Globaler denn je: Das war der Tengelmann eDay 2016

Wer sich für den Handel von morgen interessiert, der kam auch beim 6. Tengelmann eDay voll auf seine Kosten – mit Strategie- und Wachstumsthemen, die das ganze Spektrum der Möglichkeiten aufzeigten.

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Die Global Fashion Group fokussiert sich auf die Online-Märkte von morgen und steht gerade an einem Wendepunkt („Rocket Internet: Wo steht die Global Fashion Group?„) in etwa dort, wo Zalando 2011 stand. Und wenn die Rechnung aufgeht, kann die Global Fashion Group (GFG) zu einem wesentlichen Player im globalen Modemarkt werden.

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Jemandem wie Nils Chrestin ist hier viel zuzutrauen: Er beschrieb die Herausforderungen in den „Emerging Markets“, erzählte, wie die GFG Asos in Australien den Rang abgelaufen hat und zeigte, wie die GFG in Russland einen 15-minütigen Anprobierservice bieten kann, weil die Fulfillmentkosten der Gruppe mit 5 Euro pro Lieferung nur bei einem Drittel von Zalando lägen.

Die Mitarbeiterzahlen decken sich mit denen von Zalando: Demnach hat die GFG weltweit 10.000 Mitarbeiter, davon 1.000 im Technologiebereich. Nach variablen Kosten sei die Global Fashion Group inzwischen im Positiven; nächstes Ziel ist ein positives EBITDA.

Doch so spannend die Global Fashion Group aus strategischer Sicht ist („Exchanges #93: Die Neuordnung des Modemarkts„), operativ hat sie noch so manche Herausforderung zu meistern („Jabong bekommt 20 Mio. Dollar für noch ein Jahr„).

ProSiebenSat.1 als „Consumer Goods and Commerce Powerhouse“

ProSiebenSat.1 weist Zalando gerade den Weg in den DAX („Wie Thomas Ebeling den TV-Konzern in den Dax brachte„) und präsentierte sich beim eDay als „consumer goods and commerce company powered by television, content and digital platforms“.

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Es war der mit Abstand eindrucksvollste Vortrag des eDay, der unterstrich, wie radikal Transformationsprozesse sein können/müssen. Mehr dazu deshalb auch in den Exchanges #130 („Das Spannendste vom Tengelmann eDay 2016“). Dort dann auch noch ein paar Eindrücke von dem, was sich vor, hinter und neben der Bühne abspielte.

Delivery Hero, Outfittery, Springlane und mehr

Niklas Östberg hat es bei Delivery Hero geschafft, Oliver Samwer über eine halbe Milliarde aus der Tasche zu ziehen und doch Herr im Haus zu bleiben.

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Er erzählte von den großen Ambitionenen ebenso wie von den bescheidenen Anfängen, beschränkte sich in seinen Ausführungen allerdings auf das Wesentliche und ließ sich auch zum anstehenden Börsengang wenig bis nichts entlocken. Ausführlicher (und auf deutsch) gibt es ihn im großen Interview bei digitalkompakt.

Gewohnt gut präsentierte sich Outfittery – mit tollen Zahlen, die man allerdings nicht nennen soll.

Mehr zu den Ambitionen von Springlane gab es bereits in einem separaten Beitrag („Springlane erreicht nach 3 Jahren eine Runrate von 15 Mio. €„).

Der Tengelmann eDay hat sich 2016 inhaltlich so stark präsentiert wie noch nie und ermöglichte wieder Blicke über sämtliche Tellerränder der (Handels-)Branche. Nicht zu unterschätzen ist der eDay mittlerweile auch als Kontakt- und Nachrichtenbörse.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:GLORE25, Shopboerse

10 replies

  1. „…weil die Fulfillmentkosten der Gruppe mit 5 Euro pro Lieferung nur bei einem Drittel von Zalando lägen.“

    Das glaubt er hoffentlich doch nicht selbst oder? Gerade in den DACH-Kernmärkten dürfte Zalando selbst bei 3 bis 4 Produkten in einer Bestellung deutlich unter 5 Euro für die Zustellung liegen. Alles andere wäre bei den DHL-Volumina und Lagereffizienzen kaum denkbar.

    • okay, das ist vielleicht die falsche Formulierung (meinerseits) … Gemeint sind die auftragsbezogenen Kosten für die Bestellabwicklung, etc., die für die GFG in den Emerging Markets naturgemäß weit unter denen Westeuropas liegen, während die VKs nicht annähernd so niedrig sind.

      DIe Argumentation war also, dass die GFG in der Kostenstruktur hier besser aufgestellt ist als Zalando, obwohl sie in der Versandlogistik ausgefeiltere Services (Anprobe, etc.) anbieten kann.

      • GFG ist Lichtjahren davon entfernt, wie Zalando zu sein, selbst ein Zalando aus 2011. Sehr wünschenswert wäre, wenn man hier 5min Zeit verbringen würde, um die Aussagen von Chrestin zu analysieren. Man würde zu dem Ergebnis kommen, dass diese übertrieben sind. All dieser Fakten sind leicht im Netz zu finden bzw. kennt sie jeder bei Rocket. Da der Autor sich dieser Aufgabe weigert und stattdessen undifferenzierte PR für GFG betreibt, hier eine kleine Analyse:

        „die GFG Asos in Australien den Rang abgelaufen hat „: Es wäre schon sehr merkwürdig, wenn GFG mit TheIconic unfähig wäre, Nr.1 in Australien zu werden. Asos hat weder Infrastruktur noch Mitarbeiter vor Ort. Iconic hat über 300 Mitarbeiter und ist in 2010 gestartet. In Marketing und Brand Building sind etliche Millionen geflossen für so einen kleinen Markt. Diese Ergebnisse lassen sich sonst nirgends bei GFG finden. Eine einfache Analyse mit SimilarWeb oder ähnliches ergibt, dass GFG in keinen seiner Kernmärkten Nr.1 ist. In Latam ist Netshoes, in CIS Wildberries, in SEA verkauft selbst Lazada mehr Mode, Indien hat Myntra, usw. Wenn man auch die internen Zahlen kennt, weiß man, dass SimilarWeb, usw. die Realität widerspiegelt. Die Menge an Geld, die bei GFG gepumpt wurde, war in allen diesen Märkten eine komplette Neuheit und trotzdem ist GFG nach 5 Jahren nicht Nr.1.

        „Fulfillmentkosten der Gruppe mit 5 Euro pro Lieferung nur bei einem Drittel von Zalando lägen.“: Man muss aber auch ehrlich sein und gestehen, dass die Warenkörbe in diesen Märkten dementsprechend niedrig sind. In Zalora Vietnam (mittlerweile an einem lokalen Player veräußert) unter 20€ und selbst in dem erwähnten Beispiel aus Russland liegen sie bei 10000rubel ohne Gutscheine, oder Retouren zu berücksichtigen. Diese Zahl scheint auf dem ersten Blick trotzdem hoch aber gerade „in Russland einen 15-minütigen Anprobierservice bieten kann“ ermöglicht, dass Kunden 5-6 Stücken bestellen und am Ende 1-3 behalten.

        „Demnach hat die GFG weltweit 10.000 Mitarbeiter“: Die Zahl ist nicht vergleichbar, GFG ist weniger automatisiert. Man übernimmt Aufgaben, die bei Zalando eher DHL tut (Zustellung, usw). Noch dazu ist in diesen Märkten die Produktivität deutlich niedriger als in Europa, daher braucht man deutlich mehr Leute.

        Die Aussage „davon 1.000 im Technologiebereich“ darf in einem sehr weiten Sinne verstanden werden (Online Marketing, Business Intelligence, usw), reine Entwicklung darf ungefähr weniger als die Hälfte sein. Lamoda hat das größte Team mit 220 IT-ler, alle anderen haben erheblich kleinere Teams (Dafiti weniger als 60), während bei Zalando man von tatsächlichen Entwicklerteams redet.

        „Nach variablen Kosten sei die Global Fashion Group inzwischen im Positiven; nächstes Ziel ist ein positives EBITDA.“: Mag sein, dies wird aber mit extrem viel Schmerz erreicht: Dafiti Mexiko verkauft, Dafiti Venezuela geschlossen, über 80 Kündigungen in Brasilien, Zalora Vietnam verkauft, Zalora Thailand und Philippinen mit ungewisser Zukunft, 60% des Regional Management bei Zalora entlassen, Verkleinerung bei Lamoda, Massenentlassungen bei Jabong und und und. Bleibt abzuwarten, ob das erzwungene Abspecken das Wachstum nicht dauerhaft schadet.

      • Danke für die Insights und die aufklärenden Ausführungen!

        5 Jahre sind mE Lichtjahre. 2011 wusste man auch bei Zalando noch nicht, ob es überm Berg ist. Ähnlich ist es bei der GFG. Bei jedem Beitrag schreibe ich dazu bzw. wird deutlich, dass es sich um die GFG-Sicht handelt, in den Exchanges erwähnen wir jedes Mal, dass die GFG ursprünglich als „Bad Bank“ von Rocket Internet gestartet ist, etc.

        Würde ich die GFG ausschließlich im Rückspiegel betrachten, würde ich zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen. Im Grunde bestätigen die Ausführungen aber doch, wie hart die GFG am Turnaround arbeitet. Und das ist ja der Punkt, um den es geht: Die GFG steht am Wendepunkt. Kann der Turnaround gelingen oder nicht?

        So gut wie alle Rocket-Startups, auch Zalando, standen immer wieder am Abgrund. Die Frage ist nur, ob und wie sie die nächste Hürde nehmen.

        mE besteht mittlerweile eine 50:50-Chance, dass die GFG durchkommt – und dann wäre sie eine Macht im Modemarkt. Deshalb sollte man sie ernst nehmen.

        Solange die Chancen geringer waren, gab es im übrigen hier im Blog auch nichts über die GFG zu lesen …

  2. @ Rocket Wolf, es scheint ja so als bist Du selbst einer derjenigen, der bei den jüngsten Effizienzmassnahmen (entweder bei Rocket oder GFG) auf der Strecke geblieben ist . Denn genau so wie Du Jochen vorwirfst hier auf Basis von falschen Fakten zu schreiben und nur PR zu machen, betreibst Du Dein GFG bashing mit ebenso wenig belegten und belegbaren Behauptungen. Die Traffic die netshoes lt. similarweb in Brasilien noch vorne liegt ist doch massiv mit Displaywerbung in QIV gekauft – Jan und Feb 16 sind beide gleichauf! Bei Alexa ist dafiti deutlich vorne….
    Alle anderen KPIs sind bei dafiti doch deutlich besser (insb. Bounce rate, Organic- und SEA Traffic, etc.). Das nicht performende Länder auch mal geschlossen oder verkauft werden ist doch in jedem Portfolio normal. Man hat mit der Expansion in 27+ Länder sicher nicht jedes Mal einen Volltreffer.
    Eine Überprüfung der anderen Länder erspare ich uns hier jetzt!
    Ansonsten sind wir alle gespant auf wirklich belegbaren Fakten !

    • Glücklicherweise (noch) nicht von den jüngsten Effizienzmassnahmen betroffen worden. Ich bin noch weiter bei Rocket oder GFG und ein großer Fan von GFG.

      Man muss aber sehen, dass der Weg zum „Zalando von Emerging Markets“ weit weg ist. Beweis dafür sind die veröffentlichen Rocket und Kinnevik Berichte über GFG, da ist alles andere als rosig. Man hat aber mittlerweile massiv Geld in dem Laden investiert und die Lust darauf, weiteres Geld seitens Kinnevik nachzuschießen, bleibt in Grenzen.

      Wegen belegbaren Fakten (Mitarbeiterzahlen, Regional Management) kann man bei LinkedIn anschauen oder die gleiche Übung mit SimilarWeb für die anderen 26 GFG Märkte wiederholen.

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