Buch/Handel 2020: Im Web der offenen Bücher

von Matthias Hell

„Essentially, the book is becoming more like the web, opened up to web-like forms of inquiry, to searching, excerpting and analysis. In the long term, the possibilities for research, learning and discovery are endless.”

In seinem Kommentar zum kürzlich ergangenen Urteil im Google-Books-Verfahren (mehr dazu bei Netzpolitik) weist James Bridle im Observer auf die spannenden Möglichkeiten hin, die ein liberales Verständnis von Fair Use für Leser, Autoren und Publisher eröffnet.

Neue Vertriebsmodelle

RCS Libri: Unter anderem mit einem die Grenzen von konventionellem Verlagsdenken und Selfpublishing überschreitenden Modell („Co-Publishing und die (Kurz-)Geschichten der Zukunft“) hat sich die italienische Mediengruppe RCS Libri als vorwärtsdenkender Branchenakteur positioniert. Aktuell erprobt der Verlag im TV-Sender Rai 3 eine Casting-Show für Nachwuchsautoren (via Publishing Perspectives). Bei Buchreport gibt es nun ein lesenswertes Interview mit RCS-Digitalchef Marcello Vena.

Egmont LYX setzt ebenfalls auf die Hilfe der Leser, wenn es um die Entdeckung von Schreibtalenten geht. Dafür startet der Verlag Anfang 2014 das Portal LYX Storyboard, hinter dem sich eine Mischung aus Schreib- und Lese-Community verbirgt. (via BuchMarkt)

Unbound: Die Crowdfunding-Plattform zum kollektiven Kauf von Buchrechten an Backlist-Titeln will sich auch als Dienstleister versuchen. Als Kunden zielt Unbound dabei auf Verlage, die mittels Crowd-Finanzierung vergriffene Titel neu auflegen wollen oder Edelausgaben planen. (via The Bookseller)

Penguin: Auch der Verlagsriese Penguin erkennt die Notwendigkeit direkter Verkaufsstrategien und setzt dabei zunächst auf eine Partnerschaft mit der Social Reading Plattform Readmill, auf welcher ab sofort auf der Verlagsseite gekaufte Penguin-E-Books gelesen werden können. (Pressemitteilung)

Neue Erzählformen

Drei Trends werden nach Ansicht des Medientheoretikers Eric McLuhan die Zukunft des Schreibens (und Lesens) nachhaltig prägen: die Gewöhnung an kleinere Texteinheiten, die interaktive Ausgestaltung von Lese- und Schreibprozessen sowie – noch recht avantgardistisch klingend – die Weiterentwicklung unseres Alphabetsystems. (via Critical Margins)

Struktureller Wandel

Barnes & Noble scheint den durch die E-Book-Revolution ausgelösten Strukturwandel nicht zu schaffen: Zwar konnte sich der US-Buchhändler im letzten Quartal bei Umsatz und Gewinn stabilisieren, verliert jedoch den Anschluss im E-Book-Segment: die Einnahmen in der Nook-Sparte brachen um 32 Prozent ein, die Umsätze mit elektronischen Inhalten um 21 Prozent. (via New York Times). Nun soll es die Auslandsexpansion retten und macht B&N den Nook mit einem Schlag in 32 weiteren Ländern verfügbar, darunter auch Deutschland. (via Good eReader)

Discoverability

AuthorBee ist nicht der erste Entdeckungsdienst, der sich Twitter als Medium bedient. Doch sind Buchempfehlungen nur ein Teil des Konzepts von AuthorBee und ermöglicht der Service auch das Buch-Marketing für Autoren sowie kollaboratives Storytelling. (via Publishers Weekly)

Pinterest: Der Verlagsriese Penguin Random House zählt zu den ersten Unternehmen, die Zugriff auf die APIs des Social Networks erhalten. Zunächst will der Publisher auf der Webseite Randomhouse.com zeigen, welche Möglichkeiten die Pinterest-Integration für Buchentdeckungen bietet. (Pressemitteilung)

Deutsche Impulse: Publishing Perspectives porträtiert den Subskriptionsdienst Skoobe, die Empfehlungs-App Flipintu sowie die Verlagsplattform Log.os unter dem Motto „How a Trio of Startups is Tackling Book Discovery in Germany“. Damit beleuchtet das Branchenmagazin nicht nur einige interessante deutsche Anbieter, sondern demonstriert auch wie vielgestaltig Discoverability funktionieren kann.

Unter der Rubrik Buch/Handel 2020 bringen wir jede Woche das Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche („Buchlos in die Zukunft“).

Die Rubrik gibt es auch als Feed und als E-Mail-Newsletter.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

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