Web-Währungen: Facebook testet Credits für reale Güter

Facebook experimentiert weiter eifrig mit seiner hauseigenen Währung, den Facebook Credits. Seit gestern können erste Testnutzer im Giftshop damit auch reale Güter erwerben.

Facebookgiftshop

Außerdem hat Facebook im Juni einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer universellen Web-Währung für seine weltweit 250 Millionen Mitglieder getan: Seitdem bekommt man Facebook Credits nicht mehr nur für Dollar, sondern auch für 14 weitere internationale Währungen.

Damit können die Nutzer heute schon (virtuelle) Geschenke kaufen und/oder Facebook Ads schalten. Außerdem wurde der Test auf inzwischen 8 Facebook-Applikationen ausgeweitet, die ebenfalls Credits akzeptieren.

Spannender allerdings noch als der Kauf- und Verkauf von virtuellen oder realen Gütern ist Facebook-Credits als persönliches Belohnungssystem, dann also, wenn sich die Nutzer gegenseitig Credits geben können. Schon heute kauft man die Geschenke in der Regel für andere.

Ärgerlich in der Diskussion um Web-Währungen bleibt, dass offenbar immer noch viele nicht zwischen Währung und Zahlungssystem unterscheiden können – und so oftmals Facebook Credits und Paypal in einen Topf werfen (was ungefähr so sinnig ist, wie der Frage nachzugehen, was besser ist: Euro oder Banküberweisung?).

Wenn man etwas vergleichen könnte, dann Paypal und Pay with Facebook, das Zahlungssystem, das Facebook parallel zu den Facebook Credits vorantreibt – und für das es kürzlich von Google den Leiter von Google Checkout abgeworben hat.

Neben der hervorragenden Berichterstattung von Inside Facebook zu den Facebook-Aktivitäten im Paymentbereich sei auch der zusammenfassende Beitrag im Silicon Alley Insider empfohlen. Er zeigt sehr schön, wie PayPal aktuell auf 75 Mio. aktive Mitglieder kommt, während Facebook bereits über 250 Mio. Mitglieder zählt.

Das macht letztlich auch den Unterschied: Facebook kommt von der Nutzerseite und gibt seinen Nutzern ein vertrauenswürdiges Währungs-/Zahlungssystem an die Hand, während alle anderen (Paypal inklusive) von der Abwicklungsseite kommen und erst einmal um Nutzer werben müssen.

Sehr spannend wird es, sollte Facebook die Credits einmal als reine Umlaufwährung positionieren, die nicht das Horten, sondern das schnelle Ausgeben belohnt. Das könnte der Facebook Economy einen riesigen Schub geben. Bisher sind Umlaufwährungen hauptsächlich bei lokalen und regionalen Community-Währungen üblich

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Facebook

  1. Hallo Jochen, wenn Web-Währung reales Geld kostet, wie werden die Prinzypien, die auf http://www.excitingcommerce.de/2009/06/webw%C3%A4hrungen-das-gr%C3%B6%C3%9Ften-missverst%C3%A4ndnisse.html beschrieben sind, gehalten? Wenn Webwärung gekauft wird, dann gibt es sie nicht in Überfluss und negative Zinsen würden als Abzocke empfunden werden.

  2. Ertappt ;-) Ich gebe zu, dass ich die Facebook-Credits für eine sehr gute, aber gerade in Kombination mit dem Geldwechsel nicht für die Ideallösung halte.
    Neben dem Eintausch muss es Möglichkeiten geben, wie man sich Credits „verdienen“ kann, also zum Beispiel durch Aktivitäten auf der Facebook-Plattform, für Unternehmen, die Credits vergeben, etc.
    Dann muss einfach klar sein, dass die Credits einer Entwertung unterliegen (und wie gesammelte Flugmeilen, etc. nach einer gewissen Zeit verfallen.)
    Abgesehen davon ist es ja sicherlich nicht das Ziel von Facebook, dass die Nutzer ihr komplettes Vermögen langfristig in Facebook Credits anlegen, sondern immer nur soviel einzutauschen wie sie eben für einen überschaubaren Zeitraum brauchen. Durch die Kurzfristigkeit lässt sich das Thema Entwertung eigentlich ganz gut in den Griff bekommen.
    Das Problem liegt aber in der Tat im Umtausch. Optimaler wären Webwährungen, die ein Eigenleben führen und nicht an externe Referenzwerte gekoppelt sind.

  3. Facebook testet Web-Währung für reale Güter

    Social Networks werden langsam aber sicher auch für Shopbetreiber ein interessanter Vertriebskanal. Vor allem um mit wenig Aufwand internationale Märkte zu erschließen. Das amerikanische Netzwerk Facebook experimentiert zur Zeit eifrig mit seiner hau…

  4. der Frage nachzugehen, was besser ist: Euro oder Banküberweisung?
    sehr schön ;)
    Aber im Moment muss ich doch noch Dollars oder 14 der anderen echte Währungen hochladen, oder?
    Weil Du einen so schönen Blog schreibst einfach mal 10 FaceCredits geben die Du bei mir gegen einmal Umzugshelfen eintauschst besteht nicht?
    Dann ist FaceBookMoney ja immer noch ein währungsgebundenes Währungssystem (was es ja auch bei echten Währungen gibt und gab)
    FaceBook hätte die Chance einer Währung die wichtigste zu geben: das Vertrauen der Handelnden.

  5. Dass FaceBookMoney währungsgebunden ist, muss ja kein Nachteil sein. Die Frage ist, welche Möglichkeiten Facebook seinen Mitgliedern künftig bietet, um Credits zu verdienen, und/oder ob es selber Credits ausgibt (verschenkt).
    (Im Online Gaming Bereich ist das virtuelle Geld ja auch in gewisser Weise währungsgebunden, nur haben die Spieler Möglichkeiten, sich Geld zu „erspielen“ – mit allen Vor- und Nachteilen.)
    Im letzten Punkt stimme ich Dir absolut zu. Die Vertrauensbasis ist die große Chance.

  6. Aber wenn Facebook, oder besser seine Mitglieder, Geld verschenken können, welches keine „harten“ Dollars im Rücken hat, dann ist das ein Geldschöpfungsprozess, denn bisher nur die Zentralbanken innehatten.
    Außerdem wäre dann Facebook nicht mehr komplett Dollargedeckt, sprich wenn alle Mitglieder plötzlich ihre FacebookCredits in Dollar tauschen wollen würde das nicht mehr funktionieren.
    Macht aber nichts, so funktioniert die Weltwirtschaft nach Bretton-Woods und der Aktienmarkt (Marktkapitalisierung) schon immer.
    Aber warum dann nicht konsequent gleich auf die Dollardeckung verzichten?
    PS Du antwortest verdammt schnell;) kann man hier comments abbonieren?

  7. [Sorry, die Kommentare lassen sich bei Typepad leider nicht abonnieren.]
    Das ist ein kniffliges Thema. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass man Credits wieder in Dollar tauschen kann (in den sauren Apfel müssten Facebook und seine sozialen Investoren beißen ;-) Was aber nicht wirklich schlimm sein müsste, wenn Credits ein allgemein akzeptiertes Zahlungmittel werden.
    Wenn Facebook den Weg ernsthaft geht, dann kommt es noch zu einer Reihe weiterer Kollisionen mit den traditionellen Währungssystemen. Aber irgendwer muss diese Themen ja durchfechten. Deshalb wäre es ja so ermutigend, wenn Facebook als das weltgrößte SN das Thema Web-Währung vorantreiben würde – und entweder Fakten oder Alternativen schafft. Damit ein Umdenken im Währungsbereich beginnen kann.

  8. „entweder Fakten oder Alternativen schafft. Damit ein Umdenken im Währungsbereich beginnen kann.“
    Das unterschreibe ich;)

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