Der Mythos von der Marktkonzentration im Online-Handel

Das EHI hat dankenswerterweise eine unserer Anregungen aufgegriffen, und die Top-Online-Shops in diesem Jahr erstmals mittels Flourish auch in der Zeitreihe veröffentlicht:

Dadurch wird jetzt sehr viel deutlicher, dass von einer Marktkonzentration im Sinne von „Die Großen werden immer größer (und saugen alles auf)“ keine Rede sein kann:

  • Schließlich sind nur noch 5 der deutschen Top 10 von 2009 auch heute noch in den Top 10.
  • Die anderen 5 existieren nicht mehr oder wurden überholt von Zalando und anderen Aufsteigern.
  • In den Top 5 sind es sogar nur 2 von 5, die auch 2009 schon vertreten waren.
  • Einstige Top-5-Player wie Neckermann, Conrad oder Thomann werden heute nicht einmal mehr unter den Top 10 geführt.
  • Letztlich herrscht bei den führenden Onlinern also ein ständiges Kommen und Gehen.

Ähnliches würde man auch in den Top 100 feststellen, wo ebenfalls neue Player fortwährend alte verdrängen. Siehe zum Besiepiel Gearbest folgt Shein in den deutschen Top 100 Shops.

In 10 Jahren dürfte dann vielleicht noch Amazon vorne liegen, sehr viele andere allerdings überholt worden sein von der nächsten Welle an Mobile- und Plattformplayern, die dann die Liste dominieren. Es sei denn, diese werden auch weiterhin ausgespart wie Ebay, Wish, Joom & Co.

Die nationale Sicht verstellt außerdem den Blick auf die wirkliche Größe. Denn natürlich zählt ein Thomann international gesehen auch weiter zu den stärksten Online-Playern hierzulande und hat in seiner Marktbedeutung längst Notebooksbilliger und andere aus der Liste überholt (siehe Thomann: “2020 werden wir die Umsatzmilliarde knacken”).

Dasselbe gilt für Zooplus, Hellofresh, Shop Apotheke und andere Global Player, die in den nationalen Rankings eher untergehen.

Letztlich ist der Online-Handel (auch heute noch) durchlässiger als man glaubt. Und Unternehmen wie Boohoo, die geschickt eigene Wege gehen, sind der beste Beweis.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse

  1. Schade, die verschwindenden wie Conrad… so weit unten sind die ja sicher nicht gerutscht.. sieht man halt nicht. Aber sicher liefert Amazon durchaus mehr (china) Technikzeugs als Conrad heutzutage.

    Teilweise aber auch selbst Schuld. Geht man in einen der beiden Conrads hier in München denkt man man ist in einem Mini Mediamarkt. Nix mehr „löten“.
    Der „größte“ MediaMarkt „der Welt“ hier in München am Leuchtenbergring ist mittlerweile kleiner als Expert… und hat halt gar nix mehr.
    Der Hugendubel am Stachus.. verkauft mittlerweile Kalender statt Fachbücher…

    Dann bestellt man halt doch online.. Ach, und dann halt gleich bei Amazon. Sie wollen es einfach nicht anders.

  2. Du sagst es ja selbst: Auch in 10 Jahren wird Amazon wohl vorne liegen und wenn’s so weitergeht mit einem irrsinnigen Abstand. Wenn das keine Konzentration ist.
    Da hilft es auch wenig, wenn neue Player hinzukommen oder Bestehende weiter wachsen, so lange sie nicht über einen sehr langen Zeitraum eine deutlich bessere oder zumindest zu Amazon vergleichbare Dynamik hinbekommen
    Ich selbst bin außerdem besonders bei Playern wie z.B. den genannten Gearbest oder Wish mehr als kritisch. Mit den Änderungen beim Postgesetz und der Einfuhrumsatzsteuer sehe ich deren Geschäftsmodell auf mehr als wackligen Beinen… zumindest innerhalb der EU

    • Amazon kann man es schlecht vorwerfen, wenn es keine Wettbewerber gibt, die dagegen halten.

      Bestes Beispiel, dass es kein naturgegebenes Recht auf die Spitzenposition gibt, ist Ebay (das allerdings in derlei Listen nicht auftaucht). Auch Quelle war ja lange die Nr. 1.

      Es gibt einige mit exponentiellem Wachstum und Wachstumsraten, die höher liegen als die von Amazon, die die Chance haben, das Spitzenfeld in den kommenden Jahren aufzumischen. Vor allem auf die Foodplayer sollte man da achten.

  3. In dem Zeitraffer erkenne ich aber unterschiedliche Trends:

    Neue Kategorien werden auch als online „kaufbar“ angesehen. Beispielsweise Fashion durch Zalando, vermutlich Food durch HelloFresh und einige weitere Überraschungen die nächsten Jahre.

    D2C macht es etablierten Playern schwerer, so war Cyberport einer der größten Apple Händler und verliert Anteile an Amazon UND an Apple selbst.

    MediaMarkt Saturn und Otto sehe ich aktuell kritisch, durch den Preiskampf den die sich leisten wird die Marge vermutlich nicht die Beste sein. Darüber hinaus gehören die auch in die Kategorie der Marken die zunehmend leiden. Wenn der lokale MM / Saturn schließt geht man halt online kaufen, bis die Generation dann zu Amazon oder AO oder so geht weil dort das Erlebnis besser ist.

    Die Konzentration würde ich daher leider doch sehen, aber nicht nach dem Muster „die Großen werden immer Größer“. Eher wieder die Categorykiller Diskussion, in jeder Kategorie werden einige wenige sehr groß und stark und der Rest verschwindet oder spielt eine untergeordnete Rolle.

    Gepaart mit der Aussage die nicht allen gefallen wird:

    100 Millionen Euro Umsatz für einen Shop reichen oftmals nicht als Zeichen das es „funktioniert“ weil die Skaleneffekte und gewisse Hürden noch nicht genommen worden sind. Dieser Wert wird in den nächsten Jahren auch steigen weil die Hürden größer werden.

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