Web-Währungen: Geht es auch ganz ohne Geld?

Im Social Web experimentieren soziale Netzwerke wie Facebook gerade mit alternativen Währungsformen. Und mehr und mehr stellt sich die Frage: Geht es künftig auch ganz ohne Geld? Und zwar nicht nur im Web, sondern generell.

Um sich eine Meinung zu bilden, helfen manchmal radikale Ansichten. Markus Spath hat kürzlich auf ein spannendes Interview hingewiesen, in dem der Wiener Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann ein Ende der Währungen voraussieht:

"Alle Währungen werden verschwinden, weil sie technisch nicht mehr funktionieren können. Ich schätze, dass es schon 2011 so weit sein wird.

Wenn wir uns aber in eine neue Gesellschaft ohne Geld retten wollen, brauchen wir als Übergangsphase mehrdimensionales Geld. Wir brauchen mehrere unabhängige Rechnungskreise in Form spezialisierter elektronischer Gutscheine.

Um die Grundversorgung der Menschen abzudecken, wie Wohnraum, Energie, Lebensmittel usw., könnte man eine Inventur in den einzelnen Ländern aller verfügbarer Ressourcen und des Bedarfs machen. Dann wäre es notwendig, die vorhandenen Ressourcen pro Kopf so zu verteilen, dass für den Basislebensstandard alle versorgt sind.

Hier müssen alle kooperieren, ohne dass sie in ein gewinnorientiertes Tauschkonzept verfallen. Die Gemeinschaft muss ohne Wenn und Aber und ohne Gegenleistung Kinder, alte und kranke Menschen erhalten, und alle müssen mit diesem Grundlebensstandard versorgt werden, egal welche oder ob sie überhaupt eine Leistung vollbringen.

derStandard.at: Wir sprechen also von einem bedingungslosen Grundeinkommen?

Hörmann: Genau. Aber nicht in Geld, sondern in Gütern und Dienstleistungen. (…) Da Geld sowieso eine gesellschaftliche Konstruktion ist, müssen wir uns nicht an der toten Materie orientieren, die in früheren Jahrtausenden die praktische Manifestation von Geld war. Geld selbst besitzt ja lediglich eine Informationsfunktion."

Ein bedingungsloses Grundeinkommen können sich inzwischen nicht mehr nur die Grünen, sondern selbst die CDU vorstellen.

Spätestens in der letzten immer noch gerne als "Finanzkrise" bezeichneten Währungskrise konnte jeder erkennen, wie leicht sich die heutigen Währungssysteme aushebeln lassen.

Umso spannender bleibt es zu verfolgen, welche globalen Währungsalternativen entstehen. Franz Hörmann beschreibt am Ende des Interviews auch, wie die Vernetzung durch das Internet den Wandel beschleunigt.

In seinen Vorträgen zum Thema "Die Finanzkrise als Chance" (PPT) sieht er die Lösung in "globalen Kooperationsnetzen". In seinen Grundideen orientiert er sich an Bernard Lietaer ("Currency Solutions for a Wiser World"). 

Eines der besten Bücher zum Thema ist "Life Inc." von Douglas Rushkoff ("How the World Became a Corporation and How to Take it Back")

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Facebook

  1. Selten so einen Unsinn hier gelesen wie die Gedanken von Herrn Hörmann. Das ist nichts anderes als eine Form von Sozialismus und muss aus den gleichen Gründen scheitern wie alle bisherigen Sozialismen.
    Allein bei sowas stellen einem sich die Nackenhaare auf:
    „Um die Grundversorgung der Menschen abzudecken, wie Wohnraum, Energie, Lebensmittel usw., könnte man eine Inventur in den einzelnen Ländern aller verfügbarer Ressourcen und des Bedarfs machen.“
    Haha, klar. Man macht mal eine „Inventur“ aller Ressourcen und Bedarfe, einfach so. Jeder darf dann auf einem Formular ausfüllen, welchen Bedarf er hat, als seien Bedarfe statisch und müssten nur einmal erhoben werden. Eine Zentralagentur sorgt dann dafür, dass entsprechend dieser „Inventur“ produziert und die Güter verteilt werden. Weil diese Zentralverwaltungswirtschaft in der Vergangenheit ja so gut geklappt hat. Da fehlen einem echt die Worte.

  2. Ich musste auch unweigerlich an Planwirtschaft denken und sofort habe ich in meinem Kopf folgendes gehört „dödöhhh… der Zonk!“.
    Wer wirklich glaubt, dass solche System funktionieren hat sich wohl die letzten Jahre von der Realität abgewandt und in seine eigene kleine Welt gerettet.
    Allein der Verwaltungsaufwand wäre so enorm, dass dieses System von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Dazu geht man ja auch davon aus, dass jeder Bürger ehrlich ist und genau seinen Bedarf angibt. Die jenigen die auf betrügerische Weise mehr beantragen als ihnen tatsächlich zusteht mit dem Ziel den Überschuss zu verkaufen, handeln wie auch immer um sich einen Vorteil zu verschaffen, werden bei diesen Überlegungen außer Acht gelassen.
    Schön wär´s, keine Frage, aber machbar ist es einfach nicht, genau so wenig wie Anarchie.

  3. „Alle Währungen werden verschwinden, weil sie technisch nicht mehr funktionieren können. Ich schätze, dass es schon 2011 so weit sein wird.“
    Ab hier habe ich aufgehört zu lesen.

  4. @Dennis Rottler Schade, danach beginnt doch der Spaß erst.
    @Stefan Balker Gemeint ist nicht der Bedarf der einzelnen, sondern der Gesamtbedarf. Es geht rein darum, die Grundversorgung zu regeln. Alles andere hat weiter jeder selber in der Hand.
    @Thomas Von Plan-/Zentralwirtschaft ist nirgends die Rede. Hörmann plädiert ja genau fürs Gegenteil – für dezentrale, vernetzte Strukturen („globale Kooperationsnetze“).
    Klingt im ersten Moment utopisch, lohnt sich aber, damit zu befassen, nicht weil es die ultimative Lösung wäre, sondern weil es mit eingefahrenen Denkstrukturen bricht und damit neue Perspektiven eröffnet.
    Ich gebe allerdings zu, wer zutiefst an die Nachhaltigkeit des heutigen Wirtschaftswesens glaubt, der wird diesen Ideen nicht viel abgewinnen können. Der Beitrag wendet sich aber auch eher an die, die weiterdenken wollen …

  5. Naja, ich finde nicht, dass Geld lediglich eine Informationsfunktion hat in dem Sinne eines bestimmten Wertes der von A nach B gegeben wird. Zu beachten ist auch die Institution, die das Geld als solches legitimiert. Spannend wird sein, was passiert, wenn Personen plötzlich in Sozialen Netzwerken anfangen virtuelles Geld und Gutscheine zu tauschen. Wie können die virtuellen Güter hier auf einen gemeinsamen institutionellen Nenner gebracht werden? Irgend jemand muss doch den Wert der einzelnen Güter bestimmen, damit sie getauscht werden können. Kann ich dann Facebook Credits gegen Paybackpunkte einlösen und wenn ja wieviele? Ansonsten bestimmt hier Angebot und Nachfrage den Wert,kann das wirklich sozial sein?…

  6. Gerade das Gutschein/Credits-Modell ist spannend, wenn man es sich zweckgebunden vorstellt.
    Es kann ja durchaus unterschiedliche Währungen/Modelle für Konsum, Energie, Gesundheit, etc. geben, die in ihren jeweiligen Kreisläufen gut funktionieren und die man dann zur Not sicherlich auch umtauschen können wird.
    Wer aber sein Gesundheitsbudget für Konsumleistungen verwenden will, wird sicherlich mit Abstrichen rechnen müssen, etc.
    Ein solcherlei Denken hat den Vorteil, dass man die Währungen/Gutscheinsysteme entsprechend unterschiedlich strukturieren kann. Die einen verlieren an Wert, wenn man sie nicht einlöst, die anderen behalten bzw. steigern ihren Wert und eignen sich für den Vermögensaufbau, etc.
    So hat man aber die Möglichkeit zu variieren, und zum einen Währungen herauszugeben, die eher sozialen Charakter haben und zum anderen Währungen, die wie die heutigen eher materialistisch ausgerichtet sind.

Schreibe eine Antwort zu Jochen (Exciting Commerce) Antwort abbrechen

%d Bloggern gefällt das: