Amazon baut Amazon City Logistik für Deutschland auf

Amazons großer Wandel vom Distanzhändler zum Nahversorger zeichnet sich auch hierzulande ab.

So hat Amazon diese Woche im Handelsregister die ersten Gesellschaften für die Amazon City Logistik eintragen lassen und sucht entsprechende Mitarbeiter für den Aufbau lokaler Verteilstationen, wie sie Amazon bereits in England für die Sonntagszustellung und für Expresslieferungen nutzt:

amazonstandorte

Prime Now is made available through Amazon Logistics, Amazon’s technology and logistics platform that empowers independent local, regional and national delivery companies across the UK to deliver Amazon parcels to customers seven days a week.“

Auf der britischen Insel ist kürzlich bereits die 13. „Delivery Station“ ans Netz gegangen. In England hat Amazon neben den Amazon Lockers im Oktober auch einen „Pass my Parcel“-Service als Option zur Abholung am selben Tag eingerichtet.

Nicht nur hierzulande tut sich was. Auch in Frankreich haben sich zuletzt die ersten Amazon Lockers angekündigt.

Über Amazon als Nahversorger hatten wir uns ausführlich in den Exchanges #80 unterhalten.

In England („Yodel eröffnet Amazon die Option auf eine eigene Lieferflotte„) und in Frankreich ist Amazon zudem an Lieferdiensten beteiligt („Colis Privé: Amazon will 25% an französischem Paketdienst„).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Amazon

29 replies

  1. Also die Sonntagszustellung wird in DE definitiv nicht so schnell kommen:
    http://www.bverwg.de/entscheidungen/verwandte_dokumente.php?az=BVerwG+6+CN+1.13

  2. @KB: dann eben von Montag – Samstag – reicht ja völlig aus, um das bisherige system herauszufordern

  3. die macht(ergreifung) von amazon – günstig, aber gnadenlos asozial?
    immer mehr amazon-kunden werden komplizen dieses ausbeuterischen systems::

    der giga-konzern amazon und seine online-kunden sind verantwortlich für die unzähligen leerstehenden ladengeschäfte in den innenstädten. sie befeuern das aussterben der einzelhandelsgeschäfte und der kleinen buchhändler. sie unterstützen die ausbeutung der amazon-mitarbeiter und paketzusteller. die gedankenlosen amazon-kunden haben kein problem damit, dass der konzern durch legale und illegale steuertricks seine steuern in deutschland vermeidet. amazon hat 2014 damit begonnen, warenlieferungen in zwei neueröffnete logistikzentren nach polen umzuleiten. von dort werden die deutschen kunden schon seit 2014 beliefert. in polen arbeiten die angestellten für drei euro/std und denken gar nicht an streiks. gnadenlos asozial !!!
    mehr hierzu: https://campogeno.wordpress.com/2015/06/26/amazon-eine-zerstorerische-asoziale-macht/

    • Wird jemand gezwungen bei Amazon zu arbeiten? Habe noch nichts davon gehört, dass Amazon Zwangsarbeiter und Sklaven beim Versand der Bestellungen einsetzt.

      Aus Sicht der Kunden ist Amazon alles andere als asozial: Es ermöglicht Millionen Bürgern den Zugang zu Waren, für die sie ohne Amazon spürbar mehr Geld bezahlen müsste. Dank Amazon sich kann Otto Normalverbraucher mehr für sein Geld leisten. Aus dieser Perspektive ist ein höchst soziales Unternehmen.

      Ach ja, die Arbeitsplätze: Mit dem selben Argument hätte man einst gegen Supermärkte und SB-Tankstellen wettern können / müssen. Sie gruben Tante Emma und dem Tankwart das Wasser ab. Times are a changin‘. So ist das halt. Alte Geschäfte vergehen, neue entstehen. Natürlich kann man es so machen, wie einst in England: Da haben es die Gewerkschaften durchgesetzt, dass auf der E-Lok weiter der Heizer als 2. Mann mitfahren durfte. Könnte ich ebenfalls argumentieren: Jeder, der in einem Zug mit nur einem Lokomotivführer mitfährt, macht sich zum Komplizen eines ausbeuterischen Systems, welches das Aussterben des Heizer-Berufs befeuert.

      Zum Schluss eine Frage noch: Trägst Du noch Schuhe aus Pirmasens und Bekleidung von der Schwäbischen Alb? Oder stammen Deine Treter und Klamotten etwa auch aus Bangladesh, Vietnam und China?

      • Den Zug hält man nicht mehr auf, aber volkswirtschaftlich sind diese transkontinentalen Megakonzerne mit Steuersitz im Ausland sicherlich ein Verlustgeschäft. Spätestens wenn die Lagerlogistik auf Roboter umgestellt worden ist und das Paket per Drone kommt und wenn man das mit der Umstellung von Tante Emmaläden auf Supermärkte vergleicht, hat man nicht verstanden, was da gerade passiert. Was bei Amazon & Co. abseits der Infrastruktur entsteht, ist nicht wirklich viel im Vergleich zu den Verlusten. Die sind da nur die Speerspitze, aber manchmal wäre es besser auf das bisschen „sozial“ in Form von geringeren Preisen zu verzichten und sich seine Lebensgrundlage zu erhalten.

        Davon ab, ist Amazon vor allem bequem, da es da irgendwie wirklich alles gibt und die Sachen gut beschrieben und vor allem bewertet sind. Aber wenn ich rein auf den Preis gucke, lande ich meist bei anderen Shops.

      • Hallo Thomas D., Du schreibst: „Spätestens wenn die Lagerlogistik auf Roboter umgestellt worden ist und das Paket per Drone kommt und wenn man das mit der Umstellung von Tante Emmaläden auf Supermärkte vergleicht, hat man nicht verstanden, was da gerade passiert.“

        Vermutlich bist Du deutlich nach 1970 geboren, richtig? Da sei es Dir nachgesehen, dass Du Tante Emma Läden nicht mehr selbst erlebt hast. Ich bin in den 60er Jahren zur Welt kommen und als Kind stets mit meiner Mutter zu „Fräulein Burchardt“ zum Einkaufen – ein Tante Emma Laden aus dem Bilderbuch. Er sperrte allerdings rasch zu, nachdem auf der anderen Straßenseite, der erste SB-Supermarkt aufgemacht hatte.

        Der Übergang von Tante Emma zum Supermarkt bedeutete die Abschaffung des personalintensiven Bedienungsprinzips im Lebensmitteleinzelhandel und die Einführung der Selbstbedienung. Aus meiner Sicht ein lupenreiner Paradigmenwechsel, der den Handel komplett umgekrempelt hat. Plötzlich konnte ein Vielfaches des Umsatzes mit einem Bruchteil des Personals gedreht werden.

        Warum habe ich nicht verstanden, was gerade passiert?

      • „times are a changin’“ – nicht die zeiten ändern sich, es sind die menschen!
        wenn die konsumidioten und allesfresser mal von ihren enkelkindern gefragt werden, warum diese sie ihren eigenen planeten aufgefressen haben, werdet sie antworten: „weil es so lecker und bequem war!“

      • Ich behaupte mal, dass der „moderne“ Mensch schon immer so war. Nur hatte er damals nicht die Möglichkeiten, die es heute gibt.
        Naturvölker sind natürlich ausgenommen, da ie aufgrund ihrer Religion und Tradition andere Schwerpunkte setzen.
        Im Prinzip die alte Cowboy-Indianer Geschichte.

    • @aussteiger geno
      Amazon asozial und mit steuertricks?


      Auch Karstadt hat in den nahezu 15 Jahren, in denen Amazon nunmehr auf dem deutschen Markt tätig ist, kaum bis gar keine Steuern bezahlt.
      Jeder Innovator ist aus Sicht bestehender Anbieter zunächst ein Bösewicht, aber nur solange, wie nichts getan wird. Mit den Jahren dreht sich der Spieß allerdings um: Der Innovator wird zum Vorbild und der „Verweigerer à la Karstadt“ eher zum Bösewicht, der auf Dauer die Sozialkassen beansprucht, Lieferanten und Gläubiger um ihr Geld bringt und letztendlich Kahlschlag in deutschen Innenstädten betreibt.
      Es geht noch weiter: Zwischen 60 und 70 Prozent aller deutschen Unternehmen in den USA sind in Delaware registriert, so Susanne Gellert, Leiterin der Rechtsabteilung bei der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York. Gegenüber Delaware in den USA gilt Luxemburg steuertechnisch als harmlos. Wenn also Amazon demnach aus deutscher Sicht ein „Steuersünder“ ist, dann sind dies aus US-amerikanischer Sicht umso mehr die dreiundzwanzig deutschen Traditionskonzerne in Hinblick auf ihren Firmensitz in Delaware: Adidas, Allianz, BMW, Daimler, Lufthansa, Siemens, Volkswagen, BASF, Bosch, Commerzbank, Continental, Deutsche Bank, E.On, Fresenius MC, HeidelbergCement, Henkel, Infineon, K+S, Linde, Lanxess, Merck, Munich Re, RWE, SAP, Thyssen Krupp.

      Der deutsche Vorzeigekonzern Linde betreibt Niederlassungen auf Jersey und den Bahamas. Die VW-Tochter Porsche, die zahlreiche Strohfirmen auf der Kanalinsel Jersey betreibt, hat ebenfalls zahlreiche Ableger in Delaware. Im VW-Konzern gibt es zahlreiche Töchter in Steueroasen, darunter fünf Flugunternehmen auf den Cayman Islands, die wahrscheinlich auch zum Geldtransport genutzt werden. BMW hat ebenfalls Tochtergesellschaften in Delaware und eine weitere auf Curaçao. Soweit zum Thema Steuern, Steuermoral und Bösewicht.

      Amazon beschäftigt den größten Teil seiner Arbeitnehmer in Zentral- und Regionallägern und bezahlt diese nachweislich deutlich über Logistiktarif. Die Splittung in Logistik- und Einzelhandelstarif ist in jedem Handelskonzern gängig und lässt sich mit den unterschiedlichen Tätigkeitsarten begründen. Für vergleichbare Tätigkeiten werden in allen deutschen Handelskonzernen Logistiktarife gezahlt, nicht selten sogar unter Gehaltsniveau von Amazon.

      Eine vorgängige Recherche in Eigenregie tut gut, bevor man in die Trompete einiger Lobbyisten bläst.

      Alles vor und nach dem – ist zitiert von Professor Dr. Gerrit Heinemann und mit Quellen belegt:
      http://www.internetworld.de/e-commerce/amazon/stoppt-amazon-bashing-890670.html

      Herzlichst,
      David

  4. Klar ist das asozial, aber wenn es Amazon nicht macht, dann macht es mit 100%iger Sicherheit ein anderer. Traurig, aber so funktioniert unsere kapitalistische Welt.

    • per gesetz kann man diese steuervermeidende asoziale konzerne zu steuergerechtigkeit zwingen, ebenso einen sozialverträglicheren umgang mit den beschäftigten.
      unsere undemokratische regierung wird nur von geizig geilen konsumidioten gewählt.

  5. Ich denke, Amazon eröffnet hier den „Kampf“ um die letzte Meile.

    Amazon wird in der Lage sein, Pakete in seinen Zentren auf Kundenziele vorzusortieren. Die Belieferung erfolgt dann wahrscheinlich direkt, ohne eine DHL-Hub anfahren zu müssen. Ob sie dann eine eigene Flotte für die Zustellung aufbauen oder sich den Kapazitäten von KEP-Dienstleistern außerhalb von DHL und DPD bedienen, sei mal dahingestellt.

    Auf jeden Fall sind sie mit dem beschriebenen Szenario schneller unterwegs, als viele Zusteller. Immer bezogen auf ein Stadtgebiet.

    Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ein derartiges Modell auch Kostenvorteile bietet. Wenn sie diesen Dienst von Graben aus betreiben, dann wird es sicher um die Belieferung vom Großraum München gehen. Bezeichnenderweise befindet sich der nächste DHL-Hub in Augsburg. Liefert Amazon seine Pakete direkt nach München, dann sparen sie sich die Transporte zum DHL-Hub in Augsburg und die dortige Sortierung.

    Darüber hinaus macht sich Amazon mit der City-Logistik natürlich auch unabhängig gegenüber Kapazitätsengpässen bei DHL oder Hermes.

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