Media Markt bleibt blind fuer neue Geschäftsmodelle

Nach ueber zweijähriger Internet-Abstinenz moechte der Metro-Konzern seine Elektroniktoechter Media Markt und Saturn 2010 wieder ans Netz bringen – mit weitgehend demselben Geschäftsmodell, das schon damals gefloppt ist.

Media Markt ist ein perfektes Beispiel fuer ein Unternehmen, das betriebsblind fuer neue Geschaeftsmodelle ist.

Aussenstehenden wuerden auf Anhieb vier bis fuenf gute, weil komplementaere und/oder alternative Geschaeftsmodelle einfallen, mit denen Media Markt auf Fuenf- bis Zehnjahressicht eine fuehrende Rolle als Online-Elektronikversender einnehmen koennten, ohne die Geschaeftsfuehrer der stationaeren Maerkte zu vergraetzen.

Allerdings muessten sich die Metrostrategen dazu vom bisherigen Geschaeftsmodell loesen und zugleich vom Gedanken verabschieden, Media Markt und Saturn koennten auch online zum One-Stop-Shop fuer Elektrobedarf werden. Dies scheint allerdings auch weiterhin ein absolutes No-Go.

MyBy, das von einem der Media Markt Gruender beraten wird, macht gerade vor, wie man mit dem falschen Geschaeftsmodell online sehr viel Geld lassen kann. Gegenueber der Computer Reseller News wollte MyBy-Chef Daniel Boldin die kursierende Zahlen (21 Mio. Euro Verlust bei 18 Mio. Euro Umsatz) nicht dementieren.

Derlei Strategien machen Sinn, wenn die Investoren (wie bei Amazon & Co.) zehn extrem verlustreiche Jahre in Kauf nehmen koennen/wollen. Die neue Garde erfolgreicher Elektronik-Versender wie Notebooksbilliger & Co. setzen laengst auf probatere Strategien.

Auch stationaere Haendler haben die Zeichen der (digitalen) Zeit erkannt: Beim Exciting Commerce Roundtable Ende November in Duesseldorf erlaeuterte eine in der Region verankerte Kette von Elektrofachmaerkten, wie sie online bewusst auf eine Komplementaerstrategie setzt – und nur ein sehr beschraenktes Sortiment von gut 100 Bestsellern bekannter, aber nicht unbedingt ueberragender Marken erfolgreich ueber Suchmaschinen vermarktet.

Damit werde man zwar nicht reich, so der Tenor, koenne aber profitabel arbeiten und so jede Menge wichtiger Erfahrungen im Online-Bereich sammeln.

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Kategorien:Shopboerse

  1. Bin ich doch bloed? Mediamarkt

    Mal reinschauen bei: „Media Markt bleibt blind fuer neue Geschäftsmodelle“….

  2. Und das ist auch gut so! mediamarkt geht mir schon lange gegen den Strich mit ihrem pseudo „billigangeboten“ die man überall im Internet billiger findet! Solang die ganzen „unwissenden“ noch in Läden wie Media MArkt usw. kaufen solang wird es diesen Läden gut gehen..aber ich denke die Zahl der Internetuser wächst schnell sodass MediaMarkt umdenken muss doer bald auch zu den verlieren gehören wird! Bei diesen Ketten kann man echt nur kaufen wenn es das 0% Angebot gibt oder irgendwo eine Neueröffnung ist die aber leider 10 millionen menschen anlockt sodass man von diesen lockangeboten auch wenig sieht.

  3. Es gibt längst funktionierende ASP-Lösungen für Fälle wie Mediamart. Doch genau das ist das Problem. Wer intern Millionen ausgeben muss und doch keine funktionierende Lösung hinbekommt, kann nicht für wenige hundert tausend EUR eine funktionierende Lösung anmieten. Nur aus Angst vor Best Buy & agilen neuen Anbietern ins Web zu drängen ersetzt ein Know How.

  4. Mediamarkt-online ist ja nicht gefloppt, weil dort niemand mit Ahnung von e-commerce saß. Sondern weil 90% der internen Macht dagegen war.
    Eine Organisation wie Metro kann ein solches GF-Modell nur stemmen, wenn echte Syngerien entstehen, wenn übergreifende GF-Modelle umgesetzt werden und wenn man in vollem Umfang auf die Organisation zurückgreifen kann.
    Das alles ist doch heute sicher genauso unwahrscheinlich wie damals…also wird es auch hier bald heißen: y01: 20Mio Umsatz für 20 Mio Kosten.

  5. Wenn die von myby so viel Geld verballern wieso haben sie dann nicht mal die Domains mybuy.de udn mybuy.com? Da kann man echt nur den Kopf schütteln.

  6. @lukas: sehe ich genauso: Das Geschaeftsmodell von Media Markt und Saturn basiert auf intransparenten Preisen in lokalen Maerkten. Die gibt es in dieser Form online nicht. Und entsprechend schwer wird es, das angestammte Geschaeftsmodell auch online zu fahren.
    Media Markt muss sich im Gegenteil sogar Gedanken machen, ob das (mobile) Internet nicht auf absehbare Zeit das bestehende Geschaeftsmodell auch im stationaeren Handel gefaehrdet/zerstoert.

  7. Sehe ich genauso mit dem mobilen internet. Natürlich auch als ein Vertreter der Branche ein wenig voreingenommen, aber wenn ich die aktuellen Zahlen des iPhone App Stores so sehe und mir dann vorstelle, was m-commerce eigentlich noch alles zu bieten hat …

  8. Das Problem für Media Markt und Saturn ist, daß die schlagenden Argumente, die offline gelten – schlechter Service, aber billig und grosse Auswahl, online keine sind – denn da gibt es viele andere, die schlechten Service bieten, viel Auswahl haben und noch billiger sind.
    Das also eine andere Strategie / Positionierung her müßte oder die Internetpräsenz preislich gg. die eigenen Märkte arbeiten müsste, liegt auf der Hand.
    Ob allerdings die Lösung ist, sich online auf wenige Artikel zu beschränken? Das halte ich ehrlich gesagt für Schwachsinn in einem Medium, dessen Masse an erfolgreichen Verkäufern vom long-tail lebt. Ich denke entweder 1 Artikel pro Tag oder 10000 Artikel das ganze Jahr – sonst wird da kein Schuh draus.
    P.S.: Ich weiß – Media Markt & Co. sind auch offline nicht immer die günstigsten und absolut gesehen sehr teuer – das sieht man bei fast jedem Check im Online-Preisvergleich. Aber im Offlinevergleich schneiden Auswahl und Preis nicht absolut desaströs ab.

  9. Die internen Kämpfe sind so endlos lange, dass in Holland erst Ende 2009 gestartet wird. Im Frühjahr 2008 hat der zuständige Manager aus Holland von seiner Idee berichtet, mit einem Liveshopping-Modell zu starten – denn dafür stehe MediaMarkt schließlich. Und man wolle ibood nicht das Feld überlassen.
    Realisiert wurde das aber nicht, soweit ich das erkennen kann.

  10. Ich glaube, mit den Geschäftsmodellen, die in der Metrogruppe schon diskutiert, geplant und abgewiegelt wurden, ließen sich Bände füllen. Das genau meine ich ja mit betriebsblind für neue Geschäftsmodelle … Wer an seinem alten Geschäftsmodell hängt (bzw. es retten muss), findet immer genügend vermeintlich gute Argumente gegen neue Geschäftsmodelle.

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