Samwer Report: Der große (Aus-)Verkauf bei Rocket Internet

Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Im Ausverkaufsmodus macht Rocket Internet gerade Kasse, wo es geht. Erst Lazada an Alibaba, jetzt ein großes Delivery Hero Paket an Naspers. Dazu noch die Bündelungen (siehe Jumia) und der Verkauf vieler kleinerer Beteiligungen (zuletzt u.a. Plinga).

Nach dem überraschenden Verkauf von Glossybox („Auch Glossybox geht an The Hut Group nach England“) wäre jetzt im E-Commerce noch Folgendes im Angebot: 53% an Hellofresh, 41% an Home24, 32% an Westwing und 21% an der Global Fashion Group.

Noch weiß man nicht, bis wann Rocket sein Portfolio bereinigt haben will und ob es sich für potentielle Käufer lohnt, bei den aufgeführten Unternehmen auf sinkende Preise und Bewertungen zu warten. Offen auch, ob sich Rocket Internet im Zuge der Restrukturierung am Ende selber zur Disposition stellt.

Relevante Neugründungen und größere Beteiligungen gab es bei Rocket zuletzt kaum noch. Entsprechend bitter die Bilanz bei den New Businesses. Zu den großen Enttäuschungen zählte laut Halbjahresbericht (PDF) nicht nur Carspring:

„Im ersten Halbjahr 2017 ist bei den New Businesses bedingt durch die Entkonsolidierung von Tochtergesellschaften (wie z. B. La Nevera Roja, Clickbus Brasilien, Somuchmore, Spotcap, Bonnyprints, Vaniday, Pizzabo, ZipJet, Bonativo, SpaceWays) ein Umsatzrückgang zu verzeichnen.

Die Umsatzerlöse aus sonstigen Dienstleistungen bestehen zum Großteil aus Erlösen aus der Erbringung von Beratungsleistungen an Netzwerkunternehmen. Der Rückgang resultiert im Wesentlichen aus der Übertragung von Funktionen und dem Wechsel der Mitarbeiter von Rocket Internet zu nicht konsolidierten Netzwerkgesellschaften sowie aus Veräußerung, Einstellung oder Verringerung der Geschäftsaktivitäten von nicht konsolidierten Netzwerkgesellschaften.“

„Die Anzahl der vollkonsolidierten Unternehmen ist deshalb, anders als im zusammengefassten Lagebericht 2016 für das gesamte Jahr 2017 prognostiziert, nicht stabil geblieben, sondern von 125 um 17 % auf 104 gesunken.“

Nachdem der CTO zu Delivery Hero gewechselt ist, gingen im Tech-Bereich die Rocket Labs an die Global Fashion Group. Und auch von Sparks42 hat man sich getrennt.

Während Rocket Internet das Company-Building auf ein Mindestmaß zurückfährt, gibt es beim VC-Geschäft mehr Gas denn je. So kommt Global Founders Capital (GFC) im Schnitt auf ein neues und ein Folge-Investment pro Woche und investiert zunehmend auch in den USA:

„Im ersten Halbjahr 2017 wurden bei den GFC Investments 25 neue sowie 28 Folgeinvestitionen getätigt.

Es ist auch eine wachsende Anzahl von GFC Investments in den Vereinigten Staaten zu verzeichnen. Im ersten Halbjahr 2017 hat der Konzern in neun neue US Gesellschaften investiert und bei weiteren vier Folgeinvestitionen getätigt.“

Zum Vorgehen siehe ein paar Beispiele aus dem vergangenen Jahr („GFC vs. Rocket Internet Capital Partners: Wie passen Rockets Fonds zusammen?“). Letzte Woche hat man u.a. in Soul Zen investiert („Rocket Internet beteiligt sich an Onlineshop für Yoga-Zubehör“).

Im Halbjahresbericht (PDF) korrigiert Rocket Internet viele der Aussagen und Prognosen aus dem Jahresbericht (Stichwort: „nicht eingetreten“), hält sich über die neue strategische Ausrichtung hin zum reinen VC aber weiter bedeckt.

In manchen Passagen hat man das Gefühl, als ob sich die Autoren des Halbjahresberichts über so manchen Quatsch aus dem Jahresbericht selber amüsieren.

Mit Rocket Internet haben wir uns zuletzt in den Exchanges #169 („Rocket Internet vs. Project A Ventures“) befasst. Siehe auch Die Rocket-Zahlen für Home24 (+7%) und Westwing (+4%) im 1. Halbjahr.

Marc Samwer hat Global Founders Capital diese Woche auf der Bits & Pretzels (re-)präsentiert („So geht Unternehmensführung auf die harte Tour“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Samwer Report, Shopboerse

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