Outfittery meldet Umsätze von 36 Mio. Euro (+93%) für 2015

Sehr wachstumsstark, aber auch noch sehr verlustträchtig präsentiert sich Outfittery im Jahresabschluss 2015, der diese Woche im Handelsregister veröffentlicht worden ist:

„Im Geschäftsjahr 2015 konnte mit einem Volumen von rund 260.000 Bestellungen ein Nettoumsatz nach Retouren und Rabatten von EUR 36 Mio erzielt werden. Dies entspricht einer Steigerung von 93% gegenüber dem Vorjahr (Vorjahreswert: EUR 18,7 Mio).

Für 2016 und 2017 strebt das Unternehmen weitere deutliche Umsatzsteigerungen von jährlich mindestens 30% an. Aufgrund der aggressiven Wachstumsstrategie und der damit verbundenen Kosten wird für das Geschäftsjahr 2016 erneut ein negatives Ergebnis erwartet.“

2015 lagen die Verluste – im dritten vollen Geschäftsjahr – bei 17 Mio. Euro.

Kürzlich erst hatte Stitch Fix („Weshalb Stitch Fix die Modebranche so ins Schwärmen bringt“) erstmals Zahlen veröffentlicht („Stitch Fix kommt bereits auf Umsätze von 730 Mio. Dollar“).

Im Unterschied zu Outfittery wendet sich Stitch Fix allerdings vornehmlich an Frauen („Eigenmarken und mehr von Stitch Fix auf der #Shoptalk17“).

Was Outfittery und andere von Stitch Fix lernen können, wird dann auch Thema sein auf der K5 am 22./23. Juni in Berlin – mit Bestsecret, Breuninger und anderen Anbietern aus der Modebranche.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse

11 replies

  1. Wahnsinn – wenn wir als Personengesellschaft über 47% unserer Nettoumsätze als Verlust verbuchen müssten, könnte ich den Laden sofort dicht machen. Der Begriff Wachsstumsstrategie bekommt bei solchen Modellen eine völlig neue Dimension. Aber so lange man fremdes Geld verbrennen kann, glaubt man an die ach so coole und innovative Idee.

  2. Nicht nur das sehr schwache Ergebnis mit fast 50% Verlust ist erschreckend….schließlich ist das Wachstum im Gegenzug auch nicht wirklich umwerfend. Dutzende Onlineshops haben nach drei Jahren deutlich höhere Umsätze bei besserer Profitabilität erreicht (z.B. Zalando, brands4friends, Zooplus, Street-One, etc.).

  3. Neukunden gewinnen kann halt jeder sehr schnell. Damit auf Stammkunden fokussierte Modelle wie Outfittery zu vergleichen, ist wenig zielführend.

    Wenn ein Outfittery durchkommt (was längst noch nicht ausgemacht ist), ist es typischen Onlineshops in der Kundenbindung und den Stammkundenpotentialen bei weitem überlegen.

    Ähnliches gilt z.B. für Shoppingclubs. Die, die durchkommen, sind eine Macht für sich in so gut wie allen gängigen Kennzahlen – von den Wiederbestellraten bis zur Profitabilität.

  4. Die Frage bei Outfittery & Co. muss doch sein: Kann das Modell ab einer bestimmten Umsatzgröße (z.B. 250 Mio. Euro) funktionieren? Falls ja, dann lohnt sich der Weg dahin. Falls nicht, dann kann man es ohnehin vergessen.

  5. Ein relatives Wachstum von unter 100% bei einem absoluten Umsatz-Niveau von unter 50 Millionen ist ja wohl eine Vollkatastrophe – Wachstumsambitionen jetzt schon auf 30% zu drosseln, zeigt zudem wenig verbindliche Zuversicht. Und Verluste in Höhe des Zusatzumsatzes sind dabei wirklich keine Visitenkarte.

    Alles in allem: Viel heiße Luft in der Berliner Blase, gute PR und selbstverliebte Gründer.

    • schon mal ein E-Commerce-Unternehmen in einem Jahr von 19 Mio. Euro auf 36 Mio. Euro skaliert und dabei noch internationalisiert? Nur immer drauf auf die, die sich was trauen. Und mit Verlaub: Wenn ich in der Berliner E-Commerce-Szene etwas nicht sehe, dann selbstverliebte Gründer(innen) …

      • Ja, dieses stereotype Start-up Bashing nervt. :-(

        Allerdings fand ich es auch erstaunlich, dass sie den Forecast auf 2016 von 100% Wachstum auf 30% Wachstum gesenkt haben. Da kann ich mir schwer vorstellen, dass das der Plan derjenigen war, die vorher das viele Geld investiert haben. Und das ist ja schon Vergangenheit. Interessanter ist die Frage, was für 2017 geplant ist.

      • sehe ich ähnlich. Man erkennt jedenfalls, dass sich Outfittery von seinem ursprünglichen Ziel, schnell groß zu werden um jeden Preis verabschieden musste. Ohne die 2016er-Zahlen ist es allerdings schwer einzuschätzen, wo und wie Outfittery heute dasteht …

  6. Hier tummeln sich ja wieder die Experten, dass es eine Freude ist. Was Sven & Co hier vergessen: das ist ist der offiziell im Handelsregister hinterlegte Jahresabschluss. Den hinterlegt man im Wissen, dass da alle Konkurrenten reinschauen werden. Als mindestens mittelgroße (Umsatzerlöse > 9,680 Mio. bis 38,500 Mio. EUR, Arbeitnehmer > 50 – 250, Bilanzsumme > 4,840 Mio. bis 19,250 Mio. EUR), eventuell sogar große GmbH muss Outfittery einen Lagebericht veröffentlichen. Und entsprechend schreibt man dann da auch nicht haarklein die Planung für die nächsten Jahre rein, sondern formuliert das entsprechend wolkig.

    Oder glaubt ihr ernsthaft, dass die Investoren von Outfittery sich mit 30% Wachstum zufrieden geben?

    Wer weiterlesen möchte:
    https://www.gmbh-guide.de/jahresabschluss-bundesanzeiger.html
    http://www.iww.de/bbp/archiv/publizitaetspflichten-praktische-erfahrungen-und-empfehlungen-zur-elektronischen-offenlegung-f23718

  7. Ich denke auch, dass die Kommentierung von 2015er Jahreszahlen im Mai 2017 nur so halb sinnvoll ist, zumal ich hoffe, dass nur die Veröffentlichung jetzt stattfindet und nicht der Abschluss selber. Und: kein Mensch verbrennt gerne Geld und denkt sich nichts dabei – egal, ob es sich um eigenes Geld handelt oder nicht. Man kann ja an das Geschäftsmodell glauben oder nicht und auch an die Wachstumspläne – aber gleich anzunehmen, dass es den Gründerinnen egal ist, wie viel sie verbrennen, halte ich dann doch für gefährlich. Ich halte es da mit der alten Weisheit: „Wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selber“ ;-)

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