Magento-Agentur Visions sucht Investor für Neustart

Letzte Woche musste die Visions New Media GmbH, eine der führenden Magento-Agenturen hierzulande, Insolvenz anmelden, nachdem es in eine für schnell wachsende Unternehmen nicht untypische Wachstumsfalle getappt ist ("Zu schnell zu groß"):

"Mir ist es trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen kurzfristig eine Betriebsmittellinie in ausreichender Höhe bei Banken zu erhalten oder ein Darlehen mit akzeptablen Bedingungen zur Auszahlung zu bringen, um eine kurzfristige Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden."

Obwohl die Projektpipeline voll ist und der Umsatz von 1,2 Mio. Euro (2009) auf absehbare 3,3 Mio. Euro (2010) steigen wird, konnte Visions seine laufenden Ausgaben nicht mehr decken.

Es müsste in diesem Fall allerdings mit dem Teufel zugehen, wenn sich hier nicht schnellstens ein (Übernahme-)Partner finden würde (s. Verkaufsprospekt/PDF).

Wir drücken Alexander Ringsdorff und seinem Team die Daumen!

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Open Source, Shopboerse

  1. Natuerlich druecke ich dem Team auch die Daumen, aber wundern tut mich das schon. „Zu schnell zu gross“ kann ja wohl nicht der Punkt sein, wenn man die ganzen VC-gepimpten Stories hier taeglich liest. Wenn es niemanden gibt, der einer 29-Mann-Firma mit ueber 3 Mio. Jahresumsatz einen Kredit gibt, muss es berechtigte Zweifel am Geschaeftsmodell geben. Von ner Referenzliste alleine kann man wohl keine Gehaelter bezahlen.

  2. Mir ist von Kunden bei Gesprächen zugetragen worden das es Probleme bei der Abwicklung der Projekte gab, keine dramatischen Probleme wohlgemerkt, aber eben Projektmanagement Probleme bei denen der Kunde nicht genug an der Hand genommen wurde. Das führte zu einer erheblichen Verlängerung der Projektzeiten ( Kunde wirkte seeehr unglücklich).
    3,5 Millionen € sind nichts wert wenn ich dabei Geld verliere, wenn ich raten müsste würde ich sagen das die Einzelprojekte sich als komplexer herausgestellt haben und Magento manchmal auch technische Stolpersteine produziert hat. D.h. am Ende haben wir schwierige Projektkalkulationen in Verbindung mit zu schnellem Wachstum.
    Tut mir leid für das Team und den Gründer :/ gemeine Situation, Projektkalkulation in IT Projekten und Projektmgmt sind oft die größte Herausforderung für Dienstleister.

  3. Hochmut kommt vor dem Fall. War es doch Visions, die die Anfrage unseres Kunden erst gar nicht bearbeitet hat und dann nur mit einem müden Rächeln meinten, dass ein Auftragsvolumen in der Höhe (ca. 300.000 €) für die Agentur eigentlich zu klein ist.
    Bei so einem extremen Wachstumsmarkt lassen sich eigentlich sogar krasse Managementfehler noch bezahlen. Dass man die Kiste aber komplett versenkt ist schlicht kaufmännisches Versagen. Da hilft kein „die armen hatten zu heftiges Wachstum“. Managementfehler, Überheblichkeit, Verschwendung, Missmanagement.

  4. @Claus Es ist ein Unterschied, ob Du Fremdkapital (Kredite) brauchst oder Eigenkapital. Fremdkapital bekommst Du nicht ohne Sicherheiten. Und da tun sich Agenturen (wie alle Dienstleister) naturgemäß extrem schwer.
    Deshalb gibt es ja VCs/Risikokapitalgeber, die – ohne Sicherheiten – gegen Anteile einsteigen. Nur einen Risikokapitalgeber für eine Agentur (mit aus VC-Sicht beschränktem Wachstumspotenzial zu finden) ist so gut wie unmöglich.
    Das Problem bei (allen) Agenturen ist doch, dass sie stark in Vorleistung gehen müssen und große Teile der Entwicklung vorfinanzieren müssen, bis der Kunde irgendwann zahlt.
    Diese Vorfinanzierung (Personalkosten, etc.) einigermaßen geschickt geregelt zu bekommen, ist die eigentliche Kunst.
    Bei 10 bis 20% Wachstum pro Jahr ist dies kein Problem. Ein Wachstum von 250% hat aber schon so manchem (unterfinanzierten) Unternehmen das Genick gebrochen.
    Es ist ja nicht so, dass Visions pleite gegangen ist, weil es Verluste gemacht hätte. Das Problem war der Zahlungsfluss (Cashflow), der zur kurzfristigen Zahlungsunfähigkeit geführt hat.

  5. @is nun mal so Das ist doch das Problem, dass Visions ohnehin schon zuviele Projekte hatte. Oder hätte Euer Kunde per Vorkasse gezahlt?

  6. Bevor es hier eskaliert, möchte ich alle, die noch nicht mal selber versucht haben, ein 3 Mio. Euro Unternehmen innerhalb von zwei Jahren aus dem Boden zu stampfen, bitten, sich mit Häme zurückzuhalten.
    Außerdem ist hier nicht der Platz, um schmutzige Wäsche zu waschen. In jeder Agentur passieren Fehler. Nur weil jemand am Boden liegt, muss man nicht auch noch drauf rumtrampeln.
    Alex Ringsdorff ist von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen. Das ist ihm hoch anzurechnen. Visions hat gute Projekte und gute Entwickler. Insofern ist davon auszugehen, dass es für Visions in irgendeiner Form weitergeht.
    Davon abgesehen: Konstruktive Kommentare und Anmerkungen sind natürlich weiter herzlich willkommen.

  7. Hoffe das kam nicht zu kritisch rüber – falsche Kalkulation und zu schnelles Wachstum können jeden Dienstleister erwischen und richtig gutes Projektmgmt in dem Bereich in so einer Wachstumssituation ist fast unmöglich.

  8. @Jochen Mir ist der Unterschied zwischen Eigen-und Fremdkapital schon klar, aber offensichtlich hat es Visions ja nicht geschafft, sich weder ueber die eine noch die andere Moeglichkeit zu finanzieren. Mir sind auch die Unwaegbarkeiten des Projektgeschaefts gelaeufig und kann mir gut vorstellen, woran es dann am Ende gescheitert ist, aber das bringt mich nur zurueck zu meiner Aussage oben mit dem Geschaeftsmodell, was andere Schreiber hier ja bestaetigen. Wenn ich weiss, dass ich groessere Projekte nicht finanzieren kann, muss ich halt die kleineren machen. Das passt vielleicht nicht so richtig zum Enterprise-Anspruch von Magento, waere fuer Visions aber sicherlich sinnvoller gewesen. Sei’s drum. Das Management wird daraus gelernt haben und die Kunden von Visions sicherlich auch. Das ist uebrigens nicht als Haeme oder Besserwisserei gemeint, ich bedauere immer, wenn eine Unternehmung scheitert, aber man hat gerade aus der Magento-Ecke immer mal den Eindruck vermittelt bekommen, man koennte Dank Magento jetzt ueber’s Wasser gehen und alle etablierten grossen Anbieter sind traege Dinosaurier und Enterprise-Projekte wuerde man in Zukunft viel bessere fuer viel weniger Geld bekommen.

  9. @Jochen: du schreibst
    „@is nun mal so Das ist doch das Problem, dass Visions ohnehin schon zuviele Projekte hatte. Oder hätte Euer Kunde per Vorkasse gezahlt?“
    Das Problem bei Unternehmen die wegen dem „Wachstum“ auflaufen liegt meist weniger im Wachstum selber, sondern in der falschen Auswahl des Kundenkreises. Sofern ich die 300.000 Euro Story mal für wahr nehme, dann ist es fast der identische Fehler den auch ein Intershop gemacht hat. Ein Unternehmen kann mit Großkunden gute Geschäfte machen, aber die stabile Basis erhält man von der Masse der „kleinen Kunden“ – denn ein großer kann bei etwas husten dem Unternehmen so zusetzen das es mehr als nur etwas schnupfen bekommt. Zahlungsausfälle und Verzögerungen sind dann auch schmerzvoller – und die Bereitschaft über juristische (langatmige) Wege etwas im Streifalle zu klären wächst auch mit dem Volumen.
    Ebenso ist es uso das bei „Großprojekten“ der Auftraggeber exakt nachrechnet was es kosten darf, jedwede negative Abweichung (für den AG) führt zum Streitfall.
    Auch ein Staff von 29 Mann bei 3,3 Mio schlichtweg viel zu groß wenn man bedenkt das das Unternehmen Dienstleister ist – da bekomm ich schon bei niedrigen exemplarischen Gehaltsrechnungen Probleme…

  10. Eigentlich könnte direkt Magento bei Visions einsteigen. Die Projekte basieren ja alle auf Magento und die enge Zusammenarbeit ist wohl vorhanden.

  11. @Roland, das habe ich mir auch als erstes ueberlegt. Visions scheint einer der groessten Magento-Implementierungspartner in D zu sein und hat sicherlich einige Leuchtturm-Projekte (z.B. Globetrotter) gemacht. Da waere es fuer Varien sicherlich leicht gewesen, zumindest einen Ueberbrueckungskredit + etwas „Beistand“ zu leisten. Entweder hat Visions nicht gefragt, was ich fuer straeflich halten wuerde oder Varien war auch nicht zu ueberzeugen, das wuerde allerdings bedeuten, dass es extrem schwer wird, einen Kaeufer zu finden, denn wie oben geschrieben, das einzige Asset sind die Supportvertraege und da muss man schauen, wie werthaltig die sind. Die Entwickler werden sicherlich schnell nicht mehr da sein, wenn erst mal kein Gehalt mehr fliesst, andere Firmen duerften bereits schlange stehen.

  12. Agenturen mittlerer Größe sind weder für Banken noch für Investoren interessant, da gibt es eben kein Geld. Für den Investor ist das Volumen und die mögliche Rendite eher lächerlich, Banken sehen Agenturen nicht als kreditwürdig an.
    Würde ich Kredite benötigen, egal ob kurz- oder langfristig, dann müsste ich Sicherheiten stellen, und zwar erstrangige.
    Die Management-Aufgabe für die Führung solcher Unternehmen ist also, das Unternehmen aus dem eigenen cashflow heraus zu führen und zu erhalten. Klappt das nicht, dann muss man eigenes Geld zuschiessen oder aber das eigene Häuschen verpfänden. Hat man beides nicht, dann geht man leider sang- und klanglos pleite … und es kommt niemand, um zu helfen. Das ist nun mal die bedauerliche Realität in Deutschland.
    Deutlich erschwerend kommt derzeit in DE dazu, dass sich das Zahlungsverhalten gerade großer Kunden massiv verschlechtert hat. Die erhöhen eben die eigene Liquidität dadurch, dass sie erheblich später zahlen, als noch vor 1-2 Jahren. Wer den Punkt in seiner Firma nicht energisch bearbeitet, der hat gleich verloren. Wir gehen mittlerweile so weit, dass wir Kunden rauswerfen, die dieses Verhalten nicht ändern und neue Projekte dann nicht annehmen, wenn mit schleppender Zahlung zu rechnen ist. Und dazu kann ich allen Kollegen auch nur raten. Wenn Kunden keine professionellen Partner mehr finden, die das mitmachen, dann stellen sie ihr Verhalten auch um. Es war aber auch schon früher so, dass etliche Kunden – gerade wenn sie einen hohen Anteil am Umsatz der Agentur haben, quasi versuchen, die in die Pleite zu treiben. Durch Preisdruck und schleppende Zahlung. Wir waren da schon immer energisch und sind noch akribischer geworden in letzter Zeit.
    Ein Umsatz von > 3 Mio. mit 29 Leuten läßt sich natürlich profitabel gestalten, daher vermute ich eher die hier genannten Ursachen für die Probleme bei Visions. Und die lassen sich evtl. in der Insolvenz lösen. Auch ohne Investor.

  13. Dankesehr! Das war auch der Grund, warum ich das Thema aufgegriffen habe, da ich ebenfalls glaube, dass es sich hier um ein strukturelles Problem handelt. Die eher agenturfeindlichen Rahmenbedingungen, was die Finanzierungsmöglichkeiten angeht, und die beschriebenen Unsitten machen das Agenturgeschäft nicht gerade leichter.

  14. @ Jochen: Ja, daher finde ich das auch richtig, dieses Thema anzugehen – und nicht nur über frische start-ups zu reden, denen VCs erstmal das Geld reinblasen ;-).
    Denn auch die benötigen die soliden Infrastrukturen, die etablierte Technologie-Player bieten. Bricht die weg, gibt’s auch bald keine start-ups mehr. Ohne Magento/Typo3/Drupal/usw.-Agenturen keine Anwendungen … und wer entwickelt denn in den OS-Communities die TEchnolgie weiter? Doch nicht die Startups, sondern eben die etablierten Technologie-Lieferanten. Wenn das bröckelt oder wegbricht, dann ist der Commerce bald auch nicht mehr so exciting.
    Aber: Es muss auch der Appell an die Agentur-Chefs gehen, so zu wirtschaften, wie es den derzeitigen (aversiven, schlechten, falschen!) Rahmenbedingungen entspricht. Ich glaube nicht, dass die sich ändern werden. Sonst überlebt man nicht … und dasgerade dann, wenn man technisch weit vorne ist und der Markt noch nicht soweit.
    Und auch dafür könnte Vison ein Lehrbeispiel sein.
    Jegliche Häme, das möchte ich auch unterstreichen, halte ich für ausgesprochen geschmacklos, sowas kann denn auch nur von kleinen, neidischen Gehaltsempfängern kommen. Wer jemals was gewagt hat auf eigenes Risiko und mir eigenem Geld, der kann hier keine Schadenfreude empfinden. Der weiss wie es ist, wenn man nachst um drei schweissgebadet aufwacht …

  15. Was die Rolle/Bedeutung der Agenturen angeht, rennst Du bei mir offene Türen ein.
    So hatte ich bei der letzten Meet Magento bewusst für ein Agenturpanel plädiert und dort auch nochmals betont, dass Agenturen ein wesentlicher, aber oft übersehener Teil der Open Source „Community“ sind und ihren Teil zur (Fort-)Entwicklung beitragen.
    Und genau aus diesem Grund weise ich auch in Beiträgen explizit auf Agenturen hin, die sich in diesen Bereichen engagieren, weil es eben auch hier zweierlei Arten von Agenturen gibt – und man klar differenzieren sollte zwischen denen, die eine Vorreiterrolle übernehmen und bewusst ins Risiko gehen, und denen die als Trittbrettfahrer relativ spät auf den Zug aufspringen und sich bevorzugt ins gemachte Nest setzen.
    Abgesehen davon: Man kann ja über das eine schreiben, ohne das andere zu lassen. Auch in der Startup/VC-Szene liegt noch so einiges im Argen. Nichtsdestotrotz kann die Startupszene nicht genug Investoren haben, die ins Risiko gehen und Geld in scheinbar verrückte Ideen stecken ;-)

  16. Das ganze Thema Agenturen, deren Input, sowie Schwierigkeiten, die sich mit Kunden auftun, inklusive Projektmanagement in diesen Bereichen wäre furchtbar interessant für kommende Barcamps, Events etc.
    Nicht unbedingt des Tachelesredens wegen, vielmehr aus Gründen der Aufklärung, Schulung und Verbesserung für Beziehungen zwischen Agenturen und Kunden.
    Es ist ja auch ein Trugschluss zu glauben, lediglich Kunden können von Agenturen lernen, wenn es um E-Commerce geht. Auch andersherum ist nicht selten.
    Einen gemeinsamen Nenner zu finden, Ansätze den anderen besser zu verstehen, nachhaltiger zu sein, dass sollte man wirklich mal behandeln in Panels einiger Veranstaltungen. Das nur mal Off-Topic eingeworfen.

  17. Wenn es tatsaechlich so ist, dass sich Agenturen wie Visions weder ueber Fremd-noch ueber Eigenkapital finanzieren koennen, duerfte die Messe gesungen sein. Da findet sich dann auch kein Kaeufer mehr. Am Ende sind die Agenturen aber teilweise auch selbst schuld, denn durch das staendige „Projekt-Kaufen“ werden die Preise komplett versaut und dann braucht man sich auch nicht wundern, dass die Kundschaft „verzogen“ ist. Ich habe schon haeufiger in Pitches gesessen, wo wir bis zur absoluten Schmerzgrenze und drunter gegangen sind und dann kommt Agentur xyz um die Ecke und sagt: „wir machen’s fuer die Haelfte“ weil sie entweder zu bloed waren, das Projekt zu kalkulieren oder sich den Kunden einfach kaufen wollten. Damit wird der Wettbewerb total verzerrt und der Markt versaut und am Ende haben wir dann die Situation wie oben beschrieben. Am Ende muesste man vielleicht doch froh sein, dass es jetzt die ein oder andere Agentur zerreisst und die Kunden mit nem Haufen Aerger zurueck laesst. Vielleicht kehrt dadurch wieder etwas Vernunft bei Kunden und Anbietern zurueck.

  18. „Ich habe schon haeufiger in Pitches gesessen, wo wir bis zur absoluten Schmerzgrenze und drunter gegangen sind und dann kommt Agentur xyz um die Ecke und sagt: „wir machen’s fuer die Haelfte“ weil sie entweder zu bloed waren, das Projekt zu kalkulieren oder sich den Kunden einfach kaufen wollten. Damit wird der Wettbewerb total verzerrt und der Markt versaut“
    Zustimmung! Die Frage die sich mir stellt, wer ist die nächste (reine) Magentoagentur, die nach Visions geht.
    Peter

  19. @Claus:
    In der Tat mag da einiges auch selbst verschuldetes Elend sein. Ich kann nur sagen, wie wir es seit 15 Jahren machen:
    – Pitches: Nehmen wir niemals teil, nicht mal an sog. bezahlten, weil auch symbolische 3 oder 5K die Kosten nicht decken
    – Projekt-Kaufen: Unser Preis ist unser Preis, der Kunde kann dazu „ja“ sagen oder „nein“, das ist seine Entscheidung. Verhandelt wird das nicht, dazu fehlt dem Kunden ja auch jegliche fachliche Basis – woher will der denn wissen, dass das alles viel schneller und einfacher geht?
    – Preise: Wir haben eine Preisliste und Zahlungsziele. Die gelten für alle Kunden, ausnahmslos. Wer die nicht akzeptiert, kann hier nicht Kunde werden.
    – Rabatt: Ist eine Stadt in Marokko, soweit ich weiss ;-)
    – Valuta: Ich hab‘ nur das kleine Latinum, da kam das Wort nicht vor
    Eigentlich ist es doch ganz einfach …

  20. @Peter „Zustimmung! Die Frage die sich mir stellt, wer ist die nächste (reine) Magentoagentur, die nach Visions geht.“
    Das ist in der Tat schon eine zentrale Frage: Trägt Magento wirklich und hat eine nachhaltige Zukunft? Ich bin nicht ganz sicher, besonders bezüglich größerer, komplexer Projekte. Warum hat sich z.B. Zalando, nachdem es ein gewisses Volumen und eine hohe Komplexität erreicht hatte, davon verabschiedet?
    Unserer Erfahrung nach sind große Projekte zu nahe 100% Individual-Entwicklungen … und von den kleinen wird man nicht auf höherem Niveau überleben können. Da könnte eine Schere aufgehen für Magento-Dienstleister.

  21. @Peter(2) Ich denke, mit Magento hat das absolut nichts zu tun, ob sich ein Projekt traegt oder nicht. Und gerade bei grossen Enterprise-Projekten faellt der Anteil der Standard-Software an den Gesamkosten kaum ins Gewicht. Deswegen spielt es keine Rolle, ob der Kunde 10k bei Magento oder 50k bei Intershop fuer die Software bezahlt, wenn das Projekt 1,3 Mio. kostet. Magento ist fuer den Projekter nicht weniger komplex als Intershop oder Websphere oder ATG oder Hybris, wahrscheinlich sogar komplexer. Da kann man also kaum was sparen plus braucht extrem hochqualifiziertes Personal. Und wenn es dann im Live-Betrieb Performanceprobleme gibt oder der Resourcenhunger zu gross ist (siehe Zalando), fragt man sich, wo die Vorteile von Magento noch liegen. Imho ist Magento im Mittelstand gut aufgehoben, kleine uebersichtliche, standardisierte eCommerce-Systeme, da kann man mit Magento tolle Sachen machen. Eine Agentur, die sich mit Magento an die grossen Brocken wagt, muss schon sehr genau wissen, was sie tut. Leider haben sich viele Agenturen von Magento blenden lassen und denken, nur weil Magento ne Feature-Liste hat, die bis zum Mond reicht, man koennte jedes Enterprise-Projekt mit etwas Webdesign und ein paar Mausklicks abfackeln. Das stellt sich nun immer haeufiger als Irrtum heraus und ich bin gespannt, ob Varien darauf eine Antwort findet. Gibt es erstmal 10 grosse vergruetzte Projekte, geht das in der Branche rum und Magento ist fuer Enterprise-Projekte verbrannt.

  22. Herr Ringsdorff hat halt jeden Auftrag angenommen, den Kunden alles versprochen, und er ist als Agentur nicht allein damit.
    Das ist dieselbe Nummer, wie Ende der Neunziger, nur dort war es so, dass du nur die Klappe weit genug aufreissen musstest, schon floss das Geld.
    Das Blöde an dem Spiel ist, dass Kunden und der Rest des Marktes immer nur zu gerne solchen Aufschneidern glaubt, dass es solches „Überfliegertum“ auch gute Ergebnisse bringt.
    Tatsache ist doch, dass die Agentur alles Geld der Kunden genommen hat, und ohne Rücksicht auf kaufmännische Vernunft die Kohle des einen Kunden zum nächsten getragen hat.
    Die haben immer zu billig verkauft, sonst wären die nicht pleite.
    Leidtragende sind Agenturen wir wir, die mit dem Taschenrechner umgehen können.
    Deswegen habe ich wenig Mitleid mit Agenturen, die auf diese Weise vom Markt bereinigt werden.
    Ich renne nicht jede Woche zur Bank, um „Wachstum“ zu finanzieren, das nichts anderes heisst, dass ich bei meinen Projekten auf sinnvolle Kalkulation verzichten wollte.
    Die Kunden kann ich verstehen, sie freut es, sie kriegen alles billig, billig. Auf Kosten der Agenturen, die seriöse Projektangebote machen.
    Weg damit!

  23. @Michael Hucke: Wie gesagt, hier ist nicht der Ort, um schmutzige Wäsche zu waschen. Von persönlichen Attacken/Beleidigungen bitte ich abzusehen. Wenn Ihr ein persönliches Problem miteinander habt, dann macht das bitte untereinander aus. Danke aber, dass der Kommentar mit Klarnamen erfolgt ist.

  24. Hallo Jochen, das ist kein schmutziges Wäsche waschen.
    Das sind Tatsachen mit denen sich andere Agenturen täglich herumschlagen.
    Wer „zu schnell wächst“ und dabei nicht auf Rentabilität achtet, kauft Marktanteile auf Kosten von Agenturen, die sich an „old school“, d.h an seriöser kaufmännischer Betriebsführung orientieren. Mitleid ist da fehl am Platz.
    Wenn ich lese, dass die Geschäftsführung des insolventen Unternehmens hier hier als „Opfer des Wachstums“ dargestellt wird, kommen mir Zweifel an der Seriösität der Berichterstattung auf.

  25. Das kann man in dieser (allgemeinen) Form so formulieren. Dazu muss man Alexander Ringsdorff allerdings nicht persönlich angreifen.
    Nichtsdestotrotz geht es in der Debatte ja eher darum, wie können/sollen Agenturen mit solchen Wachstumssituationen umgehen bzw. welche Rahmenbedingungen braucht es, dass Agenturen ihr Wachstum aktiv gestalten können.
    Gerade im Magento-Umfeld, das ja quasi aus dem Nichts entstanden und innerhalb kürzester Zeit eine exreme Wachstumsdynamik entfaltet hat, stehen ja einige Agenturen vor derselben Situation.

  26. @Jochen, ich glaube nach wie vor, dass Magento gar nicht mal so der entscheidende Punkt ist, was die Agenturen angeht. Ich denke bei den Kommentaren ist heraus gekommen, dass das Hauptproblem darin liegt, dass einige Agenturen lernen muessen, Projekte serioes zu kalkulieren, ob mit Magento oder jeder anderen Software. Das Kaufen von Marktanteilen oder Pojekten halte ich heute ohnehin fuer Quatsch, da der Markt z.Z. fast explosionsartig waechst.
    Am Ende werden dadurch nur die Preise versaut, worunter alle leiden und viele Kunden am Ende auch nicht das bekommen, was sie eigentlich wollten. Deswegen fand ich die Idee von Sebastian nicht so schlecht, Agenturen und Kunden mal in Events und Barcamps auch mal ueber solche Dinge diskutieren zu lassen. Aber evtl. werden tatsaechlich nur solche relativ spektakulaeren Pleiten zu mehr Vernunft auf beiden Seiten, Kunden und Agenturen, fuehren.

  27. @Roland
    @Claus
    Zitat: „Eigentlich könnte direkt Magento bei Visions einsteigen. Die Projekte basieren ja alle auf Magento und die enge Zusammenarbeit ist wohl vorhanden.“
    — Das wäre ein fatales Signal! Varien/Magento würde seine Glaubwürdigkeit als Softwarehersteller verlieren, wenn sie – und wenn nur über Beteiligung – in einzelne Agenturen einsteigen.
    Damit würde Magento Inc. seine Neutralität gegenüber den anderen Partnern verlieren.
    Ich selbst habe solche Entwicklungen bei Intershop und ePages erlebt. – Da kommen schon seltsame Ergebnisse raus, wenn der Softwarehersteller sich in das Agenturgeschäft direkt einmischt.
    Das geht gar nicht!

  28. Ist richtig, das waere sicherlich kein gutes Signal, das war vielleicht ne bloede Idee. Verabschieden wir uns also von Visions und buchen es unter Marktbereinigung. Die naechste Agentur wird sich sicherlich gern um die Kunden von Visions kuemmern.

  29. Das erinnert mich hier ein wenig an die, die es immer gewust haben und genau dann aus ihrer höhle rauskommen, wenn einem Kollegen mal ein wenig Wind von vorne ins Gesicht bläst.
    Wenn das eigene Geschäft dann mal schlingert – waren es bestimmt die anderen :-)
    Ich, als noch Festangestellter, bewundere Menschen, die für eine Idee brennen, all-in gehen und versuchen das Beste draus zu machen! Seit wann ist stolpern oder Hinfallen ein Grund daran zu zweifeln, ob jemand laufen kann??
    Von solchen Persönlichkeiten brauchen wir im eCommerce viel mehr und es ist schade, wie hier einige damit umgehen – unabhängig davon, was jetzt genau der Grund war.

  30. @Marcel, ist doch keine Frage, klar brauchen wir mehr und auch solche Unternehmertypen, die mal was riskieren, was im uebrigen auch diejenigen hier tun und getan haben, die Visions kritisieren. Ich denke, es ist klar geworden, dass es nicht um Besserwisserei geht, sondern darum, was man fuer die Zukunft aus dieser Sache lernen kann. Und das koennen die Visions-Leute, deren Kunden, aber auch alle anderen, die die Sache mit Interesse verfolgen. Denn bloed waere tatsaechlich, wenn man eine Sache probiert, die nicht funktioniert und der naechste macht es aus reinem uebermuetigen Unternehmersinn genauso – falsch.

  31. @Marcel
    „ein wenig Wind von vorne ins Gesicht bläst“ trifft den Sachverhalt nicht.
    Ich kenne Herrn RIngsdorff nicht persönlich, habe keinerlei Problem mit Ihm, und kann mir gut vorstellen, dass er echt ein feiner Kerl ist.
    Er hat durchaus mein Mitgefühl. Ich habe selbst einmal eine Firma zu Grabe tragen müssen und selber erlebt, was es heisst, wenn Unternehmer von Kapitalgebern wie die Säue durchs Dorf getrieben werden.
    Damals, zu Dotcom Zeiten war das leider auch normal.
    Nur: so lange ist das gar nicht her, als dass man heute so tun könnte, als wenn solche Unternehmensentwicklungen geradezu schicksalhaft wären. Das sind sie nämlich nicht.

  32. Jetzt muß ich mich als Unternehmer mit eigener Agentur im gleichen Segment auch mal zu Wort melden. Das Geschäft ist nicht einfach und Herrn Ringsdorf möchte ich allen Mut zusprechen – er ist ein Unternehmer, der Mumm hat.
    Ich weiss nicht wie es bei Visions gelaufen ist, doch für die Besserwisser hier, einige Mechaniken, die in unserem Geschäft greifen:
    1. Die Probleme im Markt sind bekannt. 2009 haben wir alle mit enormen Umsatz-Einbußen zu kämpfen gehabt. Zahlungsbereitsschaft, Ordervolumen von Bestandskunden etc. Unsere Finanzpolster sind kräftig geschmolzen. Dass es wieder einen guten Player erwischt, deute ich als Spätfolgen.
    2. Das eine oder andere Projekt verzögert sich, Schlüsselressourcen fallen aus und müssen temporär mit teuren Freelancern ersetzt werden, um das Lieferversprechen einhalten zu können … und am Ende des Tages stimmt der Cash-flow nicht mehr. Die in 2009 verminderten Reserven reichen mitunter nicht um das abzufangen.
    3. Die Mechanik in unserem Geschäft ist es das Spannungverhältnis Produktivität, Cash-flow, Kundenwünsche/Zufriedenheit aktiv zu steuern und sich vor allem nicht von einzelnen Kunden abhängig zu machen – wenn die schwächeln fällt man sofort um. Die Produktivität (Abrechenbare Manntage zu Zeittagen) ist der Multiplikator in unserem Geschäft – Beginnt das Projekt, ist die Produktivität meist noch gering – sie wird besser, wenn das Projekt läuft und man Erweiterungen produziert – dann erst erwirtschaftet man seine Erträge.
    Bestandskunden haben in 2009 ihre Mittel zusammengehalten – Wir alle wurden gezwungen, uns um die Neuprojekte zu schlagen.
    Problem:
    Neuprojekte erwirtschaften ihren Ertrag erst 12-15 Monate später in der Ausbauphase. Je mehr Neukunden man also hat, je mehr man von diesem Neu-Umsatz abhängt, desto risikoreicher wird es, da die Margen immer kleiner werden. Geht dann etwas schief, steht muß man mit eigenen Finanzmitteln ausgleichen. -> Schnelles Umsatzwachstum mit wenigen Großprojekten ist extrem risikoreich.
    Learnings: Mix von Kunden in verschiedenen Projektgrößen
    4. Es gibt Zustände von gesunden Unternehmensgrößen – 2-4 MA, 12 MA, 22 MA … weiter reichen meine eigenen Erfahrungen nicht mit dem eigenen Unternehmen.
    In den Phasen dazwischen sinkt die Profitabilität, da administrative Kosten für PM, QS und interne Prozesse, die eingezogen werden müssen, die zum Verlust an Produktivität führen. Leider kann man diese Wachstumsprozesse auch nicht sprunghaft auf die notwendigen Kenngrößen erhöhen, weil die Organisation lernen muß -> organisches Wachstum ist notwendig, oder man hat ausreichende Finanz-Reserven, um Fehler zu bezahlen.
    Die Kombination der Umstände hat auch absolut gesunde Unternehmen mächtig ins Schwitzen gebracht. Ich kenne niemanden, der nicht daran zu knabbern hatte.
    Learning:
    Die Lösung dort wieder rauszukommen, ist auf die Größe zu schrumpfen, die sich mit Bestandsgeschäft +10% rechnet. Das ist dann zwar frustrierend, weil man neben dem Fett auch eine Menge Muskeln wegschneidet, doch so kommt man wieder in ein gerades Fahrwasser.
    Mein Rat an Varian:
    Fokussierung, schrumpfen auf das Niveau, das sich trägt. Auf Bestandskunden konzentrieren, bis die Produktivität auf dem Niveau ist dass man wieder langsam wachsen kann.
    Mit diesen Eckdaten bekommt man auch eine Zwischenfinanzierung.
    Wichtiges Learning: mit 20% der Kunden hat man 80% des Ärgers.

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