Buch/Handel 2020: Amazon setzt seine Publishing-Prioritäten

von
Matthias Hell

Als Amazon vor zwei Jahren den Branchen-Promi Larry Kirshbaum
mit dem Aufbau der hauseigenen Print-Verlagsreihe New Harvest betraute, weckte
der Online-Händler große Erwartungen. Nun
hat Kirshbaum seinen Rückzug angekündigt
– und macht damit auch das
Scheitern der Print-Ambitionen von Amazon offensichtlich: Zu groß waren die
Widerstände auf dem US-Buchmarkt. Doch sollten Traditionalisten mit verfrühten
Freudenbekundungen
abwarten: Wie Michael Cader bei Publishers Lunch (via Publishing
Perspectives
) treffend beschreibt, ist Amazons Publishing-Imperium auch
(bzw. erst recht) ohne das Print-Geschäft beeindruckend genug:

„With a
total catalog of 1.9 million ebooks according to yesterday’s earnings report,
Amazon is the exclusive publisher of a significant portion of their catalog.
Add to that hundreds of millions of dollars in annual sales from Audible.com
(plus Brilliance Audio), and unquantified revenue from CreateSpace — which is
the largest print self-publisher by far, issuing well over 100,000 ISBNs in
2012 alone — and you have a sprawling “publisher” of significant scale and
depth. Just one that does not have to — and clearly is not good at — chasing
high-risk general trade titles one by one.“

Auch in dieser Woche hat Amazon sein Publishing-Angebot
weiter ausgebaut und mit „Day One“ ein neues Literaturmagazin für
Kindle-Nutzer präsentiert (Pressemitteilung).
Erstmals stößt Amazon damit in das boomende Segment der E-Reading-Subskriptionsdienste
vor.

Neue Vertriebsmodelle

Swoon Reads:
Schwarmintelligenz statt Verlagslektoren? Macmillan hat mit Swoon Reads eine neue Social
Writing/Reading Plattform gestartet, die es den Nutzern überlässt, die besten
Beiträge herauszufiltern. Diese werden dann von dem Verlag veröffentlicht. (via
Mashable)

Crowdfunding-Verlage wie Unbound
und Pubslush setzen auf ein ähnliches
Prinzip, indem sämtliche Veröffentlichungen grundsätzlich erst per
Schwarmfinanzierung abgesichert werden. Auch hier übernehmen die Nutzer die
sonst traditionell in Verlagshänden liegende Gatekeeper-Funktion. (via Good
eReader
)

Enthrill: Als größter US-Anbieter für Download-Karten für E-Books
wirkt Enthrill zunächst nicht sonderlich
innovativ. Doch ermöglicht es das Vertriebsmodell, E-Books in einem stationären
Kontext sichtbar zu machen und erfährt deswegen auch von Autorenseite große
Resonanz. (via Publishing
Perspectives
)

Byliner: Über den Subskriptionsdienst für digitale Kurzformate
haben wir bereits wiederholt berichtet. In
einem Blogeintrag
fasst Joe Wikert nun die besten Argumente für Byliner zusammen: Follower-Prinzip,
Kuratierung von Inhalten, attraktives Pricing und eine ausgeklügelte iPad App.

Wattpad taucht in dieser Rubrik ebenfalls desöfteren auf. Der Guardian
bricht für die Leser-/Autoren-Community
nun noch einmal die Lanze:

„Wattpad's real secret is that it's the most
successful social network you haven't heard about (…). Wattpad's more than 18
million readers and writers spend hours every month on the site and mobile app.
They comment, follow and discuss – and what they're interested in is stories,
not identities. While Facebook and Google insist on real names and the
construction of a "true" identity, the strength of Wattpad's network
is that it's based on works, not personae. As a result, it makes the internet,
as well as literature, interesting again.“

Struktureller Wandel

Amazon: Der
Print/E-Book-Bundling-Service Kindle
MatchBook
ist nun offiziell verfügbar und beeindruckt: Zum Start können
Amazon-Kunden zu mehr als 70.000 Printtiteln die dazugehörigen E-Books
kostenlos bzw. für einen deutlich reduzierten Preis herunterladen. (via Giga
OM
)

HarperCollins:
Der US-Großverlag startet damit, E-Books direkt an die Leser zu verkaufen. Als
Testballon fungieren die Bücher von Fantasy-Autor C.S. Lewis, die HaperCollins
auf den Webseiten CSLewis.com und Narnia.com anbietet. Dabei erinnert nicht
nur das Genre an Pottermore. (via Good
eReader
)

Selfpublishing:
Der Gedanke ist bereits im Gattungsbegriff angelegt: Selfpublisher können ihre
Bücher auch in Eigenregie direkt vertreiben. Autorin Suw Charman-Anderson hat
das Experiment gewagt und berichtet bei Forbes
über ihre Erfahrungen:

„Overall,
selling ebooks direct has given me an interesting insight into my audience and
buyers, but it does take an awful lot of work to keep the momentum going. On
Amazon, there is the chance that your work might — might! — start to take off
under its own steam, but with a direct sales approach that won’t happen unless
you already have a massive fanbase, which most of us don’t.“

Unter der Rubrik Buch/Handel 2020 bringen
wir jede Woche das Spannendste zu
den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche
(„Buchlos in die Zukunft“).

Die Rubrik gibt es auch als Feed und als
E-Mail-Newsletter
.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

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