SEO: Denn sie wissen (immer noch) nicht, was sie tun

Über die Mündigkeit des Online-Handels in Sachen Internet kann man lang und leidenschaftlich debattieren. Die tägliche Realität zeigt aber immer wieder, wie ahnungslos sich viele immer noch im Online-Sumpf bewegen.

Wieviele Online-Händler wissen eigentlich, was sie tun, wenn sie eine SEO-Agentur mit der Suchmaschinen-"Optimierung", also der mutwilligen Manipulation der Suchergebnisse bei Google & Co beauftragen? Die Unbedarftheit bei derlei essentiellen Themen ist immer wieder frappierend:

"Gegenüber MEEDIA beteuerten mehrere der in der Keywordliste genannten Firmen, nichts von den Linkkäufen gewusst zu haben.

Sie hätten eine SEO-Agentur mit der Suchmaschinenoptimierung ihrer Webseiten beauftragt und seien nicht im Detail über deren Vorgehen informiert gewesen."

Laut Branchen-PR geht ohne SEO/SEM gar nichts im Internet. Über die Methoden, sprich die Risiken und Nebenwirkungen, wird seltenst aufgeklärt. Dass beim Linkbuilding bezahlte Links zum Standardrepertoire gehören, und dass die Bezahlung inzwischen auch gerne gegen Vorkasse erfolgt (was so einiges über die Zahlungsmoral der SEO-Branche aussagt), sollte zum Grundwissen des mündigen Online-Händlers gehören.

Nur, wer klärt ihn darüber auf? Die SEO-Experten sicherlich nicht. Und auch in der Fachpresse werden SEO-Experten, die sich oftmals am Rande des moralisch vertretbaren bewegen, lieber zu Gurus stilisiert, anstatt über die Hintergründe und Methoden aufzuklären.

Exciting Commerce weist im Rahmen der Google-Debatte seit Jahr und Tag auf die Gefahren zu hoher Google-Abhängigkeit hin, stellt alternative Ansätze vor (s. Marketing für Fortgeschrittene), und zeigt, wie man im E-Commerce auch weitgehend ohne SEO ein Milliardenunternehmen aufbauen kann.

Aufgabe von Branchen- und Pressevertretern wäre es, sich nicht zu sehr von der Internetwirtschaft einlullen zu lassen (siehe bvh vs. BVDW), bestimmte Themen/Praktiken auch mal in Frage zu stellen, seriöse Perspektiven aufzuzeigen und dem Online-Handel zwar zu verdeutlichen, wie wichtig (natürliche!) Verlinkungen sind. Wer allerdings nicht bereit ist, sich in dieser Beziehung webkonform zu verhalten und (von sich aus!) gut und gerne zu verlinken, der dürfte auf Dauer auch mit den üblichen SEO-Tricks wenig Perspektiven haben im Internet.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Uncategorized

  1. Dass die SEO Agenturen jeden möglichen Weg zur Optimierung bzw. Zielerreichung nutzen ist ja kein Geheimnis. Wenn die Summe stimmt wird da auch jeder Blog bereit sein entsprechende Links zu setzen.
    Die Abhängigkeit von Google ist mit Sicherheit nicht gut – dennoch gehört sie auf jeden Fall zum Online-Marketing-Mix dazu. Gib doch mal in Google „Marken“ ein dann wirst du sehen dass auch Millionen-Unternehmen wie BuyVIP und Zalando-Lounge Werbung schalten.
    Ventee-Privee und Groupon als Beispiele anzuführen halte ich mal wieder für fahrlässig. Der Erfolg dieser Beispiele basiert auf extrem günstigen Preisen – das spricht sich natürlich auch ohne Google rum.
    Was aber machen Händler die eben nicht über den Preis verkaufen (wollen / können)? Die Produkte anbieten die auch Händler Y anbieten? Die sind u.a. auch stark auf Google angewiesen…

  2. „wenn sie eine SEO-Agentur mit der Suchmaschinen-„Optimierung“, also der mutwilligen Manipulation der Suchergebnisse“
    Achso? Und eine Print Werbeagentur manipuliert dann die Zeitungsseiten? Nett gemeint, aber leider nur wieder den negatien Teil der Branche beleuchtet. SEO ist nicht nur Manipulation. Es kann auch bedeuten Inhalte maschinen- und nutzerfreundlicher zu gestalten.
    Die genannten Beispiele auch ohne Google auszukommen ist gelinde gesagt Murks. Es gibt nur wenige Brands, die man auch ohne Suchmaschine finden würde (facebook, amazon, ebay, usw.), ABER:
    http://www.google.com/insights/search/#geo=DE&date=today%201-m&cmpt=q
    Das sind Statistiken was die User bei Google sos uchen. Wenn die User es nicht mal schaffen facebook.com in die Adresszeile einzutippen, wie wollen sie sich dann an einen durchschnittlich bekannten Online Shop erinnern?
    Wo kommt denn der meiste Traffic der Online Händler her? Preisvergleichsseiten? Sorry, auch da wird manipuliert, weil der Produktpreis um 5 EUR gesenkt im Gegenzug die Versandkosten aber auf 6,90 EUR angehoben werden…
    Bei einem MA >90% ist die Abhängigkeit von Google nun mal enorm, ob man will oder nicht, denn der gemeine User nutzt nun mal nur Google.

  3. „Wir empfehlen Ihnen ein set auf 200 verschreibern ihres Markennamens“
    „Aber, google hat doch eine autokorrektur und meistens bin ich dann an erster Stelle des Suchergebnisses??!“
    „Ja, aber sie werden auf diesen keywords eine unglaubliche Performance haben – und Ihr Vorstand wird vom ROI begeistert sein!“
    „Hmm – mein Vorstand misst meine Leistung aber eigentlich nicht direkt an der CR meiner keywords – ich will keine Verschreiber buchen !“
    „Dann müssen wir leider die Agency-fee auf alle anderen keywords um 10% erhöhen – sie wissen ja: Sie zahlen nur wenn die keywords auch geklickt werden !“
    „…“

  4. „Zur exakten Analyse der keywords setzen wir einen „Hallali-Hoppla“-Cookie – den können wir dann auslesen, der gilt 30 Tage – damit können wir auch die After-search conversion betrachten und miteinbeziehen“.
    „Und hat dann die Bestellung nicht auch schon einen „zix-nox-affi“-Cookie, wenn er vielleicht in den 30 Tagen noch woanders war?“
    „Ja – aber da können sie dann doppelt zählen – dann haben beide Maßnahmen ein besseren ROI“
    „…“

  5. „Wir haben mehrere Klagen über unser Produkt. Einige Kunden warten bereits 2 Monate auf Ihre Lieferung“
    „BLOS keine Antwort geben!“
    „Aber die rufen auch dauernd an!“
    „BELEIDIGT die Schweine – Dreckskunden“
    „Aber…die verbreiten dann überall, dass wir einen schlechten Service haben !“
    „SUPER – am besten soll noch SPON und BILD darüber schreiben: MIT LINK! – die heben uns glatt auf Platz 1 im Ranking mit all den schlechten reviews!“
    „…“
    Inspired by a true story:
    http://www.nytimes.com/2010/11/28/business/28borker.html?_r=2&pagewanted=1

  6. würde vorschlagen alle online shops stellen auf nen privaten ShoppingClub um, dann braucht auch niemand mehr nach Produkten suchen, da ja alles geheim ist.. aha.. also die Infos im Artikel offenbaren leider komplette Realitätsfremde, jeder weiß, dass Suchmaschinentraffic mit das beste ist was man im Online Marketing bekommen kann und SEO die Königsdisziplin dafür ist..
    Wer die Potentiale hier noch nicht entdeckt hat, der hat auch noch nicht wirklich in dem Bereich gearbeitet…
    Suchmaschinenoptimierung ist ja auch kein Google Problem, im Gegenteil: Google kann durch seine schiere Größe und Manpower zu große Manipulationen unterbinden, kleine Suchmaschinen können das nicht, wer schon mal z.B. für Yahoo optimiert hat wird wissen, dass die Manipulationen dort sehr viel einfacher und schneller durchführbar sind..
    Revoluzzer dieser Erde vereinigt euch und sucht ab sofort bei den kleinen Suchmaschinen, kein guter Plan für ein besseres Suchergebnis..

  7. „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.“ (Johann Wolfgang Goethe, Der Zauberlehrling)
    1. Wer Aufgaben an externe Partner vergibt und sich dann über deren Praktiken wundert, der hat entweder den Partner schlecht gebrieft oder steckt generell in dem Thema inhaltlich nicht drin.
    2. Leider „zwingt“ teilweise die Realität viele Unternehmen dazu, genau so zu aggieren. Da Google der größte gemeinsame Nenner aller deutschen Internetuser ist, muss man dort auch vertreten sein, wenn man eine gewisse kritische Masse an Reichweite für sein Geschäftsmodell benötigt. Da der Markt im SEM (Adwords) immer umkämpfter wird, ist es nur legitim auf die „kostenlosen“ natürlichen SEO-Platzierungen auszuweichen. Aber auch hier tobt der Hae-Igel-Wettkampf und so versucht man natürlich früher als andere die „Super-Idee für Top-Rankings“ zu haben. Unternehmen wie Zalando mit einer aggressiven SEM+SEO-Politik haben genau dadurch ihren Platz im Markt „erkämpfen“ können.
    Natürlich bin ich immer der Meinung dass man soweit wie möglich versuchen muss „Grauzonen“ zu meiden, manchmal geht es aber nicht. Und insbesondere das SEO-Ranking in Google biette eine Vielzahl an solchen Grauzonen (gerade eben weil Google die Rankingkriterien wie das Coco-Cola Geheimnis hütet).
    Nichtsdestotrotz: Umstände sind dafür da Sie zu ändern. Ich glaube nur es fehlt vielen an Ideen um z.B. genau diese Google-Abhängigkeit zu umschiffen. Von daher wird es auch weiterhin Praktiken (nicht nur im SEO) geben, die eher „Grauzone“ als seriöse Perpektiven sind.

  8. „…seien nicht … informiert gewesen…“
    Ich hatte bereits diverse Kunden, die von SEO-Anbietern auch nach Auftragserteilung keine Information erhalten haben, wie eine Verbesserung der Suchergebnisse zustandekommt, sondern nur „da wird dran gearbeitet und wir schaffen Links“. Mit dem Argument sollte man auch besseres Wetter verkaufen können – wenns klappt, prima – wenn nicht waren die anderen halt Schuld.

  9. So pauschal der Artikel das Thema SEO in eine Ecke stellt, so pauschal falsch ist er.

  10. „jeder weiß, dass Suchmaschinentraffic mit das beste ist was man im Online Marketing bekommen kann und SEO die Königsdisziplin dafür ist..
    Wer die Potentiale hier noch nicht entdeckt hat, der hat auch noch nicht wirklich in dem Bereich gearbeitet“
    Das ist mein Lieblingskommentar – und er offenbart eigentlich alles.
    Danke @Xenon für die knackigen Statements.
    Ansonsten: Das eigentliche Thema des Beitrags ist ja nicht SEO ja oder nein, sondern die Frage: Würde sich der Geschäftsführer (nicht der Marketingmanager!) eines seriösen Online-Händlers darauf einlassen, wenn er wüsste, worauf er sich einlässt?
    Oder im übertragenen Sinne: Wenn alle dopen, muss dann auch ich dopen?
    Hier noch ein Händler als Beispiel
    http://meedia.de/nc/details-topstory/article/doppelmoral-bei-pallenbergs-techlounge_100033007.html

  11. @Chris
    „Und eine Print Werbeagentur manipuliert dann die Zeitungsseiten?“
    Eine Print-Werbeagentur schaltet Anzeigen und pfuscht nicht in den Texten bzw. im Inhaltsverzeichnis der Zeitung herum.

  12. @Jochen es ist heute ganz normal, dass man als schalter von anzeigen gegenleistungen in form von redaktioneller coverage einfordert. und leider ist es genauso normal, dass die Journaille Anzeigenschaltungen vorraussetzt, wenn sie redaktionelle coverage in aussicht stellt.
    Und wenn man die Bunte Donnerstags so liest, glaubt man auch nicht so recht, dass die Erwähnungen also für umme stattfinden.
    Die Vorrauszahlungen der SEO-Agenturen für Links sind aus meiner Sicht keinesfalls ein zeichen für die Zahlungsfähigkeit. Vielmehr wollen die Agenturen so, die langfristigen Kosten für die früher sehr viel üblichere Form der Linkmiete senken.

  13. „Eine Print-Werbeagentur schaltet Anzeigen und pfuscht nicht in den Texten bzw. im Inhaltsverzeichnis der Zeitung herum.“
    Haha diese Trennung gibt es schon lange nicht mehr…

  14. Fassungslos ist man schon, wenn Unternehmen hohe Budgets in SEO stecken, dann aber über die „Details“(!!) nicht im geringsten informiert sind. Und das in Unternehmen, in denen das Controlling vermutlich den Verbrauch von Klopapier und Bleistiften akribisch überwacht.
    Und fassungslos ist man auch, wenn man sieht, wie schamlos, man könnte auch sagen betrügerisch und mit hoher krimineller Energie, zahlreiche „Dienstleister“ die Naivität der Kunden ausnutzen.
    Erst letzte Woche konnten wir einem Kunden (mal wieder) vorführen, wie sein „SEM Spezialist“ systematisch den Firmennamen bewirbt, damit über die 8 organischen Index-Links einen bezahlten Ad setzt und so gepfllegt die kostenlosen Index-Klicks in provisionspflichtige verwandelt. Und sowas ist ja noch vergleichsweise harmlos.
    Die evtl. Google-Abhängigkeit empfinde ich da als weniger nachteilig – der Blindflug in allen Google-relevanten Themen, der erschreckt wirklich.

  15. Ja, den Google Blogspot hab ich auch mit gewissem Amusement gelesen. Diese Mischung aus „Don’t be evil“ und subkutanen Drohungen à la „wir wissen genau, welchen Link Du ge/verkauft hast“. Ja, wenn sie’s eh wissen ;-)
    Ich denke, der Verdacht liegt nahe, was vor allem Google an diesem Business stört: Sie verdienen nix dran.

  16. Für Shops wäre es besser, sich wirklich, transparent und fair in Google zu integrieren (Product Search), statt nur zu „optimieren“.
    Nur: darum muss man sich entweder wirklich selbst kümmern (Datenqualität) oder einen Dienstleister beauftragen, der auch die nötige Infrastruktur besitzt – da geht es um mehr, als per Telefon und Mail ein paar Praktikanten loszuschicken, die Links „besorgen“.
    (Eine beispielhafte Google-Suche habe ich verlinkt)

  17. Transparent und Fair in Google Product Search integrieren?
    Tolle Idee! Bringt den Händlern die eben nicht nur über den Preis verkaufen möchten/wollen/können bestimmt unglaublich viel…
    Händler die fest definierte Produkte (wie ein Ipad) haben werden sich noch sehr sehr sehr schwer tun in den nächsten Jahren.

  18. FAIL…. wieder mal durch Halbwissen einen RSS-Reader verloren…

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