Buchlos voran: Was bringt der Tablet-Boom um Kindle & Co.?

von
Matthias Hell

„The advent
of the iPad, Kindle Fire HD and other tablets has helped introduce ebooks to
the public. Now, even kids and great-grandmothers use tablets to read books. It
will be interesting to see how this rise in ebooks affects the publishing
industry. Will it adapt and follow the online trend or is it too old and
archaic to function in a high-tech society?”

Nachdem Amazon („Wie
Amazon sein Mobil-Geschäft mit Kindle & Co. vorantreibt“
) und Kobo („Kobo
Breaks Ground for eReading with New Family“
) in den letzten Tagen mit
Tablet-Neuvorstellungen für viel Aufregung sorgten, richtet Tablet
Crunch
den Fokus wieder auf die Buch-Branche.

Neue Vertriebsmodelle

Tablet-Effekt: Der
Tablet-Absatz soll im Weihnachtsgeschäft 70 Prozent über dem Vorjahresniveau
liegen. Erste angelsächsische Großverlage wie Simon & Schuster, Bloomsbury
und One World wollen nun mit speziellen Angeboten auf
den Boom reagieren
. Buchreport hat sich zudem umgehört, welche strategische
Bedeutung deutsche
Verlage den Tablet-Neuigkeiten zumessen
.

Amazon: Mindestens
genauso interessant wie die Produktnews war beim Amazon-Event vor wenigen Tagen
die Ankündigung des neuen eBook-Subskriptionsmodells Kindle Serials. In einer Pressemitteilung
erklärt dazu Jeff Bezos:

„With
Kindle Serials, we’re bringing episodic books to readers in a unique way that’s
seamless and hassle-free, with new episodes being added to the book as they’re
published. And readers can discuss the stories on Amazon discussion boards as
they’re being written – like virtual water cooler conversations – perhaps even
influencing where the next episode may go. As with Kindle Singles, we’re aiming
to open up new ways for authors to write and customers to enjoy great writing –
we think people are going to love this format.”

Crowdscribed: Crowdfunding
speziell für Autoren und Buchprojekte bietet Crowdscribed.com. Die Plattform will
es Autoren ermöglichen, die Erfolgschancen ihrer Projekte bereits im
Anfangsstadium zu testen. (via Publishing
Perspectives
)

Neue Erzählformen

Digitale Lehrbücher:
Einmal mehr zeigt sich, dass der Lehrbuch-Bereich zu den innovativsten
Publishing-Segmenten gehört: LearnSmart will anstelle von klassischen Textbooks
künftig vor allem interaktive
Anleitungen auf den Markt bringen
. Die Entwicklungsgeschwindigkeit bei den
Lehrbüchern hängt allerdings stark von den länderspezifischen Gegebenheiten ab,
wie eine aktuelle Vergleichsstudie von BookBoon zeigt (via Good
eReader
)

Enhanced eBooks: Eigentlich
erstaunlich, wie lange die Verlage brauchen, um sich auf digitale Formate
einzustellen. Diesen Eindruck vermittelt zumindest Manoush Zomorodi in der
Huffington Post („5
Ways to Build a Knock-out Multimedia eBook“
).

Struktureller Wandel

Tesco: Die
britische Supermarkt-Kette zeigt, wie wichtig digitaler Content und
Cloud-Services inzwischen auch für klassische Retailer sind: Für 7,2 Mio.
Dollar hat Tesco die eBook-Plattform Mobcast übernommen und will dadurch seinen
Digital Entertainment Bereich ausbauen. (via TechCrunch)

Electronic Partner:
Die Elektronik-Kette verzichtet als letzter großer deutscher Händler weiterhin
auf einen eigenen Onlineshop, kooperiert aber künftig mit Amazon: Die neuen
Kindle-Tablets werden ab 25. Oktober in den Medimax-Märkten sowie ausgewählten
EP-Fachgeschäften verkauft. (Pressemitteilung)

Buchhandel im Umbruch

Waterstones: Der
britische Buchhändler setzt ebenfalls auf die Strahlkraft der Amazon-Tablets.
Unter dem Motto „Read for free“ können Kunden in den Buchhandlungen künftig auf
Kindle-Geräten jeweils eine Stunde in aktuellen Titeln schmökern. (via The
Telegraph
)

Weltbild: Die
DBH-Partner Weltbild und Hugendubel bleiben ihrer Strategie treu, Amazon mit
eigenen Billig-Readern zu unterbieten und haben ein neues eBook-Gerät für 60
Euro auf den Markt gebracht. (Pressemitteilung)

Thalia: Im Falle
einer Douglas-Übernahme durch den Investor Advent International soll es keinen gesonderten
Verkauf von Thalia geben, berichtet
die Frankfurter Allgemeine Zeitung
. Angesichts weiterer Filialschließungen
rechnet die FAZ in einem weiteren Beitrag mit
der Beliebigkeits-Strategie von Thalia ab
:

„Was also soll Thalia künftig sein? Multi-Media-Shop oder
Krimskramsladen?“

Unter der Rubrik Buchlos in die Zukunft bringen wir jede Woche das
Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

1 Antwort

  1. So richtig ist das aber nicht konsistent, was Du hier machst. Auf der einen Seite argumentierst Du eCommerce durch Mobile ist nicht der Rede wert, weil die Verbreitung der Endgeräte nicht gross genug ist. Gleichzeitig scheint aber das Thema „buchlos“ schon so etwas wie ein Hype-Thema hier zu sein. Man kann gern darüber diskutieren , dass eCommerce über Mobile noch nicht so doll ist, weil die entsprechenden Apps fehlen, aber man kann nicht sagen: „bis 50% der Leute ein Tablet haben, ist das irrelevant“ und gleichzeitig die digitale Verbreitung von (Pay-)Content als Boom-Branche hinstellen. Das passt nicht zusammen, zumindest wenn man es an der Verbreitung von Endgeräten festmacht.

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