Buchhandel 2020: „Phase 2 is going to be all about adding meaning”

von
Matthias Hell

„Just as
books were the ideal prototypical product for phase one of e-commerce – the
perfect combination of a deliverable size and a connector to key ABC1
demographics, so they are going to be the key battleground for phase two of the
digital marketplace which is going to be all about adding meaning to the
connectivity of the internet.“

In einem Kommentar zur Zukunftsfähigkeit des stationären
Buchhandels setzt sich Futurebook
mit dem angeblichen Alleinstellungsmerkmal „beraten lassen & stöbern“ auseinander
und sieht die Online-Branche auf dem Sprung, auch hier für neue Verhältnisse zu
sorgen.

"Discoverability"

Amazon/Goodreads:
Die Übernahme von Goodreads durch Amazon, über die
wir bereits berichteten
(„Amazon übernimmt Goodreads für bessere
Empfehlungen“), könnte sich hier zum Paradebeispiel dafür entwickeln, wie der
Buchkauf im Netz künftig mit treffsicheren Anschlussempfehlungen ergänzt wird.

Eine
Übersicht zu den ersten Reaktionen auf die Übernahme gibt es bei Lesen.net,
erste Kommentare von Amazon und Goodreads bietet Paid
Content
. Eine der anschaulichsten Einordnungen zu den Mehrwerten einer
Integration von Goodreads in die Kindle-Plattform liefert einmal mehr Joe
Wikert im TOC-Blog.
Sein Fazit:

„By
integrating Goodreads into Kindle devices and apps Amazon has a tremendous
opportunity to enhance their platform in a way the competition simply won’t be
able to touch. No, it doesn’t change how an ebook is read, but we’re talking
about a significant impact it could have on further reinforcing Amazon’s
leadership position and driving more ebook revenue.“

Neue Vertriebsmodelle

Bookboard:
Streaming-Modelle tun sich im Buchbereich bislang schwerer als bei Musik- oder
Video-Inhalten. Das Startup Bookboard liefert gute Argumente dafür, dass das
Kinderbuch-Segment einen guten Ansatzpunkt für einen derartigen Subskriptionsdienst
bietet. Zudem kann Bookboard mit einer cleveren Trial-Funktion aufwarten. (via Paid
Content
, Blogbeitrag)

brandeins:
Während immer mehr Zeitungsverlage zur Zweiverwertung von Printinhalten
eBook-Imprints starten, setzt das Wirtschaftsmagazin brandeins erwartungsgemäß
eigene Akzente: Die Heftrubrik „Mikroökonomie“ wurde in Zusammenarbeit mit der
Hamburger Agentur Swipe in eine eigenständige iPad-App umgewandelt. (Mikroökonomie-App)

De Gruyter: Das
fortschrittsfreundliche Image der Wissenschaftsverlage bestätigt De Gruyter mit
einer Zusammenarbeit mit der Crowdfunding-Plattform Unglue.it: Der Berliner
Verlag bietet dort die Rechte für 100 vergriffene Titel zum Freikauf an. (via Buchreport)

Neue Erzählformen

Über die Publishing-Experimente von Seth Godin haben wir an dieser Stelle bereits wiederholt berichtet,
zuletzt zu
Anfang dieses Jahres
(„Umbrüche im Buchmarkt: To solve the 10,000 copy
problem“). In seinem Blog hat Godin nun einige originelle Gedanken zu den formalen
Anforderungen an App-Veröffentlichungen zusammengetragen. Um die Stärken des
Formats konsequent auszunutzen, müssten Inhalte „connected, portable or aware“
sein:

„Connected:
the app works better when other people are also using it. Like the fax machine
(what did the first owner of a fax do with it?), these apps have a hurdle at
first, but get more and more appealing as the word spreads. Instagram and
Twitter are connected.

Portable:
sure, PDFs and paper books are portable, but there are certain forms of content
where having the content in your pocket is really useful. I'd put frequently
updated, timely content (like the weather) or content I'll need to refer to
again and again on this list.

Aware: Our
mobile devices know where we are, and in some cases, know what we've just done.
Telematics opens the door to a huge number of breakthroughs, only a few of
which we've seen exploited to date.“

Buchhandel im Umbruch

Osiander: Dass
nicht alle Buchketten mit gleicher Geschwindigkeit auf den Abgrund zusteuern,
verdeutlicht Osiander-Chef Heinrich Riethmüller in einem aktuellen Interview.
Demzufolge trifft der negative Branchentrend zwar auch Osiander, doch setzt der
Filialist konsequent auf buchhändlerische Tugenden, Servicequalität – und ein
steigendes Online-Geschäft. (via Der Handel)

Libri: Spät, aber
immerhin: Der Grossist Libri bietet anstelle von zwei getrennten Systemen für
seine angeschlossenen Buchhändler und deren Webshops ab sofort eine übergreifende
Lösung an. Damit werden Online-Bestandsanzeigen und andere kanalübergreifende
Funktionen möglich. (via Börsenbatt)

Unter der Rubrik Buchhandel 2020 bringen wir jede Woche das Spannendste zu
den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche
(„Buchlos
in die Zukunft“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

1 Antwort

  1. Mal abgesehen davon, dass die Mehrzahl der Buchhändler ein Lager mit Kasse sind, ist das Kernproblem die Flächenkosten. Um dem Anspruch eines Einkaufserlebnisses „Buch“ gerecht zu werden bedarf a) einer gute Lage und b) die entsprechende Fläche. Beides ist kostenintensiv. Will man sich zusätzlich im Service abheben, ist dies mit Billig-Aushilfen nicht zu machen. Der stationäre Fachhandel ist nicht mit 1x-Investitionen skalierbar und hat eine geringe Marge als Online-Stores – also auch hier eine eher negative Bilanz. Perspektivisch bedeutet dies entweder, dass der Buchhandel sich neu erfinden muss oder aus den Einkaufszonen verschwindet. Platz bleibt noch für Nischenanbeiter und gutvernetzte ländliche Buchhandlungen – für Vollsortimenter in 1a Lagen wird wohl der Platz schwinden. Inwieweit Filialisten es schaffen ihre Stellung zu halten ist ebenso fraglich.

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