Wie der stationäre Modehandel ums Überleben kämpft

Obwohl der BTE (Bundesverband des Textileinzelhandels) die Lage in den Innenstädten und Einkaufszentren zuletzt alles andere als rosig gemalt hat, ist es für den stationären Modehandel immer schlimmer gekommen als prognostiziert. In diesem Jahr hat der BTE seine Unterlagen schon gar nicht mehr online gestellt.

Wenn ein Wöhrl ein SinnLeffers von einer Insolvenz in die nächste führt, dann ist das irgendwie symptomatisch für den stationären Modehandel. Lieber bindet man sich noch einen Klotz ans Bein als sich endlich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und entweder online anzugreifen oder sich vom Markt zu verabschieden („Brand Eins: Wenn sich zwei über den Handel streiten“).

Stattdessen heißt die Devise vielerorts immer noch „Click & Collapse“. Profashionals rekapituliert einmal mehr die jüngsten Dramen im Modehandel:

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„Die Nachrichten dieser Woche sind alles in allem wenig erquicklich. Nach den ersten fünf Seiten legt man die TW frustriert beiseite: SinnLeffers insolvent. Wöhrls Kreditrating auf „CC, unbestimmt“ runtergestuft. Millionenverluste bei Wolford. Der Strenesse-Deal geplatzt. Filialschließungen und Entlassungen bei der insolventen Promod-Kette. Gerry Weber mit Gewinneinbruch. Selbst Primark verzeichnet Minus auf bestehender Fläche.“

Siehe auch, was bereits davor geschah („Die jüngsten Pleiten und Filialschließungen im Modehandel“). Auch „Der Handel“ widmet sich diese Woche dem Irrsinn im Textilhandel („Am seidenen Faden“).

Wenige in der Modebranche sprechen Klartext wie Holy Chef Marcel Braun (hier im Panel bei der Swiss E-Commerce Connect):

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„Der Online-Händler Zalando hat nur nahrhaften Boden gefunden, weil die großen Händler in Deutschland sich nicht früh genug digital auf die Socken gemacht haben.“

Der Handel befindet sich im Strukturwandel. Und Strukturwandel heißt nun mal, dass die einen die anderen ersetzen. Das ist bitter für den stationären Handel, der an seine teuren Läden gefesselt ist. Doch die Überlebenschancen sind gering für die, die sich nicht von ihren Fesseln befreien.

Die wortmächtigen Fürsprecher des stationären Handels sehen das natürlich anders, werden aber von den Realitäten zunehmend eingeholt und geraten so mit ihren kruden Thesen und vermeintlichen Erfolgsrezepten zunehmend unter Druck. Siehe auch die Exchanges #135 („Der Ruf des IFH/ECC Köln“).

Alexander Graf hat sich des Themas kürzlich auch in der Kassenzone angenommen („Auf der falschen Seite der Gleise“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Ultimondo

5 replies

  1. Sehe ich dito. Die meisten traditionellen Handelsunternehmen haben anscheinend immer noch nicht verstanden, dass es nicht genügt einen Digitalisierungsmanager einzustellen. Sondern tiefgreifende Änderungen in der Struktur und Denke notwendig sind, um dem Wandel bzw. veränderten Konsumentenverhalten Rechnung zu tragen.

    Dennoch glaube ich nicht, dass der stationäre Handel „sterben“ wird. Nur die aktuellen Akteure, werden wohl Platz für Neue machen müssen. Aber stationären Handel wird es auch in zehn Jahren noch geben. Dieser wird nur ganz anders aussehen. Vor allem deutlich datengetriebener, mit Online Playern als Impulsgeber?

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