Während sich der Handel und seine Verbände hierzulande weiter vornehmlich um vitale Innenstädte bemühen, schafft China mit Hochdruck die globalen Standards und Strukturen für den Online-Handel von morgen.
Nach 10 Jahren Belt and Road Initiative und dem explosiven E-Commerce-Wachstum der letzten Jahre steht für China jetzt die Silk Road E-Commerce weit oben auf der Agenda:

„Supporting an open world economy. China will establish pilot zones for Silk Road e-commerce cooperation, enter into free trade agreements and investment protection treaties with more countries. China will remove all restrictions on foreign investment access in the manufacturing sector.
In light of international high-standard economic and trade rules, China will further advance high-standard opening up in cross-border service trade and investment, expand market access for digital and other products, and deepen reform in areas including the state-owned enterprises, digital economy, intellectual property and government procurement.
China will hold the Global Digital Trade Expo annually.“
Shanghai wird zur ersten Pilot-Zone für die Silk Road E-Commerce
Als eines der großen Drehkreuze ist seit Herbst Shanghai Chinas erste Pilot-Zone für die Silk Road E-Commerce Offensive. Die zugehörige Broschüre erläutert, worum es dabei geht und warum sich Shanghai für bestens geeignet hält:
„Shanghai is home to 9 e-commerce platforms with a transaction volume of over 100 billion RMB and 17 platforms with a transaction volume of over 10 billion RMB.
In 2023, the e-commerce tansaction volume soared to 3.73 trillion RMB, reflecting an impressive year-on-year growth of 11.7%, firmly establishing Shanghai among the nation’s leading cities.
in 2023, the cross-border e-commerce transaction volume amounted to 262.4 billion RMB, marking a 42.5% year-on-year increase.
174 countries and regions became sources of import, and 226 countries and regions were destinations of export.“
Ziel der Pilotzone ist es, die Strukturen und Prozesse für den globalen Online-Handel von und nach China stark zu vereinfachen. China strebt Erleichterungen bei der Zollkontrolle, beim Datenaustausch und in den Lieferprozessen an. So sollen vor allem kleine und mittlere Anbieter bei der internationalen Expansion unterstützt werden – mit Kapital, Schulungen und mehr.
Zu der Fülle von Initiativen zählt die „Silk Road E-Commerce International Think-Tank Alliance“, zu deren 30 Gründungsmitgliedern u.a. PDD Holdings (Temu) gehört, ebenso wie die „Silk Road E-Commerce Overseas Warehouse Service Alliance“.
Wie weit ist die Belt and Road Initiative in 10 Jahren gekommen?
Um ein Gefühl für die Dynamik zu bekommen, hilft es, sich vor Augen zu führen, wie weit China mit seinen Initiativen rund um die neue Seidenstraße in den letzten 10 Jahren gekommen ist.
Neben den Hafenzugängen von COSCO Shipping sind aus europäischer Sicht vor allem die Zugstrecken von Europa nach China bemerkenswert.
Bei zuletzt 17.523 Zügen im Jahr fährt heute im Schnitt jede Stunde jeweils ein Frachtzug von und nach China und verkürzt die Transportzeit dabei im Vergleich zum Seeweg um die Hälfte auf zwei bis drei Wochen.
Für Deutschland bietet CR Express inzwischen nicht mehr nur (Direkt-)Verbindungen von/nach Duisburg, sondern auch nach Neuss, Mannheim, Hamburg und Nürnberg an.
Wer tiefer ins Thema „Silk Road E-Commerce“ einsteigen will, nutzt am besten die Links im Beitrag.
Beiträge zum Thema:
- China ermuntert Shemu & Co. zum Bau von Überseelagern
- Wie AliExpress mit Choice Temu und Shein nacheifert
- Wie(so) entstehen gerade so schnell so viele große neue E-Commerce-Player?
- Die 2024er-Ziele von Temu (+233%), TikTok Shop (+150%) und Shein (+40%)
- Weltweit in 3 Tagen: Alibabas Ambitionen für die Logistik
- Wie AliExpress seine Logistikstrukturen für Europa aufbaut
- China als global agierendes Wachstumsunternehmen
- E-Commerce vs. Logistik – im IWML Logistik Podcast #228
- Exchanges #350: Wie ticken die neuen 100-Milliarden-Player?
- Exchanges #345: Mehr als Shemu – Die Top 5 aus China
- Exchanges #341: Was bringt TikTok Shop?



Das wäre wirklich ein spannendes Thema für einen Podcast. Wir sollten die Angelegenheit strategisch und langfristig betrachten, insbesondere vor dem Hintergrund der Bemühungen der westlichen Staaten, den grenzüberschreitenden Handel zu kontrollieren, während China versucht, mögliche Schlupflöcher auszunutzen.
die Exchanges dazu erscheinen vsl. morgen
Interessanterweise ist das Thema eine Ergänzung für alle BRI Staaten, zu denen in Westeuropa nur Portugal gehört, wenn ich das richtig sehe.