Umbrüche im Buchmarkt: Ein Plädoyer für neue Literaturformen!

von Matthias Hell

Unter der Rubrik Buchlos in die Zukunft
bringen wir jede Woche das Spannendste zu
den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche.

Neue Vertriebsmodelle

De Gruyter: Wie Buchmarkt
berichtet
, hat De Gruyter sämtliche digitale Inhalte aller eigenen und der
Partnerverlage auf einer Plattform vereint. Und auch bei der Vermarktung ist der
Wissenschaftsverlag vorwärtsgewandt: Mit dem Modell „Patron Driven Acquisition“
können Bibliotheken nutzungsabhängige Lizenzgebühren entrichten. (Pressemitteilung)

Bookouture: Noch ein
neuer Digitalverlag, noch ein neues Verkaufskonzept. Der Frauenliteratur-Publisher Bookouture präsentiert sich nicht nur im
Pinterest-Design, sondern verspricht auch seinen Autor(innen), deren „global
brand“ herauszuarbeiten. (via Good
eReader
)

Plattform-Schelte:
In einem Rant kritisiert der eBook-Entwickler Baldur Bjarnason die bestehenden ePublishing-Plattformen
für ihr mangelndes E-Commerce-Verständnis: Von den Design-Templates bis zu den fehlenden Auswertungsmöglichkeiten gebe es noch viel Verbesserungsbedarf. (via
Futurebook)

Neue Erzählformen

Netz-Literatur: „Der
Freitag“
bietet ein mutiges Plädoyer dafür, neue Medien auch als
Initialzündung für neue Literaturformen zu begreifen:

„Von Krise kann keine Rede sein. Stattdessen beginnt gerade
jetzt im Netz und rund um das Netz herum die Boom-Zeit der Literatur. Das Buch
wird dabei nicht verschwinden. Aber ihm wird im Medienset eine neue Aufgabe
zugewiesen. Es wird mit Nervosität aufgeladen. Texte werden über Links mit
Filmen, mit Bildern, mit Audios und mit Live-Performances verbunden sein. Die
gehören dann zu einem großen Medienwerk, in dem das einzelne Buch ein
Puzzlestück und ein Relais ist.“

Shakespeare reloaded:
Der US-Publisher SourceBooks startet eine Shakespeare-Ausgabe in Form von
interaktiven eBooks. Gerade bei dramatischen Werken seien interactive Formate
besonders nutzenbringend. (via The
Bookseller
)

Struktureller Wandel

Zeitenwandel: Der große FAZ-Bericht „Zur
Lage des Buchmarkts“
beginnt mit einem Überblick über die altbekannte Misere
der stationären Buchketten, wendet sich danach aber erfreulicherweise den
Umbrüchen und Chancen im Netz zu:

„Das Internet ist als große
Spielwiese für Selbstverleger eine Herausforderung für die klassischen
Buchverlage. Gewiss hat es schon immer Bücher im Privatdruck gegeben. Doch
früher wurden die Werke in Studentenkneipen angepriesen. Durch das Netz ist
jetzt alle Welt zu Gast in dieser Schenke. Die jahrzehntelang gültige Trennung
zwischen der Produktion und dem Vertrieb von Büchern löst sich langsam auf.“

Hachette Book Group: Die US-Tochter des französischen Großverlags
hat den Ernst der Stunde begriffen und strukturiert den Vertrieb um: Digital
wird zur eigenständigen Abteilung und soll auch bei allen Print-Themen mitentscheiden.
Zudem will der Verlag personell aufrüsten. (via Digital
Book World
)

Buchhandel im Umbruch

Weltbild: Im
Gespräch mit der SZ (Printausgabe) hat Weltbild-Chef Carel Halff Klartext
gesprochen: Der stationäre Buchhandel stehe vor einer Verringerung seiner Flächen
um mindestens 50 Prozent und werde künftig nur noch eine „Komplementärfunktion“
zum Onlinegeschäft ausüben. (via turi2)

Thalia: Laut vorläufigen
Zahlen zum Douglas-Geschäftsjahr 2011/12 gingen die Umsätze von Thalia im
Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent zurück. Besonders bitter: Das
Online-Geschäft brach sogar um rund 10 Prozent ein. (Pressemitteilung)

Fnac: Über den
Negativtrend der französischen Kulturkaufhaus-Kette berichteten wir an dieser
Stelle bereits. Nun steht die Fnac offenbar vor der Abspaltung: Die Pinault-Printemps
Redoute Gruppe will das Tochterunternehmen im kommenden Jahr an die Börse
bringen. (via Le
Monde
)

Auch der neunetzcast #11 ("Irgendwann kam die Druckerpresse) widmet sich in dieser Woche den Herausforderungen im Buchmarkt.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

1 Antwort

  1. Wer Lust auf alternative, netzbasierte Erzahlformen hat, kann sich auch einmal The Mongoliad (www.mongoliad.com) ansehen, die der Sci-Fi Autor Neal Stephenson (Cryptonomicon, The Baroque Cycle, Snowcrash) mit einigen Freunden initiiert hat. Die Texte wurden sequenziell in engem Austausch mit App-Abonnenten verfasst. Das Ergebnis ist mittlerweile in klassischer Buchform erschienen.

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