Wanted: Ausgeklügelte Geschäftsmodelle für den E-Commerce

Müssen neue Geschäftsmodelle im E-Commerce eigentlich immer auf Kosten der Händler gehen? In der Regel sollen Händler nicht nur attraktive Angebote bereitstellen, sondern dann zusätzlich noch eine Vermittlungsprovision zahlen.

Wir empfehlen jedem, der Services für Händler (und/oder regionale Anbieter, etc.) entwickelt, sich zu überlegen, wie zielführend es ist, den Händler doppelt bluten zu lassen – und intensiv darüber nachzudenken, ob es nicht weitaus bessere, alternative Erlösströme gibt, um den eigenen Dienst zu (re-)finanzieren.

Oftmals sind Drittparteien, die mit dem eigentlichen Angebot nichts zu tun haben, aber gerne Zugang zu den Zielgruppen hätten, mehr als willens einzuspringen, und für den Zugang zu den Nutzern zu zahlen.

Wer sich mit neuen Geschäftskonzepten befasst, der sollte sich zumindest einen groben Überblick über die Fülle möglicher Erlösmodelle verschafft haben. Es muss nicht immer die Provision und/oder die Listingfee sein. Nicht immer sind die direkten Modelle auf Dauer die besten. Es können auch mediale Modelle (Werbung, Sponsoring, Partnerschaften, etc.) sein oder quersubventionierte Modelle, bei denen der eine Dienst den anderen trägt. Bei der Zahl potenzieller Erlösquellen sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

In Business Model Generation ("Ein Handbuch für Visionäre, Spielveränderer und Herausforderer") sind neben den klassischen auch eine Fülle ausgeklügelterer Geschäftsmodelle zu finden. Chris Anderson und Jeff Jarvis beschreiben in ihrern Bestsellern ("Free" bzw. "Was würde Google tun?"), wie sich (Dienst-)Leistungen quasi gratis anbieten lassen, wenn man geeignete Dritte findet, die mehr als willens sind, die Zeche zu zahlen.

Ein Groupon (oder sonstiger Schnäppchendienst), der den Händler nichts kostet außer guten Angeboten, oder ein Gelber Seiten Dienst, für den ein lokaler Anbieter nichts zahlen muss, ist für den Anbieter nicht nur attraktiver. So ein Dienst lässt sich auch von potenziellen Wettbewerbern nur sehr schwer unterbieten.

Es spricht nichts dagegen, Premiumservices anzubieten, die dann auch kosten dürfen, aber fairerweise sollte zumindest der Basisdienst kostenfrei sein. Denn aus unserer Sicht ist es ziemlich scheinheilig, wenn (Online-)Dienste ausgerechnet bei denen abkassieren, denen sie vorgeben helfen zu wollen. Eben weil es online mittlerweile eine Fülle intelligenterer Modelle gibt, um tolle Services nicht nur nutzer-, sondern auch händlerseitig kostenneutral zu gestalten.

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Kategorien:exceed

  1. @Jochen und kostenloser Schnäppchendienst: welche Dienstleistungen würden Dir denn einfallen, für Die ein Dritter bezahlen würde?

  2. Ich bin sehr dafür Services bereitzustellen ohne den Händler dafür „bluten“ zu lassen denn der Händler muss es ja an den Kunden weitergeben, bedeutet letztendlich das jeder zwischengeschaltete Dienst die Ware für den Kunden teurer macht.
    Allerdings ist das schon schwierig, vor gerade im exitgetriebenen „Web x.0“ Geschäft wo man letztendlich sowieso mehr Phantasie als Wert „verkauft“ und Nullumsätze sowie die daraus resulierenden Verluste eher schwer an den potentiellen Käufer zu vermitteln sind.
    Auf der anderen Seite haben es Händler die solche Werbemöglichkeiten nutzen explizit in Kauf genommen weniger Marge zu haben oder höhere Preise anbieten zu müssen (Beratung vorausgesetzt, dieser Bereich ist leider eine riesige Grauzone).
    Ich könnte mir gut vorstellen das bestimmte Kombinationen ganz gut funktionieren könnten. Beispielsweise eine Flugsuchmaschine die den Airlines keine Provisionen abverlangt dafür aber zum Flugziel passende Hotels vermittelt bei denen es wieder Provision gibt. Ganz ohne Provisionierung wird es aber kaum gehen, dafür sind die Werbepreise/Klickraten einfach zu niedrig.
    Auch möglich wären Querfinanzierungen bei bestimmten Dienstleistern, als Shopsystemanbieter könnte man beispielsweise einen Marktplatz für die eigenen Shops anbieten der kostenfrei ist da man sein geld mit den Shopsystemen verdient. Allerdings darf man dann natürlich keine Drittsysteme zulassen bzw. diese zur Kasse bitten.
    Wir haben schon über solche Konstellationen nachgedacht, allerdings scheint die Nachfrage nach Marktplätzen jenseits von eBay & Amazon und ohne Preisvergleich eher niedrig zu sein.

  3. @Elmar Damit dürfte Hannes Deine Frage beantwortet haben.
    Stimmt natürlich, der typische deutsche Investor kann mit derlei Modellen wenig anfangen. Er liebts schlicht und einfach. Anders ist das bei US-VCs aus dem Silicon Valley.
    Wobei speziell im E-Commerce sich derlei Modelle natürlich auch hervorragend zum Bootstrappen von Startups eignen, wenn man von Anfang an auf die richtigen Partner zurückgreifen kann.

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