Buchwoche: „Der Lesermarkt wird sich auch hierzulande aufspalten“

von Matthias Hell

„Wir haben uns an den erfolgreichen Vorbildern aus der Musikindustrie orientiert“, sagt Beate Kuckertz. Sie ist überzeugt davon, dass sich der Lesermarkt auch in Deutschland aufspalten wird – in Angebote zum Nebenbei-Lesen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stünde weiterhin das bibliophile, wertige Hardcover."

Die frühere Droemer Knaur-Verlagsleiterin Beate Kuckertz hat im Juli Dotbooks gegründet. 37 Titel umfasst das Programm zum Start. Sie will bei den Publikationen mit unterschiedlichen Textlängen und Preispunkten experimentieren und plant auch Veröffentlichungen im Fortsetzungsformat. (Wirtschaftswoche)

Neue Vertriebsmodelle

Cornelsen: Der Bildungsverlag will sich künftig stärker auf die digitalen Herausforderungen fokussieren. Im Rahmen des neuen Unternehmensbereichs „Digital“ ein Beteiligungsportfolio mit erfolgreichen Bildungsunternehmen im Internet aufgebaut werden. Zudem werde Cornelsen in Prozesse und IT-Systeme investieren, um so den Übergang zum digitalen „Schulbuch der Zukunft“ zu bewerkstelligen. (Pressemitteilung)

Auch Klett signalisiert seine Ambitionen, am digitalen Wandel teilzuhaben und hat das Startup KigaRoo übernommen, das sich auf Softwarelösungen für Kindergärten und frühkindliche Bildungseinrichtungen spezialisiert hat. (Pressemitteilung)

Neue Erzählformen

Christliche Literatur: Die US-Kette Family Christian bietet einen eigenen eBook-Reader für religiöse Inhalte, Apps wie „YouVersion Bible“ verzeichnen Downloads in zweistelliger Millionenhöhe – die Religions-Sparte zählt damit in den USA zur Speerspitze des Publishing-Wandels. Konkurrenz erhält christliche Literatur nur von dem boomenden Erotica-Bereich (via Good eReader):

„Erotica and Christian fiction are strange bedfellows and normally do not have anything in common at all. One of the similarities is the privacy and anonymity factors that drive digital sales and provide a virtual security blanket. When you read ebooks in public, no one knows what type of book you are engaged in.”

Reise-Apps: Der britische Reiseliteratur-Publisher Insight Guides verstärkt mit der Veröffentlichung von zehn iPad- und iPhone-Apps sein digitales Portfolio. Gegenüber The Bookseller erklärt Verlagsmanager Jason Mitchell, dass sich Reiseführer-Inhalte besonders gut zur Aufbereitung in App-Form eignen.

Struktureller Wandel

Smashwords hat in einem Blogeintrag bekanntgegeben, dass es vier bei dem Selfpublishing-Dienst erschienene Titel gleichzeitig in die eBook-Bestsellerliste der New York Times geschafft haben. Smashwords-Gründer Mark Coker hofft nun auf eine Signalwirkung für weitere Selfpublishing-Autoren:

„Maybe tomorrow's bestseller is languishing on an undiscovered writer's computer, still waiting for a publisher to give it a chance. Maybe that writer will now realize they don't need the blessing of a publisher to become a published author, or to reach readers.  Maybe they'll realize that that the tools to publish and distribute a book are available at no cost, and the knowledge to professionally publish is available for the taking.”

Rakuten: CEO Hiroshi Mikitani hat angekündigt den bisher in 10 Ländern verfügbaren eReader Kobo bald in 27 Ländern anbieten zu wollen und bekräftigt damit seine Ambitionen, Amazon die Stirn bieten zu wollen. (via Fortune)

Buchhandel im Umbruch

Buch.de: Während der Mutterkonzern Thalia das stationäre Geschäft zurückbaut, kämpft auch die Pure-Online Tochter Buch.de mit einer schwachen Geschäftsentwicklung: Im zurückliegenden Quartal ging der Umsatz um 7,6 Prozent zurück und wurde ein Verlust von mehr als einer halben Million Euro erwirtschaftet. An seiner Jahresprognose hält Buch.de jedoch fest. (Pressemitteilung)

Fnac: Mit Blick auf Thalia sieht Buchreport in der französischen Handelskette einen „Zwilling im Geiste“. Sinkende Umsätze und ein Gewinneinbruch zwängen auch die Fnac zu Sortimentserweiterungen im Non-Book-Bereich und zum Filialrückbau. Immerhin laufe bei den Franzosen das Online-Geschäft besser, da die Stellung von Amazon im dem Land noch nicht so dominant sei.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

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