Windeln.de wächst 46% in Q1 und senkt Jahresziel auf 235 Mio. €

Windeln.de hat seine Wachstumsziele für 2016 von 265 Mio. Euro (+50%) auf 235 Mio. Euro (+30%) gesenkt. Nach der Adhoc-Meldung („windeln.de passt Prognose für 2016 an“) von letzter Woche gab es heute zusätzliche Erläuterungen im Quartalsbericht und in der zugehörigen Präsentation (PDF).

Für Windeln.de rächt sich jetzt vor allem die starke Abhängigkeit vom China-Geschäft. Noch rechnet Windeln.de hier für 2016 mit stabilen Umsätzen von 91 Mio. Euro:

windelnde2016e

Auf das Europa-Geschäft entfallen entsprechend 144 Mio. Euro. Nicht zuletzt durch die Zukäufe getrieben („Windeln.de kauft Bebitus und holt 7 Mio. € Umsatz für 5 Mio. € Invest“) rechnet Windeln.de hier weiter mit einem Wachstum von 65%.

Im deutschsprachigen Raum ist Windeln.de im ersten Quartal um 25% gewachsen:

windelnde16Q1

Bedenklicher als die Einbrüche im China-Geschäft ist allerdings die missglückte ERP-Umstellung, die weiter für Unmut bei den Kundinnen sorgt:

windelndeerp

Zuletzt hatten entsprechende Umstellungen schon AmbienteDirect in Turbulenzen gestürzt („AmbienteDirect: Der Retter ist Anders Holch Povlsen“).

Nach derlei bösen Überraschungen hat Windeln.de das erste Jahr an der Börse mit einem Absturz sondersgleichen beendet – und ist nach der Umsatzkorrektur jetzt vor allem zu Sparmaßnahmen gezwungen.

Schon bisher vergleichsweise niedrig bewertet, ist Windeln.de – mit einem Börsenwert von knapp unter 150 Mio. Euro – inzwischen allerdings der mit Abstand am niedrigsten bewertete Anbieter im GLORE25 („GLORE25: Wo stehen die globalen Wachstumstreiber nach 6 Monaten?“), der als Branchenindex inzwischen 20 Unternehmen umfasst („GLORE25: Starttoday und Boohoo kommen neu in den Index“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:GLORE25, Shopboerse

13 replies

  1. Was sagst Du zu den Quartalszahlen?

    • was für Windeln.de spricht, habe ich schon im Beitrag geschrieben, alles andere spricht dagegen und ist Wasser auf die Mühlen der Skeptiker. Richtig schlimm werden die Zahlen für Q2, wenn die ganzen Effekte (China, ERP, Backlog, etc.) erst richtig zum Tragen kommen.

  2. Schön auch, wie das Management hier die nächste Nebelkerze zündet. Die Korrektur der Wachstumserwartung wird ja mit der Zollanhebung beim Import nach China Anfang April begründet. Die Zahlen zeigen ja aber, dass schon vor (!) dieser Zolländerung das Wachstum sich drastisch verlangsamt hat. In Q4 2015 waren es laut Jahresabschluss noch 64% im Chinageschäft, in Q1 2016 nur noch 11%. Da hätte eigentlich schon viel früher eine Warnung kommen müssen, spätestens mit der Veröffentlichung des Jahresabschluss 2015 am 17. März, in dem noch ein Wachstum von 50% für das Gesamtjahr kommuniziert wurde. Siehe auch Seite 3 der Jahresabschlusspräsentation.
    https://image.windeln.de/windeln/skin/frontend/lindgren/default/content_images/corporateImages/2015_Results_presentation_FINAL.pdf

    Das wird mit Sicherheit noch ein juristisches Nachspiel haben.

    Aus meiner Sicht sollte man ab sofort Windeln.de nur noch nach dem Europageschäft bewerten. Ohne China und die Akquisitionen gab es in Q1 nur noch 30% Wachstum.

    DACH: 15,4 => 19,2 Mio => +3,8 Mio/ +25%
    Rest of Europe ohne M&A: 0,6 => 1,57 Mio. => +0,97 Mio/+162%
    Total ohne CN/M&A: 16 => 20,77 Mio => +4,77 Mio/+30%

    Nur durch die Übernahmen verbessert sich das Wachstum auf 89% (+14,3 Mio). Ich vermute, die wussten schon letztes Jahr, dass China für die Wachstumsstory sehr bald wegbrechen wird und das organische Wachstum nicht ausreichen wird. Jetzt kann man eine schöne Erfolgsstory daraus machen und sich für „diversification of revenues“ loben, siehe Seite 6.
    https://image.windeln.de/windeln/skin/frontend/lindgren/default/content_images/corporateImages/Windeln_de_Q1_2016_Presentation_FINAL.PDF

    Wird daher noch sehr spannend, wie lange die Kohle reicht. Im ersten Quartal haben sie einschließlich M&A schon 13,4 Mio Euro Cash verbrannt. Ohne die Kreditlinie wären sie bei 75 Mio Euro liquiden Mitteln, nach fast 90 Mio Ende 2015. Wenn sie in dem Tempo weiter verbrennen, kommt spätestens Ende dieses Jahres eine Wandelanleihe oder eine Kapitalerhöhung.

    • Und damit bei der abgestürzten Bewertung zu einer massiven Verwässerung der bisherigen Aktionäre.

    • Gute Einschätzung. 2016 bleibt ein sehr kritisches Jahr für windeln.de. Warum man sich da auch noch eine ERP Umstellung „gegönnt“ hat, bleibt rätselhaft. Erfahrungsgemäß bedeutet das immer Prozesskonsolidierung und hat massive Auswirkungen auf das Wachstum. Ich rechne in 2016 mit -40 Mio. Euro, wodurch die Liquidität soweit abgeschmolzen ist, dass sich Anfang 2017 die Frage nach einer Finanzierung stellt. Das wird die Aktie weiter nach unten ziehen.
      Insgesamt sehe ich überhaupt nicht, wie man von der -15% EBIT Marge wegkommen will. Um in Umsatzgrößen wie zooplus (mit einem vergleichbaren Geschäftsmodell) zu wachsen, fehlt windeln.de die Zeit. Vorher droht die Insolvenz.

  3. Dieses Handelssegment operiert traditionell mit recht schwachen Margen, viel schwächeren als z.B. im Fashion Bereich. Da akkumuliert man schnell Verluste, trotz Umsatzwachstum. Und wenn dann noch Probleme mit dem ERP hinzukommen, die zu erhöhter Kundenunzufriedenheit (die Kundschaft in diesem Bereich ist extrem gut vernetzt) führen, dann droht eine Abwärtsspirale. Keine leichte Situation.

  4. Wer sich eingehender für Windeln.de interessiert, sollte sich durchaus auch den Analysten-Call gönnen: http://www.audio-webcast.com/cgi-bin/slideShow.ssp?fn=presentationOnline&netPid=3665&presentation_language=English

  5. Was macht eigentlich so der Rest des Marktes? Von Windeln.de hört man ja vergleichsweise häufig, aber wie sieht es eigentlich mit babymarkt & Co aus. Hat Windeln.de die schon alle im Sack und abgehängt?

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