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Groupon und die panikartigen Verkäufe an der Börse

In dieser Woche konnte man den Eindruck gewinnen, als hätte Groupon horrende Verluste eingefahren, doch ganz im Gegenteil: Groupon hat zum zweiten Mal in Folge ein positives Ergebnis ausgewiesen. Einbußen erlitten haben lediglich die Investoren, und zwar durchaus zurecht.

Denn wer mit Phantasiebewertungen an die Börse geht, der muss damit rechnen, dass ihn irgendwann die Realität einholt. Im Grunde schön zu sehen, wie die Börse gerade die Tech-VC-Szene abstraft, die sich darauf verlegt hat, ihre Startups – gute wie schlechte – hochzujazzen bis zum Geht-nicht-mehr. Solche Spielchen sind legitim, wenn man untereinander zockt und versucht, beim Exit das Maximum herauszuholen. Das rächt sich allerdings bisweilen, wenn man dieselben Spielchen auch öffentlich an der Börse spielen will.

Allzu schnell ist vergessen, dass Groupon beim Börsengang bewusst nur sehr wenige Anteile ausgegeben hat, um den Preis zu treiben. Der so festgesetzte Ausgabekurs half entsprechend wenig, um Groupon einzuschätzen. Er repräsentierte schon damals weniger den Wert des Unternehmens als, wenn überhaupt, den Wert des kleinen Aktienpakets, das im November 2011 verfügbar war.

Für uns ist Groupon inzwischen doppelt spannend. Zum einen bleibt es weiter das erste Unternehmen der neuen E-Commerce-Generation, das sich in die Karten schauen lässt, Geschäftszahlen veröffentlicht und so substanzielle Einblicke in die Umsatzentwicklung und das Geschäftsmodell erlaubt. Und speziell Groupon schwimmt ja in diesem Jahr in Geld.

Zum anderen kann man jetzt langsam anfangen zu diskutieren, wie ein Unternehmen wie Groupon tatsächlich zu bewerten ist:

Anleger und E-Commerce-Interessierte haben jetzt die Möglichkeit, sich bei weitaus mehr Informationen ein substanziell besseres Bild von Groupon zu machen. Kara Swisher hat diese Woche ein Interview mit Groupon-Chef Andrew Mason geführt, für den sich in der Innensicht vergleichsweise wenig verändert hat.

Er betont zurecht, dass Groupon heute auf Smartphones schon Milliardenumsätze erzielen kann, von denen andere sogenannte "Mobile Player" noch träumen.

Spannend ist aber auch, dass die panikartigen Verkäufe Groupon zum Übernahmekandidaten gemacht haben. Man wird sehen, ob Groupon dem öffentlichen/Börsen-Druck standhalten kann oder ob es sich besser wieder in private Hände begibt.

Bei Exciting Commerce haben wir uns an den (Bewertungs-)Spekulationen rund um den Börsengang bewusst nicht beteiligt, sondern uns beim Thema Groupon immer an den harten Fakten aus den Geschäftsberichten orientiert, weil wir die Substanz und das Marktpotenzial von Groupon & Co. erheblich spannender finden als die Außeneinschätzungen von teils vorurteilsbeladener, teils uninformierter Seite.

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