Web Währungen: Facebook löst sich von den Facebook Credits

Von Marcel Weiß

Die Facebook-Credits waren eine der großen Hoffnungen auf eine universell einsetzbare Web-Währung.

Diese Woche hat Facebook überraschend bekanntgegeben, dass die Credits, mit denen Facebook durchaus beachtliche 15 Prozent seiner Einnahmen erzielt, bis zum Jahresende abgelöst werden sollen durch ein offeneres System unterschiedlichster Währungen, wie man es von Apple iTunes kennt:

"The new system will allow users to plug in their credit card information once and store it on Facebook, just as they could to buy Facebook Credits.

But now, with one click, they will be able to buy whatever is on offer, priced in their own currency: a magazine subscription in euros, say, or concert tickets in dollars or games in Indian rupees.

At the moment, there isn’t a whole lot to buy on Facebook, though companies like Spotify, which offer music streaming, or Milyoni, which streams movies and concerts on Facebook, can take immediate advantage of the monthly subscriptions and seamless payments.

The changes will begin next month, the company said, and are designed to work on mobile devices as well.

Facebook is far from becoming iTunes, which is Apple’s online entertainment store. But the tweaks announced Tuesday are a nod to the Apple model, where you pay in dollars and cents, not a whimsical currency. It is also a window into how Facebook is seeking to bring in more revenue from sources other than advertising."

Facebook glaubt also, wahrscheinlich zu Recht, dass insgesamt mehr Umsatz mit Transaktionen über die Plattform erzeugt werden kann, wenn man den iTunes-Weg – Kreditkarte, lokale Währung – geht. Besonders die neue Abo-Funktion ist im Kontext von Facebook vielversprechend:

"Beginning in July, we are launching subscriptions as another way for you to build your businesses on Facebook.

With subscriptions, you can establish a recurring revenue stream and offer updated content or premium experiences for a monthly fee.

This new feature will be available to all Facebook.com and mobile web apps in July." 

Es stellt sich allerdings die Frage, was dagegen sprach, zusätzlich eine Plattformwährung zu betreiben. Diese hatte einige Vorteile für Facebook: Das Network könnte beispielsweise mit Credits-Zwang entstehende Netzwerkeffekte bei Appanbietern verhindern.

Beispiel Zynga: Der Spieleanbieter ist mittlerweile so reichweitenstark auf der Facebook-Plattform, dass neue Zynga-Spiele allein durch die Bewerbung in bestehenden Zynga-Spielen in den App-Charts nach oben schießen.

Wenn große App-Anbieter wie Zynga nun mit einer eigenen Währung bestehende und neue Angebote noch enger verknüpfen können, zementieren sie potenziell ihre Position auf Kosten der Mitbewerber und damit letztlich auch zu Ungunsten der Plattform.

Zusätzlich unterstützt eine Plattformwährung per se den Wertfluss auf einer Plattform, was dem Ökosystem ausgesprochen gut tun kann. (Ein simples Beispiel: Ohne zusätzliche Transaktionskosten könnten mit einer Plattformwährung Einnahmen aus App A bei App B ausgegeben werden.)

Dass Facebook hier einen sanften Kontrollmechanismus aufgibt, überrascht. Ein denkbarer Grund könnte die Gefahr künftiger Regulierung sein, wären die Facebook Credits erfolgreich geworden. Eine Plattform, auf der die Mehrheit der Bürger nicht nur miteinander kommuniziert sondern auch mit einer von der Plattform kontrollierten Währung Transaktionen durchführt? Das schreit ab einer gewissen Größe nach Regulierung.

Eine anderer Grund könnte schlicht Transaktionskostenchaos gewesen sein, welches hier und jetzt das Umsatzwachstum hemmte. Dafür hätte es aber auch eine andere Lösung gegeben:

"For one slide I wanted to work out what the actual price of one of those sheep were on FarmVille. It took me an hour to juggle the transactions from Dollars to Facebook Credits to FarmVille Coins (or Cash — they have two currencies!) to work out that it looked like a sheep cost around 46 cents.

No wonder Facebook wanted the confusion to end. But if Facebook had been Apple they would have imposed their own currency option across the platform. That they didn’t is telling and I wonder if they have given away too much."

Letztlich bleibt die Frage, ob das Ende von Credits die richtige Entscheidung für Facebook war, offen.

Hier die Entwicklung der Facebook Credits in der Rückschau:



Kategorien:Facebook

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