Buch/Handel 2020: Die strukturellen Veränderungspotenziale von Kindle Unlimited

Mit Kindle Unlimited hat Amazon in den USA seinen lange erwarteten E-Book-Streaming-Dienst gestartet (siehe dazu die Pressemitteilung). Wie Techcrunch herausstreicht, bleiben die „Big Five“ der Verlagsbranche dem Service zunächst fern, doch kommt Kindle Unlimited auch so auf umfassendes Angebot von mehr als 600.000 Titeln.

Inzwischen gibt es ein breites Echo auf den neuen Amazon-Dienst: so diskutiert Good eReader, was Kindle Unlimited für Indie-Autoren bedeutet, liefert das Börsenblatt eine Einordnung aus deutscher Branchensicht und zieht der Guardian treffende Parallelen zur Musikbranche.

Einer der besten Kommentare kommt einmal mehr von Joe Wikert, der die strukturellen Veränderungspotenziale von Kindle Unlimited herausstreicht:

„3. Pioneering startups [like Oyster and Scribd] are now on borrowed time: (…) I figure both of them have about 18 months to either come up with a unique value proposition or fade away.

4. Publisher financial models will evolve: The business models vary among the providers and some publishers are undoubtedly getting better terms than others. (…) Publishers need to remember that once the Kindle Unlimited platform gains traction Amazon will do what they always do, renegotiating so publishers receive less and Amazon keeps a bigger piece of the revenue pie.

5. Publishers can control their own destinies: (…) Just because they’re concerned about Amazon doesn’t mean they should avoid the all-you-can-read subscription model.“

Neue Vertriebsmodelle

BitLit: Das Print/E-Book-Bundling-Modell von BitLit, auf das wir bereits hingewiesen haben, erhält durch ein Pilotprojekt mit HarperCollins verstärkte Relevanz. Ein umfangreiches Update dazu und zu weiteren Entwicklungen bei BitLit liefert Futurebook.

Facebook testet einen neuen „Buy it Now“-Button und wird es damit bald ermöglichen, auch E-Books direkt von Verlagen oder Selfpublishern zu kaufen. (via Good eReader)

Bittorrent: Anlässlich der Aktivitäten von Bestseller-Autor Tim Ferriss hatten wir bereits über Bittorrent als Vertriebsplattform für E-Books berichtet („Umbrüche im Buchmarkt: The Future of Digital Distribution“). Inzwischen adressiert das P2P-Netzwerk mit dem Service „BitTorrent Bundle for publishers“ gezielt Content-Anbieter – und bietet damit nach Ansicht von Good eReader auch Verlagen eine gute Chance:

„Publishers on the other hand, have not thrown done on the system yet, but some are in a prime position to make it work. (…) Digital book sellers have been disappearing in the last few years and major publishers are trying to find away from exclusively relying on Amazon to distribute their books.“

Discoverability

TheReadingRoom: Die australische Lese-Community TheReadingRoom hat in ihrer Heimat bereits über 1,2 Millionen Mitglieder und treibt mit einer Verlagerung des Hauptquartiers nach New York die internationale Expansion voran. Vom Wettbewerb unterscheidet sich TheReadingRoom u.a. durch eine Schwerpunktsetzung auf kuratierte Inhalte. (via Publishers Weekly)

BookLikes: Vom Goodreads-Klon hat sich die polnische Buch-Community BookLikes zum „Tumblr für Bücher“ entwickelt. Das blog-basierte Modell bietet auch Autoren interessante Möglichkeiten zum Aufbau einer Fan-Basis. (via Buchmesse-Blog)

Mehr zum Thema auch in den K5 Topics („Discoverability im E-Commerce“).

Selfpublishing

Author Earnings: Laut der dritten Ausgabe des von Star-Selfpublisher Hugh Howey initiierten Author Earning Reports sind Indie-Autoren inzwischen für 31 Prozent der E-Book-Verkäufe bei Amazon verantwortlich und verdienen damit mehr Tantiemen als die „Big Five“. Doch gibt es auch Skepsis an der Methodik und Zielrichtung des Selfpublisher-Reports, so der Guardian.

Kindle Singles: Der etablierte britische Schriftsteller D. J. Taylor hat eine unveröffentlichte Novelle als Kindle Single veröffentlicht. Taylor berichtet nicht nur über seine Erfahrungen mit dem digitalen Kurzformat, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die Aktivitäten von Amazon im „ernsthafteren“ Literaturbereich. (via The Observer)

Unter der Rubrik Buch/Handel 2020 bringen wir jede Woche das Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche („Buchlos in die Zukunft“).

Die Rubrik gibt es auch als Feed und als E-Mail-Newsletter.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

3 replies

  1. Kurzer Hinweis: Über den Sinn und Unsinn von Kindle Unlimited wird gerade auf The Awl diskutiert:

    http://www.theawl.com/2014/07/seriously-fuck-you-kindle-unlimited

    Hintergrund: Die Autorin vermutet, dass unter den angepriesenen 600.000 Titeln auch viele sein werden, die man auch sonst völlig gratis bekommen könnte (Gutenberg & Co.).

    • Danke für den Hinweis!

      Ist aber nicht wirklich überraschend – ein Großteil der 600.000 Titel von Kindle Unlimited sind Selfpublishing-Veröffentlichungen, die entweder bei Amazon oder anderen Indie-Portalen wie z.B. Smashwords erschienen sind. Und davon entfällt wieder ein nicht unbeträchtlicher Teil auf gemeinfreie Titel, wie sie z.B. der notorisch auf Public Domina setzende Null-Papier-Verlag (siehe dazu: http://www.e-book-news.de/pro-monat-setze-ich-rund-30-000-e-books-ab-interview-mit-jurgen-schulze-null-papier-verlag/) anbietet.

      Das ist bei anderen Streaming-Diensten wie Oyster und Scribd nicht anders. Entscheidend wird sein, welche Fortschritte Amazon bei den aktuellen Bestseller-Titeln macht. Hier hat Kindle Unlimited bereits Harry Potter und Hunger Games, aber eben noch keine Big-Five-Blockbuster wie z.B. Inferno oder The Goldfinch.

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