ACTA 2011: Wann wird Mobile relevant für den Handel?

Wann wird Mobile für den (Online-)Handel mehr als ein Profilierungsthema? Frühestens 2015 meinen die Analysten von Gartner wie unlängst schon der BVDW.

Wie schon andere, repräsentativ erhobene Studien vorher hat auch die ACTA-Analyse 2011 einmal mehr Ernüchterndes zutage gefördert, was die (mangelnde) Akzeptanz von mobilen Endgeräten (PDF) bei Online-Shoppern angeht:

Acta2011mobile

  • Vor allem Smartphones entwickeln sich zum Reinfall für den Mobile Commerce. Darüber will so gut wie niemand kaufen. Selbst eingefleischte Mobilnutzer greifen schon bei der Produktsuche lieber zum Laptop/PC (s. Chart)
  • Besser sieht es bei den Tablets aus. Hier leidet der (E-Commerce-)Markt allerdings noch unter der mangelnden Verbreitung.

Beim Thema Mobile besteht also für den Online-Handel weiter keine große Hoffnung, damit auf absehbare Zeit mehr als Umsätze in homöopathischen Dosen zu erzielen.

Es sei denn, man schafft es, explizit die mobilen Zielgruppen anzusprechen. Die sind allerdings weiter überschaubar, denn 79% der deutschen Internetnutzer gehen nicht mobil online. Und selbst wenn sie ein mobiles Endgerät besitzen, dann checken sie damit allenfalls ihre E-Mails (siehe oben).

Acta2011mobile2

Interessant an den Studien zum Mobile Commerce ist, dass die befragten Mobile-Nutzer (speziell die Tabletnutzer) durchaus das Zeug zum sehr aktiven Online-Shopper haben. Das sollte einen allerdings nicht zu übermäßiger Euphorie verleiten, denn es scheint sich dabei um eine sehr spezielle Spezies zu handeln. Die Masse der deutschen Bevölkerung, und hier vor allem die Frauen, lehnt Mobile Commerce nach wie vor ab. Sie hält es nicht einmal für erstrebenswert, ein mobiles Endgerät zu besitzen.

Warum müssen Studien zum Mobile Commerce immer so übertreiben?

Wenn man die einschlägigen Studien zum Mobile Commerce liest, wo ganz bewusst immer nur die (sehr wenigen) Mobile-Nutzer/Surfer befragt werden (und nicht die Gesamtbevölkerung), könnte ein anderer Eindruck entstehen.

Unerträglich ist beispielsweise, wie überschwänglich Fittkau & Maaß ihre Daten interpretieren. Dort gelangte man jüngst allen Ernstes zu der Erkenntnis: "Mobile Commerce trifft den Nerv der mobilen Shopper". Dabei geben es auch deren Daten einfach nicht her. Einleitend heißt es dort:

"Der Anteil der Personen, die auch tatsächlich mobil einkaufen, fällt im Vergleich zu diesen hohen Werten natürlich geringer aus. Dennoch: Immerhin jeder Zweite hat schon Erfahrungen beim Mobile Commerce gesammelt. Und einer von acht Besitzern gibt an, mindestens einmal pro Woche etwas mit Hilfe seines mobilen Endgerätes online zu bestellen."

Offensichtlich ist hier der Wunsch der Vater des Gedanken. Denn dass es sich bei dem Achtel nur um wenige Hunderttausend Deutsche (<1% der Bevölkerung) handelt, wird leider nicht erwähnt. Unverständlich, warum sich Analysten so unkritisch vor den Karren der Industrie spannen lassen (bzw. auch nicht, wenn man 1.500 Euro für seine Studien verlangen will).

Die Entwicklungen in den mobilen Märkten sind ohne Zweifel spannend. Aber gerade beim Thema Mobile würden wir uns weitaus nüchternere Analysen/Interpretationen wünschen, um dem Handel realistischere Einschätzungen des Marktes und seiner Potenziale zu ermöglichen.

Momentan geben alle Markterhebungen in Sachen Mobile Commerce für den (Online-)Handel alles andere als Anlass zu großer Euphorie. Es braucht noch mindestens ein, zwei neue Gerätegenerationen, bis man auch mobil mehr als nur Gutscheine verkaufen kann.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Uncategorized

9 replies

  1. Wirklich ernüchtern die Zahlen für Deutschland, die man aber isoliert betrachten muss, da D im europäischen Vergleich eine erstaunlich niedrige Rate im Bereich der Smartphone Penetration aufweist – und dies zusammen mit geeigneten Abos ist Grundlage für den mobilen Webzugang rsp. den M-Commerce.
    LeShop.ch kommuniziert, 11% des Umsatzes mobil zu erzielen, das entspricht laut aktuellen Prognosen doch rund CHF 17 Mio (ca. EUR 14 Mio). Mir sind andere Kunden bekannt, die ebenfalls mobil bereits sieben-stellige Umsätze erzielen oder zwischen 5-10% ihres Umsatzes.
    Und die SBB (Schweizer Bahn) verkauft mittlerweile 50% (!) aller elektronischen Tickets über die mobilen Apps, die fast flächendeckend auf allen Smartphones der Schweiz installiert sind.
    Dies nur so als Blick über die Grenze ‚gen Süden ;-)

  2. Es wird über die neuen Gerätegenerationen und schnellere Datenverbindungen hinaus noch zwei Dinge geben müssen, damit Mobile Commerce „brummt“: Eine neue Händlergeneration (speziell bei den Stationären) und eine bis zwei neue Kunden- bzw. Usergenerationen.
    Die beste Technik hilft nichts, wenn der Kunde sie nicht annimmt.
    Mobile Commerce ist mehr als die über ein Smartphone aufgegebene Bestellung aus dem Café. Es ist zum Beispiel auch das Sofashopping mit einem Tablet oder der mobile Checkout in einem Shop in der Fußgängerzone. Oder das abscannen eines QR-Codes mit dem Smartphone bei einer DRTV-Sendung zu Bestellzwecken.
    Auch wenn „die Post“ erst in 2015 (oder wann auch immer) abgeht: Händler, behalte die Entwicklung im Auge und sei zu dem für Dich richtigen Zeitpunkt mit dabei. Das kann übrigens auch bedeuten, die Finger davon zu lassen…

  3. Ich denke der mobile Kanal isoliert betrachtet wird auch später kein relevanter Umsatztreiber sein. Deshalb ist es auch Schwachsinn die Umsätze zu betrachten die rein über ein Smartphone generiert werden…
    Richtig wäre es zu schauen an wieviel Umsatz ein Smartphone im Kaufprozess (http://pma5ct.wordpress.com/2011/02/09/consumer-decision-journey/) beteiligt ist. Es ist klar, dass die User Experience auf einem Smartphone für einen tatsächlichen Kauf nicht ausreicht.
    Aber um sich vorab über ein Produkt zu informieren, zu schauen ob Produkt A oder B im Laden auf Lager ist, im Geschäft selbst mobile Coupons zu verwenden, Location Based Services verwenden, Bezahlung über bspw. Paypal im stationären Handel usw. usf….Die Usecases sind unendlich. Und genau in diesem Bereich werden sich Smartphones durchsetzen…Deshalb muss ein Händler sich Gedanken machen den mobilen Kanal in seine Commerce-Strategie mit einzubinden. Auch hier ist die Integration des mobilen Touchpoints wichtig. Isoliert wird eine Smartphone App keinen zusätzlichen Umsatz generieren, nur in Verbindung mit den anderen Touchpoints!!! Und wie man diese Art des Commerce nun nennt überlasse ich jedem selber (Multichannel, Crosschannel, Omnichannel, No-Line, oder wie auch immer…) Die Kunden von morgen erwarten ein Unternehmen an jeden Touchpoint anzutreffen ansonsten sind diese sehr profitablen Multichannel-Kunden sehr bald bei der Konkurrenz….

  4. Schöne Hypothese für Menschen mit viel Phantasie, aber wie bereits angemerkt: „79% der deutschen Internetnutzer gehen nicht mobil online“ – und mit den „Kunden von morgen“ macht der Händler heute keine Umsätze.
    Mit Mobile kann sich das Gros der Online-Händler in vier bis fünf Jahren befassen, wenn der Markt reif ist. Es gibt aktuell wirklich bessere Hebel, um die Umsätze zu treiben.

  5. Amen.
    So seh ich das auch. Alles andere ist mal wieder Hype…

  6. Es geht ja auch vor allem nicht um reine Online-Händler. Es geht um die stationären Händler…Mobile ist der Kanal, der den Offline mit dem Online-Handel verbindet. Ob das nun schon dieses oder erst nächstes oder erst in 5 Jahren passiert kann keiner sagen, da es auch extrem von den Innovationen und den Preisen bei Smartphones abhängt…
    Wenn morgen ein Smartphone bei T-Mobile ins Angebot kommen würde, das nur 1 Euro plus Vetragskosten von 10 euro kosten würde bin ich mir sicher, dass die Verbreitung von mobilen Internetnutzern sich schlagartig erhöhen würde.
    Es liegt ja nicht am Nutzer selber, sondern an der Marktdurchdringung der internetfähigen Handys!
    Amen, so sehe ich das :)

  7. Ich denke die Anzahl der internetfähigen Mobiltelefone ist hoch genug, es liegt nicht an der Anzahl der Endgeräte sondern an der Tatsache das der Benutzer desselben kein M-Commerce will. Einzig Inhalte und Tickets können einigermaßen effektiv auf Mobiltelefonen angeboten werden, kaufen mit einem richtigen Checkout ist einfach zu mühselig und zu uneinheitlich. Das liegt unter anderem im App Unwesen, jeder Shop mit seiner App, er will denn sowas? Kann sich bestenfalls noch Amazon oder eBay leisten, der Rest geht unter, dazu sind die Angebote zu klein.
    Ich habe heute morgen eine Reklametafel auf dem S-Bahnhof gesehen mit lauter QR Codes unter einer Menge Produkte. Neugieirig habe ich mein Handy gezückt und siehe da, es war einfach nur der URL auf das Produkt drin wo man dann in einem nett gemachten mobilen Shop hätte kaufen können. Ist nett gemeint, aber ernsthaft, wer will den sowas? Wenigstens einen vorbefüllten Shoppingcart erwarte ich dann schon, ferner habe ich keine Lust einen neuen Account anzulegen und meine Daten mühsam in irgendwelche Formulare einzugeben. Ein verbreitetes zentrales und wenn möglich unabhäniges Authentifizierungssystem ist also absolute Pflicht, sonst wird das Einkaufen zur Qual und ist somit bestenfalls etwas für Masochisten.
    M-Commerce ist in den letzten Jahren immer wieder hoch gehandelt worden, bislang sehe ich nach wie vor keine ernsthafte Umsätze versprechenden Anwendungsgebiete ausserhalb der o.g. Bereiche. An den Geräten liegt es jedenfalls nicht mehr!

  8. Relevanz ist gleich heutiger Umsatz? Wirklich?
    Ist das nachhaltige eCommerce Strategie?
    Gerade für den deutschen Handel, der vielfach erst im Jahr 2011 seie ANkunft im Ecommerce feiert nach millionenschweren Desastern, wäre das ein dramatischer Fehler.
    Immerhin: Die (Nischen)Startups würd’s freuen.
    Denken in Multiscreen-Szenarien vom ersten Konzeptionsschritt an in Richtung adaptivem und strukturierten Grid-Design verändert schon heute Webprojekte maßgeblich.
    Es findet eine Bewegung in Richtung offene Standards und smarte Endgerätanpassung statt. Und das nicht nur technisch sondern viel wichtiger: Im konzeptionellen Kontext der Customer Journey.
    Was auch immer da kommen mag an neuen Geräten und Formaten.
    Unternehmen, die sich hiermit jetzt beschäftigen statt sich auf ihrem Desktop-Only-Shop auszuruhen und alle Energie in Teaser A/B-Tests und personalisierte Newsletter stecken, werden 2015 nicht nur weit weg sein.
    Die spielen in einer anderen Liga.

  9. Die Rechnung ist für den Handel ganz einfach: Wo kein Markt, da kein Umsatz. So wie ein 2008/09(!) gestarteter Online-Shop wie Zalando den Internetmarkt aufmischen kann, werden 2016 die Marktchancen für den Handel im Mobile-Bereich noch genauso groß sein wie heute, eher sogar erheblich größer.
    Es ist einfach nicht Aufgabe des Handels, Märkte zu kreieren, sondern Märkte zu nutzen. Wenn die Mobile-Nutzer (bzw. die Geräte) reif sind fürs Shoppen, werden sich genügend Händler für Shoppinganwendungen finden. Bis dahin gibt es für den (Online-)Handel einfach erheblich relevantere (=umsatzträchtigere) Themen (und damit sind wohlweislich nicht Newsletter und Shopoptimierung gemeint).

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