Die bvh-Zahlen 2013 und die 10 Mrd. Lücke im E-Commerce

Zu Katalogzeiten berühmtberüchtigt für seine ultrakonservativen E-Commerce-Erhebungen geht der bvh ("Bundesverband des Deutschen Versandhandels") jetzt zahlenpolitisch in die Vollen und verkauft seine durchaus überfälligen Anpassungen und Korrekturen – trotz Disclaimers, dass die Zahlen damit nicht mehr vergleichbar sind – als ein "erneutes Rekordwachstum". Das führt in der Presseerklärung zu hanebüchenen Aussagen und Einschätzungen, die mit den Realitäten nur mehr wenig zu tun haben.

Was hier zahlen- und verbandspolitisch gerade passiert, sieht man am besten in der Gegenüberstellung mit den E-Commerce-Zahlen des HDE ("Hauptverband des Deutschen Einzelhandels"):

Bvhhdezahlen

So kann man jetzt schon darauf wetten, dass die im aktuellen Zahlenrausch prognostizierten 48,8 Mrd. Euro nicht annähernd haltbar sein werden. Das wären gut 10 Mrd. Euro mehr als beim HDE, der sich seinerseits für 2014 schon zu einer für seine Verhältnisse geradezu üppigen Wachstumsprognose von 17% hat hinreissen lassen.

Nach dem exzessiven Sprung von 2012 auf 2013 dürfte sich das bvh-Wachstum wohl eher wieder zwischen 10% und 15% einpendeln, sodass wir eher bei 43 Mrd. bis 45 Mrd. Euro als bei 49 Mrd. Euro landen werden.

Nachdem der bvh nicht gerade bekannt ist für gute Marktvorhersagen und schon im vergangenen Jahr mit seiner Prognose um Welten daneben lag, könnte es also auch dieses Jahr wieder peinlich werden.

In der Presseerklärung wird es dann aber natürlich heißen "Der Online-Handel wächst schwächer als erwartet. Das E-Commerce-Wachstum schwächt sich ab, etc."

Die Umsatzentwicklung der führenden Online-Händler

Online-Händler sollten sich derzeit besser nicht auf die Zahlenspielereien der Verbände verlassen, sondern sich stattdessen an den Umsatzentwicklungen der führenden Online-Player orientieren, die nun allesamt öffentlich verfügbar sind:

Mehr zur Lage an der Zahlenfront auch in den Exchanges #39 ("Was bedeuten die Amazon-Zahlen für den Online-Handel?")

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Uncategorized

  1. Du vergleichst leider wieder einmal Zahlen, die sich nicht vergleichen lassen. Der BVH veröffentlicht Brutto-Zahlen (inkl. MwSt.), die Daten vom HDE sind netto (ohne MwSt.).
    Hintergrund ist die unterschiedliche Datenerhebung. Wenn du die Zahlen vom BVH exemplarisch einmal um 19 Prozent bereinigst, liegen die Werte der beiden Verbände für 2013 deutlich näher beieinander. Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und die unterschiedlichen Marktdaten im Detail verglichen: http://www.versandhausberater.de/branchennews/news/article/online-handel-marktvolumen-wohl-groesser-als-beziffert.html
    Verstehe das bitte als Hinweis und nicht als Kritik. Denn eine gewisse Detailtiefe erwarte ich durchaus von dir – gerade, weil du immer wieder öffentlich die angeblich oberflächlichen Berichte der Kollegen anprangerst.

  2. @Stephan
    Verlinkung auf Paid Content, oder mache ich etwas falsch?

  3. @Torsten: Leider nicht, das ist in der Tat Paid Content. Du kannst aber das Angebot 30 Tage ohne Kosten testen, wenn du Interesse hast.

  4. @Stephan:
    In dem von dir verlinkten Text wird die Datenqualität des HDE als „retourenbereinigt und inklusive MwSt.“ (abschließende Tabelle) angegeben. Auch in dem weiteren Text kann ich keinen Hinweis finden, der explizit sagt, dass der HDE seine Daten exkl. MWST ausweist.
    Kannst du diese Verwirrung etwas auflösen?

  5. @Stephan Danke für den Hinweis, aber im Beitrag gings mir gar nicht um einen Vergleich, sondern lediglich um die Frage, inwiefern die Zahlen in sich stimmig sind.
    Die Gegenüberstellung dient lediglich der Veranschaulichung der absurden Sprünge, die uns der bvh gerade als „Rekordwachstum“ verkaufen will. Wobei absurder als der „Wachstumssprung von 2012 auf 2013“ (der nicht mehr ist als eine statistische Korrektur) die daraus abgeleitete Prognose für 2014 ist.
    Der bvh lag in seinen Prognosen in den letzten Jahren jeweils soweit daneben, dass man es lieber bleiben lassen sollte als derlei irreführende Werte in die Welt zu setzen. Mir fehlt beim bvh einfach die Ernsthaftigkeit im Umgang mit Marktdaten. Und ich bin gespannt, ob die neuen Zahlen halten können, was sie versprechen.
    Ansonsten habe ich bei den bvh-Zahlen natürlich die inzwischen korrigierten, „steuerbereinigten Zahlen“ verwendet: http://www.bvh.info/zahlen-und-fakten/allgemeines/
    Ein Vergleich mit dem HDE macht aber natürlich trotzdem keinen Sinn.

  6. @Christian: Da hat sich jemand vertippt, als der Text ins Redaktionssystem geklopft wurde. Es muss retourenbereinigt und ohne MwSt. heißen. Vielen Dank für den Hinweis!
    Im Druck-PDF heißt es nämlich:
    Der BVH befragt Verbraucher, was und wieviel sie im Versandhan- del eingekauft haben. Damit handelt es sich bei den BVH-Zahlen um Brutto-Zahlen inklusive Mehrwertsteuer. So nennen Verbraucher bei der Befragung die Endkundenpreise, die sie für Ware bezahlt haben.
    Bereinigt man die BVH-Zahlen nun exemplarisch um 19 Prozent (wobei allerdings auch Bücher mit ermäßigtem Mehrwertsteuersatz gekauft wurden), so beträgt der Branchen-Umsatz nur noch 31,4 Mrd. Euro und liegt damit in etwa auf dem Niveau der HDE-Zahlen.
    Der Handelsverband befragt keine Verbraucher, sondern nimmt Umsätze von 1.500 Mitgliedsunternehmen als Datenbasis und validiert diese Angaben mit Daten aus Drittquellen.

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