.
    Freilich kann das so sein, wie die Zahlen aber genau ausschauen, weiss niemand ausser Z. selbst. Kein Finanzinvestor pumpt über längere Zeiträume soviel Geld in eine Marketing-Blase.
    2) Zalando ist preislich höher angesiedelt.
    Das stimmt wohl über das komplette Sortiment, aber Z. steigt auch immer stärker in das Eigenmarkengeschäft ein, macht also nichts anderes als Deichmann. Der Grund, warum Z. keine 9,99 Schuhe anbietet, ist schlicht der, dass sich die Online-Prozesse bei solchen kleinen Beträgen nicht lohnen, aber auch da wird Z. Wege finden, diesen Bereich irgendwann anzugreifen. Und die Marken kann Z. jetzt schon günstiger anbieten als Deichmann.
    3) Schuhe muss man anprobieren.
    Das ist richtig, aber das kann ich bei Zalando ja auch. Erzeugt zwar eine höhere Retourenquote, deren finanzieller Impact aber durch Prozessoptimierung stetig verkleinert wird. Und es ist ja nicht so, dass die Anprobe bei Deichmann völlig kostenfrei für das Unternehmen ist.
    Klar, muss jetzt nicht jeder Filialist sofort alle Läden schliessen und nur noch auf online machen, aber das Dümmste, was er machen kann, ist Zalando und Co. zu ignorieren oder zu unterschätzen. Und wenn man sich die Welt mit den Argumenten oben schön redet, wird man sich in 5 Jahren ebenso wundern, wie die Thalias, Neckermänner, Ottonen, Görtzes und Co.

  8. „1) Zalando arbeitet nicht nachhaltig und hochdefizitär.
    Das Z. keine Geschäftszahlen veröffentlicht, ist das reine Spekulation.
    Freilich kann das so sein, wie die Zahlen aber genau ausschauen, weiss niemand ausser Z. selbst. Kein Finanzinvestor pumpt über längere Zeiträume soviel Geld in eine Marketing-Blase.“
    Zalando hat Zahlen veröffentlicht.
    Siehe Artikel hier bei Exciting Commerce
    „3) Schuhe muss man anprobieren.
    Das ist richtig, aber das kann ich bei Zalando ja auch. Erzeugt zwar eine höhere Retourenquote, deren finanzieller Impact aber durch Prozessoptimierung stetig verkleinert wird. Und es ist ja nicht so, dass die Anprobe bei Deichmann völlig kostenfrei für das Unternehmen ist.“
    Es ist nicht nur so, dass man Schuhe anprobieren muss, für viele fehlt online auch einfach das Einkaufserlebnis. Und das ist ja, was Zalando wahrscheinlich mit den Schrei erreichen will: Die Leute überzeugen, dass das online auch Spaß macht.
    Das viel größere Problem beim anprobieren nach Bestellung ist aber für Zalando eher (kann ich mir vorstellen) nicht die Kosten für Versand und Abwicklung, sondern auch das tote Kapital, was bei den Leuten zu Hause vllt für ein paar Wochen rumliegt, insbesondere dann, wenn die Kollektion nicht mehr lange aktuell ist und man dann in ganz Deutschland noch alte Ware rumliegen hat, die man zurücknehmen muss.
    Weiterhin gilt, dass Zalando es trotz hohen Werbedruck offensichtlich nicht jeden vom Onlinekauf überzeugt. Dazu muss man sich nur mal angucken, wie viel Umsatz die Top 10 Händler in Deutschland machen (> 4 Mrd. € in 2010) und wie viel Zalando macht.
    Ich will nicht sagen, dass es nicht beeindruckend ist, was Zalando in der kurzen Zeit aufgebaut hat, aber dennoch denke ich, dass die großen Schuhhändler durch das Internet nicht solche Probleme bekommen wie die Buch und Elektronikhändler.

  9. @Konrad: Unter Geschäftszahlen verstehe ich was anderes als „in den ersten Monaten dieses Jahres haben wir xxx Mio. Umsatz gemacht“ oder „wir peilen dieses Jahr die Umsatz-Mrd. an“
    Eine Bilanz wurde imho bisher nicht veröffentlicht.
    Natürlich überzeugt Z. nicht „jeden“ vom Online-Kauf, das wäre wohl auch der absolute Hammer, aber sie überzeugen immer mehr und haben Wachstumsraten, von denen Deichmann & Co. nur träumen können. Dort kommt man mit plus 10% schon den den Club der Besten :-)
    Und was den Umsatz von Zalando angeht, der ist gar nicht soooo weit weg von Deichmann. Gib Zalando noch 1-2 Jahre solche Wachstum wie in den letzten beiden, dann haben sie Deichmann überholt.
    Totes Kapital hat Deichmann übrigens auch tonnenweise in seinen Läden rumliegen. :-)

  10. Dass ein Newcomer immer höheres Wachstum hat als ein Etablierter, liegt in der Natur der Sache.
    Bezeichnender finde ich die Marktanteilsverschiebungen, die momentan zwar noch nicht auf Kosten von Deichmann gehen (weil Deichmann einfach weiter zusätzliche Filialen eröffnet), aber auf Kosten der Schuhfilialisten im allgemeinen (s. die Umsatzeinbrüche bei Görtz, die Pleite von Leiser, etc).

  11. Da gab es doch sehr präzise Zahlen, wenn ich mich richtig erinnere waren das 500 Mio € Umsatz und 20 Mio € Verlust.
    Klar, dass ein Neuling wie Zalando bessere Zuwachsraten hat als ein schon ewig am Markt bestehendes Unternehmen, da sind 10% tatsächlich gut. Der Markt wächst nun mal nicht oder nur wenig, man kann eigentlich dann nur noch versuchen, den Konkurrenten Marktanteile abzunehmen.
    Deichmann hat letztes Jahr 4,13 Mrd. € Umsatz gemacht (+5% gegenüber Vorjahr), davon ist Zalando noch recht weit entfernt.
    Deichmann & Co haben mit toten Kapital aber nicht das gleiche Problem wie Zalando. Denn sobald ein Schuh anprobiert wurde, steht dieser wieder anderen Kunden zum Kauf zur Verfügung und gegen Ende der Saison kann mit einem Schlussverkauf die übrig gebliebene Ware abgestoßen werden. Währendessen muss Zalando bis zu 100 Tage darauf warten, die Ware wieder weiterverkaufen zu können. Ich kenne natürlich keine Zahlen, wie lange die Retoure durchschnittlich in der Realität dauert, aber in jedem Fall ist es gerade wegen der hohen Abwicklungskosten problematisch.
    Gleiches Problem gibts aber auch beim Launch einer neuen Kollektion. Wenn die Kollektion dann via Newsleter etc. beworben wird, muss soviel Ware bereitstehen um jeden Interessenten bedienen zu können, wobei am Ende sicherlich 60% der Ware minimum zurückgeschickt wird – alleine schon weil man ggf. den Schuh in 2 verschiedenen Größen bestellt. Währenddessen braucht Deichmann nur soviel Ware, wie laut Schätzung auch verkauft werden kann.

  12. Also wenn Z. bei 500 Mio. Umsatz tatsächlich nur 20 Mio. Minus macht, ist das Argument mit dem „hochdefizitär“ keins. Dafür ist das Umsatzwachstum viel. gross. Und wenn, waren das die Zahlen vom letzten Jahr. Dieses Jahr plant Zalando bereits die Umsatz Mrd.
    Damit ist man in der Tat kleiner als Deichmann, aber micht mehr um Grössenordnungen.
    Wie aber Jochen schon schrieb, Deichmann ist sicherlich nicht das erste Ziel von Zalando, die halten sich in der Tat noch ganz ordentlich, aber auch deren Expansion kostet viel Geld und geht auf den Gewinn. Viel schwerer haben es da Görtz & Co. und die hielten sich vor kurzer Zeit auch noch für unangreifbar.

  13. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Männer vom Schlage Deichmann ja nicht zum ersten Mal von der Konkurrenz angegriffen werden und durchaus wissen, wie ein Krieg zu führen ist.
    Und da ist es doch sicher nicht schlecht, sich im Interview auch mal „dumm“ zu stellen, wer weiß was sie im Hintergrund so aushecken *fies griens*. Und eine Portion Arroganz („Ach ja, zalando“) schadet da auch nicht.
    Man sollte sich auch mal überlegen, was den Samwer-Firmen passieren würde, wenn die potentiellen Aufkäufer sich einfach absprechen und sich sagen „Komm, wir lassen die einfach ausbluten, eine neue Finanzierungsrunde können sie nicht mehr machen, also warten wir einfach bis sie kein Geld mehr haben und übernehmen dann aus der Insolvenzmasse die Filetstücke“.

  14. @ analyst sehr ich ähnlich. es würde deichmann nur schaden wenn hr. deichmann sich hier anders geäußert hätte. ob zalando jetzt insolvenz geht kann ich nicht sagen. die verhalten sich gerade nicht danach… vorher kauft es wahrscheinlich noch suncapital für 0,00 euro :-)))

  15. Warum macht man es sich hier eigentlich oft so einfach. Man keine keine Äpfel mit Birnen vergleichen.
    Klassische Retailer haben (zumindest derzeit noch) zwei klare Verkaufsargumente.
    1.Die Nähe zum Kunden (Filiale – sofern sie gut ist!)
    2.Die Marke – Sie haben noch! einen massiven Bekanntheitsgrad der meist über viele Jahre hinweg aufgebaut wurde.
    Aber:
    Setzt euch heute mal in einen Bus/Zug mit Schülern/Studenten und stellt die Frage nach Deichmann, Neckermann, Quelle und co. und im Vergleich dazu Amazon oder Zalando.
    So sieht die Zielgruppe von morgen (leider) aus ob einem das nun gefällt oder nicht! Und zumindest aus Sicht dieser Zielgruppe sieht es nicht danach aus als ob sich der klassische Retail darüber bewusst zu sein scheint.
    Noch was zum Thema Zahlen und Zalando:
    Natürlich muss Erfolg durch harte Fakten belegt werden. Aus meiner Sicht aber noch nicht zum heutigen Zeitpunkt.
    Was die Jungs aus Berlin perfekt vormachen ist, dass man Besuchern die auf Zalando gehen neben dem Schuh auch das perfekt dazu passende Kleid oder sonstige Acc. kaufen kann und dass quasi von heute auf morgen!
    Ich kenne aktuell keinen klassischen Retailer der da mithalten kann. Und dass ist was mir zu denken gibt.

  16. Man merkt leider, dass der Autor des Artikels weder einen BWL-Hintergrund hat noch jemals selbst ein Unternehmen geführt hat. Dann wären ihm die Dimensionen Umsatz und Gewinn etwas näher.

  17. was immer vergessen wird, ist die (soweit ich weiß) deutsche Besonderheit im ecommerce: die kostenfreie Rücksendung! Ich meine mich zu erinnern, dass die EU da schon dran ist und ein Verbot aussprechen will. Dann bricht in Dland so einiges weg, weil der Kunde es sich dann 3x überlegt online zu kaufen bei Dingen mit hohem Umtauschfaktor.
    @Jochen: ich finde es einigermaßen fragwürdig Quellen latent herunterzusetzen. Warum den Boulevard zitieren, wo es sich doch augenscheinlich um einen Mann handelt, dem Selbstdarstellung nicht so wichtig ist. Und was ist am Interview legendär? Weil man einen der Chefs von Zalando nicht kennt. Mach doch mal eine Umfrage im ecommerce und frage nach den Namen der Manager/Eigentümer/Macher der großen Marken….ich glaube du wärst erschüttert. Klingt alles ein wenig nach Hybris.

  18. Thalia hat die Zeit nicht gesehen, bei Deichmann sieht es etwas anders aus, würde ich meinen. Schuhkauf online geht nur, wenn man es auch zurück schicken kann. Wir wissen ja, wie sich der Spruch bei Zalando geändert hat und es nur noch heisst „Schrei vor Glück“, während „oder schicks zurück“ raus genommen wird.
    Daher bin ich der Meinung, dass diese Branche nicht viel zu befürchten hat, zumindest nicht einen so grossen Einbruch, dass man nicht noch existieren könnte. Eher andersrum, wenn die freien Rücksendungen aufhören.

  19. Deichmann ist für mich ein Vertikaler, der sein Sortiment durch die Aufnahme von einigen FremdMarken (adidas, Nike, Puma) im Sportschuhbereich abrundet (aber eben nur als Abrundung).
    Deichmanns Kern-Kompetenz liegt im Sortiment und da v.a. in der Kopie von Schuhtrends durch preisgünstige Eigenmarken (u.a. Graceland). Mit einem Händler wie zalando, der den Großteils seines Sortiments mit Fremdmarken fährt und seine Kompetenz im Marketing hat, würde ich es aktuell nicht vergleichen.
    Sollten beide bei dieser Strategie bleiben, haben beide eine Berechtigung am Markt und kommen sich meiner Menung nach nur bedingt in die Quere.
    Nichtsdestotrotz würde ich sagen, dass Deichmann noch enormes Potential in den Online-Umsätzen hat. Wenn die Deichmann-Jungs ihr Online-Handwerk nur halb so gut verstehen würden wie die zalando-Jungs, dann wäre Deichmann schon heute (umsatzseitig) ein ernst zunehmender Online-Schuh-Shop (>100 Mio. Umsatz p.a.).

  20. @ Philipp von Schönfels
    Wieso sollte die EU kostenlose Rücksendungen verbieten (wollen)? Es ist richtig, dass die EU die Verbraucherrechte-RL neu gefasst hat, allerdings ist darin kein Verbot der kostenlosen Rücksendung aufgeführt. Die Rücksendung wird ab spätestens Mitte 2014 bloß nicht mehr obligatorisch kostenlos sein (wie bisher ab 40 EUR, oft auch darunter), der Händler wird seinen Kunden den Service einer kostenlosen Rücksendung jedoch anbieten dürfen.

  21. @Christian: Allerdings geht jetzt Zalando auch mehr und mehr in Richtung Eigenmarken. Wie auch immer, Deichmann wird sicherlich später ein Problem mit Zalando bekommen als die anderen der Branche. Aber, dass es sie nie tangieren wird, kann ich auch nicht glauben.

  22. @Claus: Zalando muss (!) sogar seinen Eigenmarkenanteil erhöhen, da Eigenmarken i.d.R. immer gut für die Akquise sind (da niedrigere Preisklassenstrukturen) und zudem margenträchtiger (Wegen Aussschaltung des Herstellers) und somit insgesamt für die Rentabilisierung eines Geschäftsmodells notwendig sind.
    Die Frage ist nur wie weit geht man.
    Ich würde aktuell davon ausgehen, dass bei Deichmann die Eigenmarken mind. ca. 80% des Umsatzes ausmachen. In diese Größenordnung wird Zalando zumindest die nächsten Jahre eher nicht vordringen.
    D.h. produktseitig werden Sie sich nicht so sehr in die Quere kommen. Die Frage ist nur wie stark Sie sich kundenseitig überschneiden.
    Ein Punkt ist mir noch wichtig:
    Zalando hat nicht deswegen eine Super-Entwicklung genommen, weil Sie sich vor Geld nicht retten können oder hinter jedem Mitarbeiter ein Einpeitscher steht der Sie zu Höchstleistungen prügelt.
    NEIN: Sie machen für das Online-Business einfach einen handwerklich ausgezeichneten (Marketing-)Job, der jede Maßnahme dediziert steuert, Wechselwirkungen berücksichtigt und ziehen daraus die richtigen Schlüsse. Dass da noch Optimierungspotential in den Restprozessen (Retouren, Wareneinstand etc.) da ist keine Frage, aber von zalando können mind. 99% aller restlichen Online-Shops lernen.
    Von Zalando lernen, heisst Performance-Marketing im Internet lernen. Und da kann sich jeder zalando als Vorbild nehmen. Auch Deichmann. Aber auch jeder andere Online-Shop!

  23. @Janusz: warum die das tun sollten? Keine Ahnung! wie geschrieben, bin ich mir nicht sicher und kann keine Quelle nennen. Mir ist nur so, dass ich das gehört hätte. Für den Konsumenten wäre es ja nett und schön.

  24. @Philipp von Schönfels..bin ich mir nicht sicher und kann keine Quelle nennen. Mir ist nur so, dass ich das gehört hätte.“
    Was sind das bitte für sachliche Aussagen?
    Mir ist nur so das ich gehört hätte das Apple die USA übernommen hat, kann aber keine Quelle nennen.
    Aber
    Fakt ist:
    Das Zalando Team macht einen super Job.
    Fakt ist:
    Zalando ist in den 4 Jahren seit seiner Gründung so schnell gewachsen wie kein Offline Unternehmen in diesem Segment seit 1750.
    Fakt ist:
    Zalando hat sehr vielen kleinen und mittleren Händlern (im Schuhsegment) online das Wasser abgegraben und auch offline/stationär einen unglaublichen Druck aufgebaut.
    Fakt ist:
    Der ehemals sehr margen sichere, gut planbare und konservativ denkende Schuheinzelhandel ist in recht kurzer Zeit (2-3 Jahre) massiv verändert worden.
    Fakt ist:
    Wer sich nicht schnellsten bewegt, auch geistig in alle Richtungen anfängt zu Denken sieht sein Geschäftsmodell in sehr kurzer Zeit einstürzen.
    Und ich schreibe das aus sehr guter Kenntnis über das Schuhhandels/Produzenten/Wiederverkäufer
    Business, mir ist nicht nur so, das ich dass gehört hätte.
    Ich weiss es ;-)

  25. @Mikele:
    Hier will auch niemand den Erfolg von Zalando schlechtreden.
    Aber Fakt ist eben auch, dass wieviel hundert Mio. an VC da reingeflossen sind?
    Es ging hier lediglich darum, ein Gegengewicht zu der einseitigen Aussage des Autors des Blogs zu platzieren, der suggeriert dass Deichmann jr. die Erfindung des Internets verpasst hat und jetzt zähneklappernd auf seine Insolvenz warten muss.
    Deichmann hat 100 Jahre Erfahrung im Schuh-Einzelhandel und Milliarden verdient. Die Samwers haben 10 Jahre unternehmerische Erfahrung und auch Mio. verdient, aber nur indem sie anderen Milliardären das Geld aus der Tasche gezogen haben. Zeige mir doch mal eine Samwer-Firma die nachhaltig über mehrere Jahre Profit macht und zudem den Mitarbeitern eine sichere Perspektive bietet?

  26. @Analyst: Man darf nicht den Fehler machen die aktuelle operative (!) Profitabilität von 2 Geschäftsmodellen wie zalando und Deichmann zu vergleichen.
    Zalando befindet sich innerhalb einer aggressiven Markeintrittsstrategie (zwar am Ende, aber dennoch Markteintritt). Solche Phasen leben davon, dass man investiv ist und nur in seltensten Fällen operativ Gewinn macht. In dieser Phase geht es v.a. um Aufbau einer Markenbekanntheit und eines Kundenbestandes.
    Erst nach dieser Phase kommt die eigentliche Reifephase des Unternehmens in der v.a. auf operative Profitabilität durch Aussschöpfen der Markenbekanntheit und des Kundenstammes gesetzt wird.
    Erst wenn Unternehmensdaten für diese Phase von zalando vorliegen, dann ist ein Vergleich sinnvoll.
    Ich würde davon ausgehen, dass zalando eine gute perspektivische Profitabilität aufweist und bereits heute eine positive Rendite schaffen könnte (Dann aber eben zulasten eines deutlich eingeschränkten Wachstums).
    By the way: Ich kenne Unternehmen/Start-ups, die haben deutlich mehr Geld verbrannt als Zalando (bei Umsatzgrößenordnungen im niedrigen zweistelligen Mio. Umsatzbereich)

  27. „Man darf nicht den Fehler machen die aktuelle operative (!) Profitabilität von 2 Geschäftsmodellen wie zalando und Deichmann zu vergleichen.“
    Eben, ich widerspreche Ihnen überhaupt nicht.
    Aber die Entwicklung eines Unternehmens / des E-Commerce generell würde ich eher mit einem Marathonlauf als mit einem Sprint vergleichen.
    Was ich kritisiert habe ist die Haltung des Autors des Blogs. Nur weil zalando mal bei Kilometer 4 vorne liegt, heißt das noch lange nicht, dass sie auch das Rennen gewinnen.

  28. @Analyst:Zeige mir doch mal eine Samwer-Firma die nachhaltig über mehrere Jahre Profit macht und zudem den Mitarbeitern eine sichere Perspektive bietet?
    ebay ;-)
    @Analyst: Deichmann hat 100 Jahre Erfahrung im Schuh-Einzelhandel und Milliarden verdient. Die Samwers haben 10 Jahre unternehmerische Erfahrung und auch Mio. verdient, aber nur indem sie anderen Milliardären das Geld aus der Tasche gezogen haben.
    Ja, 100 Jahre heißen auch Geld aus der einen Tasche in die andere Tasche zu, stecken.
    Die zocken die Kohle ab und setzen Sie bei Problemzeiten in die Deichmannstores fast wie ein VC ein.
    Deichmann stülpt sich hier den Deckmantel des niederrheinischen evangelikalen Sozialaktivismus al’a Brenigmeiyer (C&A) über.
    Also mal schön die Kirche im Dorf lassen.
    Ob Samwers, Aldi’s, Deichmann oder Goertz’ies, die nehmen sich nichts.
    Der Unterschied ist, die Samwers/Zalandos… sind Jung, haben Power im Arsch und beherschen und Bauen das Business 2012 und obwohl noch keine 100 Jahre am Start wie Deichmann, schnell dabei
    Märkte zu beeinflussen.

  29. Worin besteht denn bitte die Kunst, mit hunderten Millionen Euro VC Jung von Matt zu beauftragen und Logistikprozesse wie Amazon aufzubauen?
    Echte Kunst besteht darin, aus nichts etwas aufzubauen, wie es die Familie Deichmann hinbekommen hat.

  30. @Roland Worin besteht denn bitte die Kunst, mit hunderten Millionen Euro VC Jung von Matt zu beauftragen und Logistikprozesse wie Amazon aufzubauen?
    Sorry Roland, aber das ist unsachlich und unlogisch was Du schreibst.
    Geld auch hunderte Millionen sind kein Garant etwas erfolgreich aufzubauen.
    Erfolge werden „nur durch Menschen“ gemacht.
    Fakt und Punkt.
    Aber dieses Wissen ist doch wohl heute Allgemeingut.

  31. @ Mikele: Bei Zalando von einem „Erfolg“ zu sprechen ist wohl reichlich verfrüht.
    Dass sie Geld ausgeben können haben sie bewiesen. Aber ob sie jemals auch Geld verdienen können, steht in den Sternen.

  32. Ich erwarte, das meine Abmessungen (Schuhe, Hemden,…) microformatiert irgendwie dem Anbieter verklickern kann und sehe welche Schuhe (oder Hemden) mir passen würden oder ob und wo sie drücken bzw. schlabbern würden. Im Handy und im Browser.
    Das könnten Deichmann oder Zalando. Oder Amazon oder sonstwer. Keinen interessiert es. „Danke“.
    Deichmann kann die Shops als Verteilungs-Infrastruktur nutzen. Problem bei Mittelständlern sind oft Anbieter optimierbarer und nicht gerade preislich günstiger Software.
    Wenn ich Amazon wäre, würde ich mir Elektroshops als Dienstleister „halten“ und bewerten lassen und Amazon-Elektronik mit Amazon-Quittung verkaufen. Und nicht jeder kann oder will auf den Postmann warten oder 10km zur Poststation fahren. Da gibts viele triviale Ideen die immer noch nicht realisiert wurden. Fielmann schafft es (soweit ich mich erinnern kann) nicht mal, mir eine Email zu schicken oder in der App bescheid zu geben wenn die produzierte („built-to-order“ im Berater-Slang) Brille sondern ich muss (also einen Tag Verzögerung) auf die Postkarte warten…
    Wenn die Kiddies selber einkaufen müssen, kommen sie auch in die Innenstädte und werden zu potenziellen Deichmann-Kunden. Und viele meiner Amazon-Bestellungen bei Marketplace-Händlern könnten auch einen Tag früher da sein. Und damit meine ich nicht die Warensendungen.
    Es gibt Muss-Käufe und Impuls-Käufe. Beide Zielgruppen sollte man passend bedienen.
    Börsenfirmen können nach der Rezession die Gewinne an die Aktionäre auszahlen oder die Firma wachsen lassen. Die Samwers müssen halt bis nach der Rezession warten und dann verkaufen. Das dauert dieses Mal halt etwas länger als bisher. Im Gegensatz zu USA sind die Cashburn-Raten in Europa wohl geringer und wenn man wollte, könnte man oft wohl schnell zumindest eine schwarze Null erreichen.
    Das Ziel der Samwers ist vermutlich, die Firma mit Gewinn zu verkaufen. Gewinne sind vermutlich kein Ziel sondern bestenfalls eine Zahl (neben Umsatz, Wachstums-Rate, Wachstums-Potential in anderen Ländern usw.) als Bewertungs-Hilfe. Vielleicht sind Firmen mit Gewinnen um Null herum steuer- und finanztechnisch am interessantesten.

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