Happy 60! Otto feiert den gedruckten Internetkatalog 2009/10

Happysixty "Hurra, wir drucken noch!" – Zweimal im Jahr macht sich der Hamburger Otto-Versand zum Gespött der Internetgemeinde.

Denn zweimal im Jahr werden die Otto-Internetseiten in guter alter Tradition komplett ausgedruckt als Katalog an die Kunden versandt.

Diese Woche war es wieder soweit. Der ausgedruckte Internetkatalog steht dieses Mal unter dem Motto Happy Sixty!

Wie lange das noch gut geht, weiß niemand so genau. Denn mit 60 lebt man eben gerne in seiner eigenen Welt und wird seine Schrullen und Marotten auch nicht mehr so leicht wieder los.

Soll man Otto zu dieser Leistung nun also gratulieren oder sich ernsthaft Sorgen machen? Exciting Commerce wünscht in jedem Fall alles Gute! Denn Kataloge braucht man immer und womöglich ist es ja auch Ottos letztes großes Fest.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse, Ultimondo

  1. Schönes Video von Herrn Hillebrand. Leider ohne Mehrwert. Der Artikel ist an einer Stelle „leider“ inhaltlich falsch. Aufgrund der Prozessketten im Versandhandel wird nicht der Katalog auf Basis der Website ausgedruckt, sondern die Website auf Basis der Katalogdaten gescannt/produziert. Dann wird auch die Relevanz des Kataloges deutlich: Ohne Katalog keine Website :-)

  2. Wieso macht sich Globetrotter nicht zum Gespött, wenn deren Katalog kommt? Wieso wird H&M nicht belächelt, weil sie erst im letzten Jahr den Katalog in ihr Vertriebsprogramm aufgenommen haben?
    Aus meiner Sicht folgende Antwort und die Kritik an dem Artikel: Es geht hier um das Geschäftsmodell und nicht um Katalog, Online oder Stationär.
    Dies sollten wir differenziert behandeln.

  3. Ganz einfach, weil das Geschäftsmodell von Globetrotter, H&M & Co. nicht vom Katalog abhängt. Sie könnten auch ohne …

  4. O-Ton Thomas Lipke von Globetrotter: Wir dachten wir könnten ohne, aber das war ein Irrtum.
    Man könnte ohne, aber warum sollte man, wenn es mit besser geht :-)
    Richtig ist aber, dass das Geschäft schon vom Kopf auf die Füße gestellt wurde und nicht mehr der Katalog das Maß der Dinge ist. Aber das ist doch nun wirklich keine Diskussion mehr – nicht mal bei Otto. Bei Quelle weiß ich, dass dort die Shop-Inhalte z.T. bis heute noch händisch kopiert und eingesetzt wurden.

  5. Sicher? Ich finde die Otto-Kampagnenseite http://www.otto.com/happy-sixty.html spricht Bände …
    Vielleicht muss man es so formulieren: Für einen Katalogversender ist Otto gaaaanz weit vorn; für einen Online-Händler aber eben nur unter ferner liefen …
    Dumm halt nur, dass es hier im Blog um E-Commerce-Strategien und die Zukunft des E-Commerce geht. Da gibt es für die Katalogkrücke eben extreme Abzüge in der B-Note ;-)

  6. Ich bin der erste, der auf einen wirklich guten Tablet-PC oder e-Reader umsteigt, der mir die Emotion von Visual Shopping auf die Couch bringt. Da gibt es ein Start-up, dass genau so was vorbereitet. Abseits der großen Versender (klar), aber in Kooperation mit ihnen.
    Deshalb stimme ich zu: Der Katalog ist eine Krücke. In Sachen Impuls, Emotion und Inszenierung ist es zumindest im Fashion noch ein Weg, bis das Internet hier mithalten kann. Das wird aber kommen – und genau hier würde ich als Otto investieren. Und dann den Katalog mit Freude streichen, weil er einfach zu teuer und unflexibel ist.
    Außerdem machen Krücken sexy. Fragt mal Dr. House ;-) Just kidding.

  7. Wie bekommt man als langjähriger Kunde einen Otto Katalog???
    Online ist keine Katalogbestellung möglich, so steht es jedenfalls bei mir! Und von Otto bekomme ich auch keinen! Was ist das für ein Service?????
    Weiß jemand mehr???

  8. Arme Internetgemeinde. Ich mag irgendwie diese abgehobenen Diskussionen einer Community, die scheinbar wirklich nicht weiß, wie der durchschnittliche Katalogkunde HEUTE noch aussieht. Von wegen mit schickem I-Phone aus der Lounge twittern, oder ‚mal schnell beim online-Dienst sich die Maßhemden ordern. Nach wie vor spielt die Musik bei Mutti, klein- bis mittelverdienend, auf der Couch, im Kreise von Familie und Nachbarn die auch gern noch das haptische feeling Print ‚rumreichen. Das vielleicht Sohnemann nebenan mit einem anderen online-Verhalten aufwächst, ergänzt dieses offline-Verhalten nur. Und was die junge Generation dann später macht, zeigt vielleicht das Wählverhalten: wenn man jung ist, wählt man aus Trotz andere Parteien, sagen Untersuchungen. Wenn man älter wird besinnt man sich darauf, dass nicht alles schlecht war, was die Alten gesagt und getan haben. Meine Wette steht: in 10 Jahren gibt es noch Kataloge. Vielleicht keine (er)schlagenden Big Books, mehr, aber kleine und feine Zielgruppenkataloge ;-)

  9. Da kann man wenig einwenden. Es gibt ja auch noch Pferdekutschen ;-)

  10. Solange es noch Menschen über 40 gibt, es noch alte Menschen und Behinderte gibt, solange nicht jeder einen Computer besitzt, solange nicht jeder einen PC bedienen kann, solange wie Menschen das Leben wirklich spüren wollen und das Wohnzimmer nicht Virtuell ist, solange ist der Katalog, genauso wie das Buch das wichtigere Element nach dem Persönlichen Kontakt.
    Das sollte und wird sich in den nächsten 50 Jahren auch nicht ändern…

  11. @Uwe Vielen Dank für Ihre Nachricht. Könnten Sie mir diese bitte das nächste Mal als Briefpost zukommen lassen. Als Mensch über 40 schätze ich die persönliche Nachricht. Schicken Sie den Brief bitte an die Anschrift im Impressum. Ich bin sicher, das macht Ihnen keine Umstände.

  12. Manchmal wandelt sich die Demografie schneller als man denkt. Kevin Hillstrom hat das gerade im Blog schön geschrieben.
    http://minethatdata.com/blog/2009/11/dear-catalog-ceos-demographics.html
    Warum das so schnell geht? Wo kommen heute die Neukunden der Katalog-Versender her? Ich frage da regelmäßig nach, und fast durchgängig sagt man mir: Aus dem Internet. Also von Google etc.
    Einschränkend aber gilt: Wenn ich einen hohen Stamm aktiver Kunden habe, brauche ich entsprechend sehr viele Neukunden. Die kann ich als Otto oder Bonprix der schieren Menge wegen nicht nur aus dem Web gewinnen. Deshalb brauchen sie noch Kataloge. Interessant ist dabei, dass Otto im Angesicht des Webs viel stärker in breit streuende, dünnere Kataloge investiert, mit denen die Leute vor allem zum Erstkauf im Netz angeregt werden sollen. Übrigens ein Trend, von dem mir die Postler auch bei anderen Katalogern berichten.
    Andere Dino-Regel: Wenn ich nicht durch intensives Marketing den Neukunden-Anteil hochfahre, habe ich spätestens im übernächsten Jahr ein großes Problem.
    D.h. ich muss als Versender die Kanäle ausbauen, auf denen meine Neukunden vorzugsweise kommen. Und dann von dort aus die Anstoßkette konzipieren. Brauchen die noch Print? Wieviel? Welche Art?
    KH hat mir kürzlich zum Thema „dicke Kataloge“ einen Tipp gegeben. Wenn das Volumen in den Call-Centern deutlich abnimmt, spätestens dann kann man anfangen, die Kataloge entschieden abzubauen. Denn die Katalog treiben dann ins Netz, und dann muss dort der eigentliche Verkaufsschwerpunkt aufgebaut werden.
    Es sind vom Katalog ausgelöste Bestellungen. Aber sie müssen im Internet auf- bzw. ausgebaut werden. Dafür muss man dort aber den Geschäftsschwerpunkt für den größten Teil des Umsatzes ansiedeln.
    Dann werden die Kataloge anders aussehen, aber die Webshops auch.

  13. @MGA: Danke für einen differenzierten Kommentar.
    Hillstrom gestattet sich übrigens selbst die wichtige Einschränkung: „Every one of those quotes could be accurate.“ Er kennt die spezifischen Tücken der Handelsorganisation aus eigener Erfahrung.
    Dass er im Fazit dann doch wieder die Unausweichlichkeit der tiefgreifenden Änderung proklamiert, ist richtig und wichtig. Den Weg dahin sollte man diskutieren, nicht aber die Tatsache an sich.

  14. Kleiner Nachtrag: Es geht bei den Katalogen natürlich nicht nur um Akquisition. Die Versender denken ja in Akquisition, Aktivierung, Reaktivierung. Wenn ich einen hohen Kundenstamm habe, brauche ich Impulse, um die aktiv zu halten. Da ist der Katalog dann häufig noch immer ein effektiveres Mittel als e-Mail (geschweige denn Google). 15 % Kaufquote bei Katalogen an Bestandslisten ist was anderes als der Trichter von Öffnungsrate, Klickrate und Conversion im e-Mail-Marketing.
    Aber das hat eben seinen Preis. Darum sind auch da neue Print- und Online-Konzepte nötig.
    Witzig: Der Business-Versender M+W (Zahnmedizin) schickte mir vor ein paar Tagen eine Postkarte im Briefumschlag mit einer persönlichen URL. Dahinter war dann eine auf Verkauf zielende Befragung (www.kopf-frei.com oder so ähnlich).

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