Heile Welt in Burladingen: Warum viele Fachblätter verschwinden

Mit dem stationären Handel verschwinden auch viele Fachblätter, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen darin besteht, ihren Abonnenten und Anzeigenkunden nach dem Mund zu reden.

Entsprechend viel Trost und Zuspruch findet sich dort für die Verbliebenen.

Das strukturelle Branchenversagen ist kein Thema, Kritik Fehlanzeige. Jede neue Filiale ein Grund zum Jubeln, und jede Pleite ein bedauerlicher Einzelfall.

Und statt echter Zukunftsperspektiven gibt es sehr viel Nostalgie und Sehnsucht nach den guten alten Zeiten.

Am Offensichtlichsten ist der Niedergang gerade in der Buchbranche.

Heile Welt in Burladingen

Aber auch eine Textilwirtschaft spielt am liebsten „Heile Welt in Burladingen“. Ähnlich wie die Lebensmittelzeitung konnte sie unlängst ihren 75sten feiern. Und auch da war man schon jeweils geneigt zu sagen: 75 Jahre – und man merkt euch jedes einzelne Jahr an!

Irgendwie gibt es sie noch, aber ihre Relevanz haben die Blätter längst verloren. Gegen den Niedergang ihrer Branchen schreiben sie nicht an und eine Vorstellung davon, wie die Zukunft aussehen könnte, haben sie ebenso wenig entwickelt.

Statt als Gestalter des Umbruchs profilieren sie sich weiter als Chronisten des Niedergangs. Ihr Verschwinden ist da allenfalls eine Frage der Zeit.

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Kategorien:Buchhandel

1 Antwort

  1. Lieber Herr Krisch,

    ich lese seit Jahren ihre Newsletter und höre mit Vergnügen (gelegentlich) die fundierten Podcasts.

    Ihre Polemik gegen die „Textilwirtschaft“ geht allerdings entschieden zu weit und ist schlichtweg falsch. Ganz im Gegenteil werden in der TW sehr oft klassische Strategien kritisch analysiert, aber ebenso kritisch auch über Online-Händler berichtet. Und gerade im Modebereich ist die Zahl der gescheiterten Online-Projkete deutlich größer als die der erfolgreichen! Mal abgesehen davon, dass natürlich kein Start-Up einen solchen Geburtstag feiern kann, wie jetzt Trigema. Aber genau deshalb ist dies ein Thema, über das sich zu berichten lohnt!

  2. Starke Worte und durchaus zutreffend. Allerdings sehe ich ähnliche Tendenzen leider auch bei exciting commerce selbst. Ich kann kaum zählen, wie viele weitgehend substanzlose E-Commerce-„Konzepte“ scheinbar allein deshalb hochgejubelt wurden, weil sie E-Commerce waren. Kritik ist berechtigt, aber bitte auch selbst reflektieren. Stationär ist schlecht, weil es stationär ist, und E-Commerce ist gut, weil es E-Commerce ist – in meinen Augen ebenfalls eine schwache Argumentation. ;-)

    Hinweis zur Transparenz: Ich vertrete beruflich beide Bereiche im Kosmetiksegment.

    • ich würde nie behaupten, dass Exciting Commerce unfehlbar und der Weisheit letzter Schluss ist. Aber so ist das halt, wenn man ins Risiko geht, frühzeitig über sich anbahnende Entwicklungen schreibt und bewusst versucht, andere Perspektiven aufzuzeigen.

      Aus meiner Sicht hat Exciting Commerce eine komplett andere Rolle als klassische Fachblätter. Aber natürlich habe auch ich an Exciting Commerce so manches auszusetzen. Mehr als die genannten Punkte stört mich aber, wenn ich Entwicklungen verschlafe und/oder unterschätzt habe.

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