Douglas und der Kampf mit dem Strukturwandel 2018/19

Ganz so wie Media Saturn („Media Saturn im Weihnachtsquartal bestenfalls auf Vorjahr“) sträubt sich auch Douglas weiter mit aller Kraft gegen den Strukturwandel – oder wie es die Douglas-Chefin in ihrem Jahresrückblick zum Ausdruck bringt („Jahr des Umbaus“):

„Je weniger Menschen durch die Innenstädte flanieren und je mehr stattdessen online ihren Einkaufskorb füllen, desto stärker müssen wir uns etwas einfallen lassen, um für unsere Kunden auch im stationären Geschäft attraktiv zu bleiben.“

Angesichts solch einer Logik muss einen nichts mehr wundern:

„Als Handelsunternehmen können wir den Frequenzrückgang in den Innenstädten nicht schulterzuckend hinnehmen und uns ausschließlich auf unser erfolgreiches E-Commerce-Geschäft fokussieren.“

Nicht? Niemand hört das vermutlich lieber als Flaconi („Wo steht Flaconi jetzt im Wettbewerb mit Douglas & Co.?“) oder aber die Hut Group, die jetzt mit ihrem neuen Lager auch hierzulande angreifen will.

Zwar hat Douglas unlängst Parfumdreams übernommen („Douglas hat Parfumdreams beim Kauf mit 65 Mio. € bewertet“). Aber das reicht nur für einen Nebensatz. Die Prioritäten von Douglas liegen auch 2018/19 definitiv woanders.

Mehr zum Thema auch in den Exchanges #181 („Douglas vs. The Hut Group“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse

  1. Ja, das ist schon etwas schizophren. Wenn man der Überzeugung ist, dass man dem Online-Handel etwas entgegen setzen will, was durchaus auch zu einem Erfolgsrezept werden könnte, dann muss man sich genau darauf konzentrieren und muss jeden Euro dort investieren. Oder man macht Online. Beides halb wird nicht funktionieren.

  2. Ich sehe das bei Douglas etwas anders. Douglas investiert durchaus sehr stark in den E-Commerce. Hier geht es allerdings bei vielen Produkten ums riechen, anschauen (MakeUp Hautton), testen. Ich wüsste nicht wie das online realisiert werden soll. Außer man retourniert alle Artikel wieder im ausprobierten Zustand. Von daher macht hier eine MultiChannel Strategie durchaus Sinn. Gerade der Großteil der weiblichen Kundschaft geht sehr gern durch die Stores und liebt es verschiedene Sachen auszuprobieren und zu entdecken. Man muss nur in einen DM-Markt gehen um das zu sehen und zu verstehen. Für andere Argumente bin ich natürlich gerne offen :)

    • Mag sein, aber Fakt ist halt, dass die Frequenzen in den Stores abnehmen und die Online-Bestellungen zunehmen. Zum Riechen und Testen hat die Hut Group ja nicht ohne Grund Glossybox übernommen und setzt eher auf Spas statt Stores.

      • Natürlich ist das Fakt. Allerdings muss man ja gerade einen Duft irgendwie riechen bevor man ihn bestellt. Das macht man wahrscheinlich vor Ort in einem Store oder durch Freunde Bekannte. Die abnehmende Frequenz ist ein Phänomen der durch die Online Vorzüge immer mehr fauler und bequemer werdenden Gesellschaft. Die Misere sieht man an der Logistikbranche. Es ist eine Gratis Mentalität entstanden deren Druck die Logistikunternehmen kaum noch standhalten können. Ich würde fast behaupten dass die Wertschätzung über den Transport eines Paketes verloren gegangen ist. Das wird mittlerweile als ein kostenloser Service angesehen. Was aber für ein Aufwand und auch Arbeit dahinter steckt sieht niemand. Es wird zwar immer wieder nach neuen Wegen gesucht, fakt ist aber dass niemand kostenlos für die Kunden die Pakete zustellen wird. Es wird m.M.n. nur den Weg geben, dass man sich in der Mitte trifft, d.h. der Kunde holt seine Pakete in einem Store oder einer Abholstation ab. Auch wenn z.B. Amazon eine eigene Logistik aufbaut ist das wieder ein neuer Kostenfaktor, der nichts am eigentlichen Problem ändert.

        Zu Glossybox: das ist in meinen Augen das gleiche Modell wie MamiBox

      • Ja, das kann man alles bedauern und beklagen (nichts dagegen einzuwenden). Aber nüchtern betrachtet ist Strukturwandel halt Strukturwandel. Und wenn sich Branchenstrukturen wandeln, gilt es sich eben – wohl oder übel – darauf einzustellen. Genau das machen Douglas & Co. nicht. Bedauerlicherweise, wie ich finde.

  3. Dem Punkt von Thomas gebe ich auch recht, dass der Kunde die Verschiedenen Düfte ausprobieren und riechen will. Aber das Argument gilt eher für neue Düfte. Ich sage jetzt einfach mal, dass bestimmt 80% der Kunden nicht auf der Suche nach einem neuen Duft sind, sondern genau wissen welchen sie möchten. Zumindest Männer wechseln Ihre Düfte und Deos eher selten – Das ist meine Empfindung und beruht auf keiner Statistik :-)

    Meine Eltern tragen ihre Düfte schon seid Jahrzehnten und haben nie gewechselt. Er bestellt mittlerweile auch Online.
    D.h Douglas muss es schaffen, dass auch die „ich kauf eh immer das gleiche“ Kunden ebenso bei Ihnen online kaufen und nicht bei Flaconi & co.

    • Ok, aus Sicht der älteren Generation bzw. Männern habe ich das nicht unbedingt festgemacht :) Aber wie gesagt, ich bin gern für neue Argumente offen. Meiner Meinung nach sind die Produkte von Douglas allerdings gut für eine MultiChannel Strategie geeignet. Vorausgesetzt allerdings, dass die Preise online sowie offline gleich sind. Im Endeffekt muss man sich allerdings nach den Kunden richten. Wenn diese lieber online kaufen möchten, sollte und muss man da als Unternehmen auch reagieren. Aber das tut Douglas meiner Meinung nach auch. Und so lange eine Filiale läuft, wird man sich immer mit einer Schließung schwer tun, das ist Fakt.

      • Wie Jochen schon schrieb, kann man das „Testen“ mit kostenlosen Proben erschlagen, was Douglas ja schon immer in Zeitschriftenbeilegern macht und ich würde wetten, dass ein sehr großer Teil von Kunden in einen Douglas-Laden kommt / kam, der genau weiss, was er kaufen will. Und das kann er jetzt schneller und bequemer (oft auch günstiger) online.
        Die Beobachtung bleibt, Frequenz in den Läden geht zurück (Kosten bleiben), online wächst (neue Kosten kommen dazu). Der Gesamtumsatz aus beiden Kanälen steigt aber nicht, nur die Kosten.
        Wie lange geht sowas gut? In diesem Dilemma sind alle stationären Handelsketten und einige sind bereits schon von der Bildfläche verschwunden. Und viele weitere werden folgen, weil sie alle den Fehler machen, sich nicht zu entscheiden. Offline und Online gleichzeitig funktioniert nur dann, wenn durch beides viel mehr Umsatz kommt als vorher. Wenn man mit Online aber nur die Offline Verluste kompensieren kann, dann funktioniert das nicht.

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