Arcandor braucht 1,8 Mrd. Euro für neue Komplettsanierung

Die Banken haben das Vertrauen in Arcandor verloren. Deshalb hat der neue Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick nach der gestrigen Krisensitzung heute der Presse einen für alle Beteiligten (von den Lieferanten bis zur Regierung) kostspieligen Rettungsplan vorgestellt:

Primondoatrys

  • Zu den fällig werdenden 900 Mio. Euro an Krediten braucht der Konzern weitere 900 Mio. Euro für die erneute Komplettsanierung.
  • Karstadt wird zerschlagen.
  • Im Versandhandel bleibt (bis auf den Elektronikversender MyBy) alles beim Alten. Eine strategisch tragfähige Perspektive (z.B. die zügige Abwicklung des Kataloggeschäfts) bleibt auch der neue Arcandor-Chef schuldig.
  • Die größten Verlustbringer, darunter auch MyBy, will Arcandor über die Auffanggesellschaft Atrys abwickeln ("weiterentwickeln").
  • Zudem sollen Karstadt und Quelle ihre Einkaufshoheit künftig an einen konzernweiten Zentraleinkauf abgeben, der vom ehem. Takko-Chef Arnold Mattschull geleitet werden soll.

Zugleich entmachtet der neue Arcandor-Chef die verbliebene Arcandor-Führung und setzt in strategisch wichtigen Handelsbereichen auf eigene Vertrauensleute.

Da Arcandor offenbar stark unter Druck steht und fest mit Staatsbürgschaften rechnet, dürfte der Sanierungsplan noch für einiges an Diskussionsstoff sorgen.

Plan B bleibt die Insolvenz

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  1. Die vollständige Hilflosigkeit zeigt, wie nutzlos das klassische Portfoliomanagement in Zeiten der Krise ist. Zu Boomzeiten hat es bei Jack Welsh gut funktioniert: wer nicht performt, wird „abgestoßen“ oder „zerschlagen“, und neue Wachstumsbringer werden eingekauft.
    Was nützt das aber in der Krise? Die faulen Eier kauft eh keiner, und für Zukäufe ist kein Geld da.
    Für eine echte Sanierung taugt der Eick mit seiner Historie als Schönwetter-CFO nix. Eine vernünftige Insolvenz wäre wohl das beste.

  2. Inzwischen sind auch die Unterlagen bzw. das Video von der Pressekonferenz online: http://83.137.171.159/ondemand/pk20042009/de/ Das Konzept ist mit Unterstützung von Roland Berger entstanden ….

  3. Von Roland Berger kommt bestimmt auch die Idee mit der Staatskohle. ;-)

  4. Und der gleiche Roland Berger hat auch Middelhoff die Premium-Lösung entwickelt. Beraten und verkauft.

  5. Schade – keine Visionen, keine Ideen…. Nichts! Einfaches Handwerk im Sinne von Kostenreduktion, Ausgliederungen, Umstrukturierungen & Bilanzmaßnahmen wird ggf. reichen, um Arcandor 12 weitere Monate zu gewähren. In Zeiten des Wandels in dem strategische Investments notwendig sind, um das Überleben für Übermorgen zu sichern, kann Arcandor leider nicht überleben.

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