Kann Idealo der Wandel zum Marktplatz-Player gelingen?

Als Preisvergleich hat Idealo seine besten Tage wohl hinter sich („Funktioniert der Geschäftsmodell-Liebling der 2000er heute noch?“) und versucht sich deshalb mit Hochdruck neu zu erfinden als Marktplatz für eine mobile Welt.

Wenn es gut läuft, dann könnte Idealo irgendwann einem Ebay den Rang ablaufen („Exchanges #162: Wer rettet Ebay (vor sich selbst)?“), das sich ebenfalls in der Orientierungskrise befindet („An Ebay geht der Online-Boom auch 2016 komplett vorbei“). Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg.

Aufgrund seiner Größe und Marktbedeutung hat Idealo gewisse Vorteile. Doch so gut es in der Optimierung und Weiterleitung des Traffics sein mag, so schwer tut sich auch Idealo, einen klaren Kundennutzen herauszustellen („Ricardo, Siroop und was die Schweizer online wirklich wollen“) und so an Relevanz bei den entscheidenden Zielgruppen zu gewinnen („Exchanges #159: Drei Generationen Vielbesteller“).

Grundsätzlich hat Idealo als Marktplatz-Player bessere Karten als Rakuten („Rakuten wächst auf 104 Mio. € und verliert Deutschlandchef“), das weit hinter den Erwartungen blieb, und einige andere, die zuletzt die Segel streichen mussten („Real schaltet Hitmeister ab und präsentiert sich komplett neu“).

Fraglich ist nur, ob Idealo als Marke auf Dauer stark und zugkräftig genug ist, um sich von Google & Co. zu emanzipieren.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse

6 replies

  1. Aus Shop-Sicht kann ich nur sagen: Hoffentlich nicht! Außer Idealo gibt es ja keinen ernsthaften Preisvergleicher mehr. Marktplätze halten auf Dauer die Kunden von meinem Shop fern und machen mir mit meinen eigenen Preisen Konkurrenz bei Google Shopping & Co. bzw. treiben die Preise hoch. Das ist jetzt nicht wirklich ein Zusatznutzen.

    Meine Meinung ist: Die müssen mehr in Bewertungen investieren, sofern das machbar ist. Ich kaufe eigentlich recht selten bei Amazon, starte aber häufig da meine Suche, einfach weil die teilweise sehr detaillierten Bewertungen (und insbesondere negativen Bewertungen) besser sind als jedes Stiftung Warentest.

    Aber mal sehen, was das EU-Urteil gegen Google bringt. Im Prinzip ist ja nicht die Höhe der Strafe das spannende, sondern wie Google jetzt reagiert und den Algorithmus anpasst. Ansonsten wird der nächste Schuss richtig weh tun.

  2. Gibt es andere Meinungen/Stimmen, wie sich das EU-Urteil auswirken wird? Und wie Google Shopping reagieren wird?

  3. Ich hatte zu dem Konstrukt PSM schon mal etwas ausführlicher was bei Alexander hinterlassen:
    https://www.kassenzone.de/2017/06/13/produktsuchmaschinen-funktioniert-der-geschaeftsmodell-liebling-der-2000er-heute-noch/#comment-18318

    Noch mal konkret zu Idealo:

    – PSM deren Kernkompetenz nur noch der Preisvergleich ist liefern für mich viel zu wenig Mehrwert als das eine Zukünftige relevanz gerechtfertigt wäre, eine Alternative sind Anbieter wie pcpartpicker.com aus meiner Branche die über den Preisvergleich auch die Auswahl verbessern (könnte ich mir auch für Modo und Co vorstellen!)
    – PSM sind noch stärker von Google und Co abhängig als das viele Händler sind, daher stelle ich mir die Frage woher da das zukünftige Wachstum und die neuen Kunden kommen sollen und in welcher Welt ein Anbieter wie Amazon oder Zalando probelme haben sollte nicht die Kunden besser und mit besserem ROI zu bespielen
    – Der Weg zur Plattform mit Idealo Direktkauf hat für mich aus Händler Sicht keinen Mehrwert, die Händler die bis jetzt auf den Zug gesprungen sind holen sich gerade einfach aus jeder Ecke jeden Euro Umsatz weil sie selber nicht verstehen wie wichtig Kundenzugang und Daten sind. Die Shops sind aber selber eh in der Gefahr obsolet zu werden und werden den Abwärtstrend wohl kaum stoppen

  4. Diese Marktplatzdiskussion ist mir viel zu sehr aus technischer Sicht und Perspektive der anbietenden Shops gedacht. Viel wichtiger ist doch die Frage, was der Kunde erwarten kann. Und da bietet Idealo einfach zu wenig.
    – Das Sortiment ist per definitionem nicht exklusiv, da man es im Zweifelsfall in den eigenen Shops der jeweiligen Anbieter findet. Außerdem ist es sehr einseitig auf Elektronik ausgerichtet.
    – Convenience ist nicht standardisiert, bspw. gleiche Lieferzeiten für alle Shops, einheitliches Bestelltracking, Retoure in einem einzige Paket etc
    – Die angebotenen Produktinformationen beschränken sich auf das, was die jeweiligen Shops einstellen. Unzureichende Bewertungen sind aus meiner Sicht der wichtigste Punkt.

    Der größte Mehrwert aus Kundensicht ist die Darstellung der historischen Preisentwicklung und die Möglichkeit, für Schwellenwerte einen Alarm einzustellen. Aber ob das reicht, um auf Dauer eine attraktive consumer destination zu bauen?

  5. Ansonsten: Mehr „Beratung“:
    PSM holen die Nutzer meist in der letzten Kaufentscheindungsphase ab, d.h. wenn sie ziemlich genau wissen, was sie wollen (Samsung Galaxy Tab A T580 usw.) und nur noch die günstigste Bezugsquelle suchen. Daher auch die extrem hohen Konversionsraten, denn wer den besten Preis hat, erfüllt die wichtigsten Kriterien „Hat das Produkt“ und „Hat den besten Preis“.

    Aber man halt muss exakt wissen, was man will, Beratung ist fast null. Anfragen wie „Ich suche ein Tablet mit einer CPU mindestens so schnell wie … und einer Displayauflösung von mindestens … und maximal … teuer, beantwortet kaum einer. Selbst Amazon erlaubt nur sehr begrenzte Abfragen, die das Ganze mühselig machen.. Man kann z.B. bei Tablets nach der Auflösung filtern, aber immer nur nach einer einzigen Auflösung und nicht in Bereichen.

    Idealo hat ja eine Menge Produktdaten, aber sie nutzen sie eher für Beschreibung und weniger für effiziente Suchen ala Google Knowledge Graph. Bei CPUs könnte man im Prinzip sogar eine Benchmark-Datenbank hinterlegen, die CPUs findet „so schnell wie oder schneller“ usw. Das Ganze dann am besten gekoppelt mit (guten!) Online-Ratgebern, wie Thomann sie hat, die einem sagen, worauf man achten sollte. Nicht der billige Kram, der für ein paar Cent bei Textbroker & Co. von irgendwelchen Praktikanten zusammen kopiert worden ist, sondern gut gemachtes Material von Leuten, die wissen, wovon sie schreiben.

    Ist teuer, ja, aber es braucht ja keine 100%-Abdeckung, sondern sondern Konzentration auf die wichtigsten Kategorien, für die besonders viele strukturierte Daten vorliegen. Die grundlegenden Weisheiten sind ja meist zeitlos gültig, d.h. was ein gutes Mikrofon ausmacht, hat Thomann schon vor Jahren mal aufgeschrieben, was ggfs. angepasst werden muss, sind höchstens mal technische Details, weil sich die Technik entwickelt hat und sich Bauteile gebessert haben.

    Jetzt ist Idealo noch groß genug, um das zu wuppen und das Schöne ist ja, dass sich der Content und die Tools recht schnell übersetzen und international einsetzen lassen.

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