Google enttäuscht mit Boutiques.com

Nicht dass jemand von Google die Revolution im Fashion Shopping erwartet hätte, aber das, was Google, genauer, das im August übernommene Like.com-Team, dann in dieser Woche aus dem Hut gezaubert hat, ist dann doch eine ziemliche Enttäuschung.

Boutiques ist sicherlich technisch brilliant, schön anzusehen und featuremäßig reich gesegnet, aber eben ohne klares Nutzerkonzept. Wer bitte soll so einer Seite verfallen?

Boutiques

Boutiques versprüht einen Hauch von Empora (im Versuch von 2009) und fügt sich ein in die Fülle von vergeblichen Versuchen, mit denen Techies in den letzten Jahren versucht haben, Mode nutzergerecht aufzubereiten.

Was bei den technisch-verkopften Lösungen jedoch regelmäßig zu kurz kommt, ist die emotionale Komponente. Wo bleibt das Shoppingvergnügen und die pure Lust an der Mode? Die vermisst man bei so gut wie allen Konzepten.

Wir hatten uns ja in den letzten Monaten ausführlich mit den unterschiedlichen Ansätzen befasst und u.a. auf die Interviews mit Polyvore und Shopstyle, den beiden Innovationstreibern in den USA verwiesen:

Das Thema Mode bietet noch soviel an Innovationspotenzial. Schade, dass immer nur die bunten Bildchen im Fokus stehen und sich nicht einmal ein paar Querdenker den Online-Modebereich vorknöpfen und mit spannenden Verkaufskonzepten bereichern.

Die Online-Zukunft der Mode beschäftigt uns auch auf dem 1. E-Fashion Summit am 2.12. in Frankfurt, wo ich durch den Social Media / Social Commerce Track führen darf. Tickets gerne auch über Exciting Commerce (kurze Mail genügt).

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  1. Da stimme ich dir zu. Trotzdem interessant wie die Presse das Thema frisst. Ich glaube aber eher, dass es eine Testseite ist, um Klickstreams zu analysieren. Danach werden die Learnings auf der Shop Suche umgesetzt.

  2. Google Boutiques bietet meiner Meinung nach schon mehr als bestehende Such- und Empfehlungsdienste für Mode. Wirklich „revolutionär“ ist es allerdings auch nicht. Vielleicht haben sie noch ein paar Extras im Hinterkopf, die sich derzeit noch nicht zufriedenstellend umsetzen lassen. Ich denke da insbesondere an semantische Technologien (beschäftige mich gerade in meiner Bachelorarbeit damit). Da könnte Alex mit seiner Vermutung recht haben.
    Was mich interessieren würde, inwieweit kann man für den Kunden tatsächlich das „Shoppingerlebnis“ aus der realen in die digitale Welt übertragen?

  3. Muss man denn das Shoppingerlebnis der „realen“ Welt in die digitale Welt übertragen (und so seine Vorstellungskraft beschränken)?
    Geht es nicht vielmehr darum, neue Shoppingerlebnisse zu kreieren, die erst durch die Online-Welt möglich werden?
    Ich würde mir wünschen, dass die Latte endlich drei, vier Stufen höher gelegt wird, sonst kommen wir über das Google Boutiques Niveau nicht hinaus.

  4. Naja, Google muss nicht alles können ;)

  5. Für mich steht viel mehr die Frage im Vordergrund, ob die Leute überhaupt online emotional abgeholt werden können?
    Es ist vielleicht viel mehr zu fragen, wodurch die Emotionen im realen Leben entstehen, die zu einem Kauf im Fashion Bereich führen? Und wie lassen sich diese Emotionen und Bedürfnisse bei deren Entstehung im realen Leben nahtlos online übertragen werden?

  6. Wie gesagt, ich halte wenig von der Übertragung. Online ist reales Leben. Die Frage ist, wie Emotionen online entstehen?

  7. Es wäre sicher spannend zu der Frage mal ein Brainstorming zu machen.

  8. Ich kann nicht beurteilen, wie viele kleinere innovative Anbieter Details der Boutiques-Plattform schon 2009 oder früher angepackt haben. Aber aus der Perspektive einer Suchmaschine, die vor allem Beziehungen zwischen Nutzern und Produkten „lernt“, ist es schon extrem spannend.
    Ich sehe Google nicht als jemanden, der mit Shops konkurriert oder Handelsprozesse bzw. Verkaufskonzepte neu erfindet. Dass Mountain View da nicht eben brilliert, wissen wir seit dem Nexus One. Viel mehr kann (wie Alex ja andeutet) Google viel besser als bei der bisherigen Shopping-Suche Zusammenhänge erkennen. Bis hin zu gefragten „Silhouetten“ oder „Mustern“. Und bewegt sich damit extrem scharf an seinem Kerngeschäft.
    In der letzten Zeit wird gerade dort extrem viel experimentiert – Echtzeit-Suche, jetzt die neue Vorschau von SERPs. Wenn sich die Treffergüte dort z.B. im Shopping-Umfeld verbessert, würde das direkt auf das Kerngeschäft einzahlen. Deshalb wüsste ich auch gerne, wie sich die Abrechnungsmodelle bei boutiques.com gestalten und ob das irgendwann auch für die Suchmaschine insgesamt zumindest im Shopping-Bereich so gelten wird.
    Darüber hinaus ist mir aufgefallen, dass meiner Frau zumindest das Stöbern Spaß gemacht hat. Sie weiß ziemlich genau, was für eine Art von Mode (Schnitt) ihr gefällt und welche Muster sie grottig findet. Bei den bestehenden Shops hat sie sich immer müde gescrollt. Hier war die Zahl der intensiver betrachteten Modestücke pro Seite (vor dem ersten Scrollen, meine ich) deutlich höher.

  9. Also für mich ist Boutiques in vieler Hinsicht revolutionär und absolut „ungoogly“.
    1. Die Seite wirkt absolut manuell. Arrangierte Bilder, ausgewählte Channels, etc. pp. Arbeiten hier etwas Menschen und nicht Maschinen? :)
    2. Für mich eigentlich das krasseste:
    „Boutiques.com charges merchants to include products on this website in most cases.“. Ja, richtig gelesen. Sozusagen bezahlte Suchergebnisse!
    Und noch viele andere Punkte.
    Ich persönlich finde den Marktplatz echt genial, allerdings vielleicht etwas fehlplaziert, denn auch wenn Männer weniger Mode kaufen, wäre unser Spieltrieb mit den zahlreichen Features wohl besser bedient.
    Ich finde es auf jeden Fall spannend und für mich persönlich nur die Enttäuschung, dass es eben nicht für Männer ist.

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