Neckermann geht komplett an Sun Capital Partners

Selbst die tollsten Jubelmeldungen der vergangenen Monate haben nichts genutzt und keine neuen Investoren für Neckermann begeistern können.

Deshalb muss nun doch Mehrheitseigner Sun Capital Partners (s. Die Totengräber des deutschen Versandhandels) ran und auch die restlichen Anteile übernehmen:

"Wie der US-Finanzinvestor am Freitag mitteilte, hat die europäische Konzerntochter den noch fehlenden Anteil von 49 Prozent an dem traditionsreichen Versandhaus aus der Insolvenzmasse des Arcandor-Konzerns erworben.

Sun Capital ist auf die Übernahme angeschlagener Firmen spezialisiert. Geldgeber sind unter anderem Pensionsfonds, Stiftungen und finanzstarke Privatiers. Mit dem eingesammelten Kapital kauft Sun Capital angeschlagene Firmen und packt sie in Fonds."

In dieser Woche wurden die desaströsen Geschäftszahlen für 2009 für Neckermann Österreich publik. Für Deutschland sind bisher nur die 2008er-Zahlen bekannt. Der Rest ist das hinlänglich bekannte PR-Gedöns ("wettbewerbsfähig", "schwarze Null", "zwei Drittel des Umsatzes im Internet", etc.).

Neckermann ist heute fachlich wahrscheinlich so gut aufgestellt wie lange nicht mehr, leidet allerdings an den technischen (Fehl-)Entscheidungen der letzten Jahre, die Neckermann in seiner Handlungsfähigkeit beschränken.

So wurde die Technik komplett ausgelagert. Seinen neuen CIO hat Neckermann nach nur einem Jahr wieder ziehen lassen. Und auch die handstreichartig eingeführte Demandware-Lösung steht wohl wieder auf dem Prüfstand. In der Schweiz setzt Neckermann seit März auf Oxid.

Im Prinzip hat Neckermann die Otto-Probleme hoch 3 und in der aktuellen Verfassung keine wirkliche Perspektive. Aber wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass Neckermann eine Quelle überleben kann. Man kann gespannt sein, ob die neue Strategie aufgeht und Neckermann sich so weiter über die Zeit retten kann.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse, Ultimondo

  1. Aber Neckermann lief doch eigentlich immer ganz gut?

  2. Wer sagt, dass Neckermann „eigentlich immer ganz gut lief“?
    Wären Sie schon immer gut gelaufen, hätte Neckermann sicherlich nicht manchen Irrweg beschritten, der sie um ein Haar ins gleiche Schicksal wie Quelle geführt hätte.
    Die Irrwege setzen sich seit einigen Jahren weiter fort. Z.B., den klassischen Neckermann-Kunden vor den Kopf zu stossen und innerhalb kurzer Zeit zur Internet-Company mutieren zu wollen, bringt zwar neue Zielgruppen, erodiert aber den Markenkern.
    Fazit: Deckungsbeiträge gehen in den Keller, da overhead-Kosten nicht (über)proportional zu EBIT-Vorgaben abgebaut werden können. Dafür sind immer noch zuviele Altlasten an Bord. Trotz eines respektablen Kostenabbaus der vergangenen Jahre.
    Indiz für diese Thesen? Der Mangel an Investoren, die bereit gewesen wären dieses Roulette mitzuspielen. Als ob SC wirklich freiwillig die restlichen 49% übernomen hätte ;-)

  3. Dumme Frage: Wer sagt denn, daß SC einen weiteren Investor an Bord haben wollte? Aber ich verstehe nichts von diesen Dingen….
    Ansonsten: Wirklich innovative Interpretationen. darauf muß man erstmal kommen….:-)

Trackbacks

  1. Weltbild geht an Paragon wie einst Neckermann an Sun Capital « Exciting Commerce

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