K5 Depot 2025: Wo steht Amazon in 5 Jahren, wo in 10 Jahren?

Aus Wachstumssicht ist Amazon die klare Nr. 2 im K5 Depot für den Handel 2025. Doch so klar der Fall bei Zooplus war, so sehr stellt sich bei Amazon (wie auch bei allen anderen Wachstumskandidaten) die Frage, ob neben der Strategie nicht nur die Umsätze, sondern auch die Bewertung noch genügend Raum nach oben bietet.

Amazon hat 2014, einem in jeder Hinsicht bemerkenswerten Jahr („Best of Exchanges: Das Amazon-Jahr 2014“), enorme Stärke bewiesen – und gezeigt, dass es selbst Flops wie das Fire Phone („Amazon will trotz Rekordabschreibungen am Fire Phone festhalten“) problemlos verkraften kann.

Wie jedes smarte Handelsgeschäft (siehe Aldi zum Beispiel), das 20% und mehr im Jahr wachsen will, operiert Amazon nicht gewinn-, sondern cashflow-optimiert. Solange das Wachstum anhält, sei es aus eigener Kraft oder durch Zukäufe („Twitch: Amazon schnappt sich Videodienst für Gamer für $970 Mio.“), ist die Amazon-Welt vergleichsweise in Ordnung, immer vorausgesetzt, die operativen Kennzahlen stimmen.

Handelsseitig verweist Amazon 2014 auf seine Wachstumsambitionen in Indien („Why Amazon Is Pouring $2 Billion into India“) und in China.

Wieviel Gewinn könnte Amazon heute schon ausweisen?

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage: Wieviel Gewinn könnte Amazon heute schon ausweisen? Und rechtfertigt das eine Börsenbewertung von aktuell 143 Mrd. Dollar?

Oder anders gefragt: Wäre Amazon heute bereits in der Lage – entsprechend optimiert – die dafür erforderlichen 5 bis 10 Mrd. Dollar Gewinn auszuweisen (wenn man mal Walmart als Maßstab nimmt, das an der Börse mit dem 17-fachen des Gewinns bewertet wird)?

Prinzipiell folgen wir der These („Why Amazon Has No Profits (And Why It Works)“), dass Amazon kein (Online-)Händler im herkömmlichen Sinne ist, sondern ein Bündel von Unternehmungen, das schon heute zunehmend durch das Service-Geschäft getrieben ist.

amazon3pDieses ist 2014 um 40% auf 18,9 Mrd. Dollar gewachsen und ist damit in Ebay-Dimensionen vorgestoßen, das 2014 (incl. Paypal!) auf Umsatzerlöse von 17,9 Mrd. Dollar (+12%) gekommen ist.

Nun stellt sich die Frage: Sollte ein Amazon nicht in der Lage sein, sein Service-Geschäft – vom Marktplatz über die Payment- und Fulfillment-Services bis hin zur Werbevermarktung und den Amazon Web Services – mindestens so profitabel zu gestalten wie ein Ebay, das auf demselben Umsatzniveau zuletzt Gewinne von 3,5 Mrd. Euro eingefahren hat?

Speziell das Marktplatzgeschäft dürfte für Amazon – im Gegensatz zum preis- und margenanfälligen Handelsgeschäft – weiter eine Goldgrube sein, das rein umsatzgetrieben für sehr stabile und berechenbare (Provisions-)Erlöse sorgt.

Wo steht das Service-Geschäft in 5 Jahren?

Wenn sich Amazon so weiterentwickelt und die Service-Erlöse weiter 40% im Jahr wachsen, dürften sie die Handelsumsätze in 5 bis 7 Jahren übersteigen – mit der Aussicht auf eine Ver-x-fachung der Gewinne (defacto eine Verzehnfachung, aber das traut man sich kaum zu schreiben).

Zudem steht Amazon im Service-Bereich noch am Anfang: Selbst das schon vergleichsweise etablierte Marktplatzgeschäft (incl. Payment- und Fulfillment-Services) lässt sich noch erheblich ausbauen – von heute 40% auf mittelfristig einen Anteil von 75% bis 80% am Handelsgeschäft.

Bei weiter steigenden Gesamtumsätzen ist alleine hier mit einer Verdrei- bis Vervierfachung der (Service-)Erlöse zu rechnen. Zudem öffnet Amazon den Marktplatz zunehmend für die Vermittlung von Dienstleistungen („Amazon Services: Wie Amazon Handwerker einbinden will“).

Wären da noch die Amazon Web Services, die auf dem Weg sind zu einer der stärksten Sparten („Andy Jassy of Amazon Web Service (AWS) And His Trillion Dollar Cloud Ambition“) und künftig auch in den Geschäftsberichten als separates Business ausgewiesen werden sollen. Über die Attraktivität von Cloud-/SaaS-Modellen ist viel gesprochen worden.

Nicht vergessen sollte man das Mediengeschäft, das Amazon zunehmend vorantreibt – mit entsprechenden Werbeerlösen sowie Einnahmen aus den Kindle-Plattformen.

Kurzum: Amazon hat in all den Bereichen den Fuß in der Tür, die Markttreiber wie Google, Facebook und Apple heute so stark machen – und verfügt zudem über Streaming-Services, die Netflix & Co. den Rang streitig machen können.

Amazon macht sich gerne kleiner als es ist.

Man kann es auch andersherum sehen und sich die aktuelle Bewertung auf Basis des Umsatzes vergegenwärtigen. 40% des Handelsvolumens, sprich: das Handelsvolumen, das über den Marktplatz läuft, weist Amazon nicht explizit aus.

Entsprechend dürfte Amazons Außenumsatz 2014 statt bei knapp 90 Mrd. Dollar eher bei 135 Mrd. Dollar gelegen haben, was dann auch eine Bewertung von 143 Mrd. Dollar etwas relativiert. (Zur Orientierung: Der Ebay-Marktplatz kam 2014 auf 83 Mrd. Dollar).

Auf 5 bis 10 Jahressicht dürfte der Marktplatzanteil bei Amazon auf 70 bis 75% steigen, sodass die Außenumsätze gleich doppelt gehebelt werden.

Amazon profitiert von der Schwäche der anderen

Letztlich muss man sich allerdings gar nicht soviele Gedanken über die Substanz von Amazon machen. Denn Amazon profitiert im Online-Handel nicht zuletzt auch von der Schwäche der anderen.

Und hier ist auf Fünfjahressicht kaum ernster Wettbewerb in Sicht – und selbst wenn („Exchanges #51: Wie Amazon mit seinen Schwächen umgeht“), würde ihn Amazon frühzeitig aufkaufen (wie zuletzt Zappos, Diapers, Goodreads & Co.)

Dem traditionellen Handel fehlt online weiter die Phantasie für Markt und Möglichkeiten sowie der Blick für Amazons wunde Punkte. Zudem hängen Schwergewichte wie Walmart, Tesco oder die Metro-Gruppe zu sehr an ihren bestehenden Geschäften und Erlösmodellen.

Und Ebay, das einzige Online-Kaliber, das Amazon hätte gefährlich werden können, hat sich selbst aus dem Rennen geschossen („eBays verlorene Zukunft“).

Bliebe derzeit nur Alibaba. Hier wird man abwarten müssen, ob Alibaba auch außerhalb Chinas Fuß fassen kann („Extreme #4: Die Börsenmilliarden und die Folgen für die Branche“).

Welche Rolle spielt Amazon im Handel von morgen?

Man kann also davon ausgehen, dass Amazon auch in 5 bis 10 Jahren noch eine prägende Rolle im Handel spielen wird, seine heutigen Umsätze mindestens verdrei- oder vervierfachen kann und jenseits des Handelsgeschäfts sehr lukrative Geschäftsfelder aufbaut, die entweder für die nötigen Gewinne sorgen und/oder für reichlich neue Investitionen.

Aus unserer Sicht befindet sich Amazon derzeit an einem Wendepunkt, wo das Wachstum eher wieder zunehmen kann. Amazon hat gleich ein halbes Dutzend Businessbereiche, die in den kommenden Jahren abheben können. Wenn es nur zwei oder drei davon tun, wird Amazon in Umsatzdimensionen vordringen, die man sich heute so noch nicht vorstellen kann. Falls nicht, ist auf Fünfjahressicht nichtsdestotrotz mindestens eine Umsatz- und eine Kursverdopplung drin.

Amazon als Wachstumskandidat im K5 Depot

Amazon hat 2014 an der Börse enorm gelitten, nicht zuletzt auch wegen des Börsenhypes um Alibaba, sodass die Amazon-Bewertung Anfang 2015 auf dem Niveau von 2013 lag. Nicht zuletzt deshalb ist Amazon zusammen mit Zooplus („Warum Zooplus für uns die erste Wahl ist“) von Beginn an im K5 Depot für den Handel 2025.

Eine alternative Einschätzung zu Amazon gabs kürzlich beim Digitalkaufmann („Amazon – kaufen oder verkaufen?“). Weiterführende Einsichten und Erkenntnisse auch in den Exchanges („Best of Exchanges: Das Amazon-Jahr 2014“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Amazon, Shopboerse

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27 replies

  1. Guter Artikel! Sehr informativ und etwas mehr Background als bei den letzten. Weiter so Jochen!

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