Die aktuellen Magento-Entwicklungen aus Community-Sicht

Weitaus spannender als die kommerziellen Aktivitäten von Magento ("Wie Magento den Markt für E-Commerce-Systeme umkrempelt") ist für uns letztlich das, was die Community treibt ("(Driving) Business Innovation with Magento"), um dem E-Commerce neue Perspektiven zu eröffnen.

Denn von dort kommen die Anpassungen, Extensions, neuen Ideen und Impulse, die dann evtl. irgendwann in die kommerziellen Produkte einfließen.

Rico Neitzel springt für die Community in die Bresche und schreibt, was er von den aktuellen Entwicklungen hält ("Magento und die sogenannte "Wohlfühl"-Community"):

"Ich habe vor wenigen Tagen sowohl den Blogpost von Jochen Krisch als auch den dadurch angestoßenen Blogpost von Roman Zenner zum Thema “Was ist los mit der Magento Community” gelesen.

In meiner Funktion als Magento Community Manager Germany möchte ich meine eigenen Gedanken zu den beiden Artikeln hier loswerden und “zwischen den Zeilen antworten”."

Der Beitrag ist ausführlich, aber sehr lesenswert. Natürlich sind derlei Debatten auch immer Debatten zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Entsprechend kann man Kritik aber auch wohlwollend als Anregungen nehmen, ohne dass Kritiker gleich als aufmüpfige Querulanten gelten.

Denn letztlich hilft es allen Beteiligten, wenn sich die Magento-Community ihr eigenes Bild von den Entwicklungen machen kann. Und dazu tragen derlei öffentliche Debatten bei. Lesenswert ist auch noch der Statusbericht von VInai Kopp, der Magento vor allem aus Entwicklersicht betrachtet.

Roman Zenner hat die aktuellen Entwicklungen für t3n zusammengefasst ("Magento nach dem Ebay-Deal")

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Open Source

  1. magento macht das schon richtig. irgendwo müssen ja die kosten für die (weiter)entwicklung einer software für lau an anderer stelle verdient werden, warum
    nicht in einer kooperation mit ebay.
    und ob der markt künftig so viele enterprise zahlende anwender hergibt, wie es angebote der diversen hersteller gibt? häufig geben die ihr geld doch inzwischen der ausführenden agentur/dem systemhaus, die das projekt dann mit der community variante umsetzt.
    mit einem heer von community-basierten onlineshops ist aber nichts verdient. bei einer koppelung an ebay/paypal könnten ja in zukunft wenigstens ein paar prozent am transaktionsvolumen abfallen.
    interessant wird dann aber sicher, was sich ebay einfallen läßt um die lösung zu pushen und andere anbieter ins abseits zu stellen (kennt man ja schon von paypal).

  2. Na und da sind wir beim Geschaeftsmodell von Magento oder vormals Varien. Lizenzgebuehren wollte man nicht nehmen, aber mit der Verbreitung der Software steigen natuerlich auch die Kosten. Das Service-Geschaeft hat man dann noch grosszuegig an Agenturen und Partner abgetreten. Die Idee war wohl, mit der Enterprise-Edition den grossen Schnitt zu machen, aber das ist wohl bisher nur begrenzt aufgegangen. Von daher wird Varien oder Magento am Ende froh gewesen sein, dass jetzt jemand kommt, der wenigstens erst mal die Rechnungen bezahlt. Aber natuerlich wird es am Ende so sein, dass der der die Rechnungen bezahlt, auch sagt, was gemacht wird. Haette sich Magento nur annaehernd selbst getragen, haette man niemals jetzt schon fuer sowenig Geld einen solchen „Hauptaktionaer“ reinnehmen muessen.

  3. Mit Verlaub, aber das ist doch ein „etwas“ eigenartiges Weltbild. Gibts dafür irgendwelche Hinweise, dass Magento keine oder zu wenig Enterprise-Lizenzen verkauft und deswegen Kapital braucht?
    Wenn ich mich unter den Agenturen umhöre, dann ist es doch eher andersherum. Und das Wachstum will eben finanziert werden, vor allem, wenn es so unerwartet kommt wie bei Magento.
    Ich verstehe nicht, warum Wachstumskapital immer auf solche Skepsis stößt. Aus meiner Sicht ist das ein zwar riskanter, aber legitimer Weg ein Unternehmen aufzubauen.

  4. mmmhhh,
    das war keine kritik an wachstumskapital…
    man muß aber einfach nüchtern betrachten woher denn das wachstum kommen soll.
    der enterprise markt ist nun mal kein massenmarkt (mehr), wie es scheint geht der bereich nun eher in richtung verdrängungswettbewerb. der massenmarkt wird ja derzeit für 0,– bedient (na ja nicht ganz, an partnerprogrammen wird auch was verdient).
    da kommt doch eine zusammenarbeit mit einem großen player im ecommerce genau richtig.

  5. Also Jochen, jetzt wird’s aber eher komisch. Wachstumskapital haette man von VCs holen koennen, dafuer muss man sich nicht an eBay verkaufen. Und wenn es absehbar waere, dass Magento mit dem Verkauf von Lizenzen auf absehbare Zeit gut ins Geschaeft kommt, waere es umso leichter an VC zu kommen und noch unverstaendlicher, dass die sich an eBay verkauft haben. Und solange mir keiner das Gegenteil zeigen kann, gehe ich davon aus, dass Magento nicht genuegend Enterprise-Lizenzen verkauft. Wenn Du Zahlen hast, waere das sicherlich interessant. Ich kenne einige Magento-Agenturen, die machen wie bloed Projekte mit der Community-Edition. Enterprise kostet ca. 10k € und das ist bei sehr vielen Projekten ein grosser Teil des Gesamtbudgets aus meiner Erfahrung. Und da sagt die Agentur doch lieber: Fuer 10k baue ich die in der Community-Edition fehlenden Sachen selbst ein, damit liegt die Wertschoepfung bei uns und nicht bei Magento.
    Noch ne Indikation, dass das Lizenzgeschaeft eher mau ist, ist der Schwenk in die „Cloud“. Das machen ja die Softwareanbieter nicht, weil sie lieber Server betreiben als CDs und Handbuecher zu pressen, sondern weil sie ihre Software anders nicht mehr an den Mann bringen. SaaS ist weit weniger profitabel als Lizenzverkauf, wenn Magento also gut Lizenzen verkaufen wuerde, muessten sie sich nicht in das SaaS Thema stuerzen.

  6. hallo mmmmhhh,
    unbenommen davon, wer wo welches Geld wann und wofür benötigt ;-)
    Mal aus der ebay TrichterBrille gesehen;
    da gibt es plötzlich eine Menge Händler die auch aus dem stationären Handel kommen und erst über die Festpreise und weitere Aktionen von ebay zu zu ebay gekommen sind und ebay für Ihre Verhältnisse seriös finden. („Ist ja doch kein Flohmarkt“)
    Und weil es ja jetzt einfach, einfach ist.
    Ok soweit prima, aber plötzlich merkt bzw. sieht so so ein Händler seine Umsätze:
    Oktober Umsatz ebay 3000,00 Euro
    November Umsatz ebay 4000,00 Euro
    Dezember Umsatz ebay 7000,00 Euro
    Meine Damen und Herren unglaublich, unfassbar so eine Umsatzsteigerung und das bei ebay, dem Internet, einfach mal etwas reingestellt und schwupps, unfassbar.
    Na sollten wir da nicht doch langsam einen eigenen Shop im Internet aufmachen?
    Ok zuerst bei ebay, dann eventuell bei diesem Template Leuten von Supreme oder so..
    die sind ja ebay Spezialisten…
    So wirds gemacht…
    Das als kleine Versinnbildlichung, wie viele Händler ticken ;-)
    Als ebay ist es doch nur logisch sich so etwas wie magento zu greifen, besonders wenn man an magento2go denkt.
    So blind kann doch niemnad sein.
    Die kaufen mit relativ wenig Kohle, Daten, Entwickler (open source Wissen)plus, plus….
    Und so kann es weitergehen;
    Denkt nur mal an die vielen etsy oder Dawanda MiniHändler, etsy und Dawanda haben doch auch die Daten, was wie und wo dort passiert.
    Wenn etsy bzw. DaWanda außerhalb ihres Ökosystems so etwas wie ein magento2go anbieten ist das eine CashCow die kein Gras braucht ;-)

  7. @Michael mit den beschriebenen Händlern hast du Recht, da folge ich Dir.
    @paysun Verdrängung in gewisser Weise ja, aber man muss schon sehen, dass sich gerade nochmal eine riesige E-Comemrce-Welle anbahnt, weil viele Marken und Markenhersteller, aber auch stationäre Händler erst jetzt selber in den E-Commerce einsteigen.
    @Claus Genau dieselben Fragen stelle ich mir – unter anderen Veraussetzung – auch, und frage mich: Warum nur Ebay, warum? Ihr hättet soviele andere Möglichkeiten gehabt, an Wachstumskapital zu kommen. Deine Theorie würde den Ebay-Einstieg sicherlich erklären, aber die Lizenzeinnahmen fließen, wie gesagt, meines Wissens reichlich und regelmäßig. Und 1.000 Enterprise-Lizenzen à 10K sind nun mal auch 10 Mio. Wobei ich gerade nicht weiß, wieviele Lizenzen Magento mittlerweile verkauft hat. Auf der Imagine-Konferenz hatten sie es erwähnt …

  8. @Michael: Ja natuerlich kann man aus der Sache das Business-Modell oben konstruieren, bzw. man muss das sogar, damit das ueberhaupt irgendeinen Sinn macht, abseits von „Magento braucht einfach nur dringend Geld“.
    @Jochen: Ich glaube durchaus, dass die Lizenzen fuer 10 Mio. verkaufen, aber halte da mal die Kosten dagegen, denn es duerften ja die einzigen nennenswerten Einnahmen von Magento sein. Alleine die Imagine-Konferenz duerfte locker 2 Mio. Dollar gekostet haben :-) Dazu musst Du die Mannschaft bezahlen und das sind sicher auch nicht nur 20 Leute. Wie auch immer, wir sind uns ja einig, dass es durchaus Punkte in der Magento-Story gibt, die man hinterfragen kann. :-) Die Zeit wird es zeigen.

  9. @Claus, @Jochen
    zu den vielen Faktoren die sich um eine Entscheidung „von wem hole ich mir das Kapital“ ranken, kommen oft auch ganz einfache persönliche Gründe der entscheidenden Menschen.
    Die wollen vielleicht einfach mehr Cash für Ihr Leben (Hund,Katze,Auto:-) haben, wenn Du so eine Idee bzw. so ein Unternehmen aufbaust, orientierst Du Dich automatisch nach oben und nach mehr.
    Und die High Potentials Personen wollen richtig viel Cash sehen und das nicht erst in 5 oder 10 Jahren.
    Gerade und besonders in den USA.
    Ich denke, dass der Magento Deal eine Mischung aus mehreren Faktoren ist.
    – die finanzielle Absicherung der guten Leute, um diese auch zu halten,
    – die Einsparmöglichkeiten die Dir ein erfahrenes Unternehmen wie ebay bietet,
    – die sehr gute Vernetzung der ebay Leute, also das alte Management und das aktuelle Management ist sehr gut verdrahtet,
    – ein wichtiger Teil des Ökosystems „ebay“ zu sein bzw. daran mitzuwirken und die Chance auch bei ebay ganz oben mitzuwirken.
    Kurz, was willst Du mit 30 oder 50 Mio. Wachstumskapital, wenn Du keine spannende Story für die Zukunft siehst.
    Seien wir doch mal ehrlich, ein reines eCommerce Shopsystem, egal in welche Richtung es entwickelt wird ist doch Old Fashion, was nicht heißt das Du damit kein Geld (ein wenig) verdienen kannst,
    aber wenn Du auch mal von Obama eingeladen werden willst, muss es schon mehr sein;-)
    ebay hat ein funktionierendes Management, die Daten, die Kunden, ein Bezahlsystem wie PayPal, mit brand4friends könnte ebay bestimmten Händlern eine Private Sale Plattform anbieten und mit Magento werden Sie in Zukunft eine (P)SAS für die kleinen bis mittleren Händler anbieten.
    Wer will denn da noch 1000 oder mehr statische Lizenzen verkaufen ?
    Das sind doch eigentlich nur logische Schritte, es besteht doch in Zukunft nur der große Player, welcher ein eigenes starkes Ökosystem hat, siehe Apple, Google, Amazon, zum Teil ev. Facebook.
    Oder habe ich ev. etwas vergessen bzw. übersehen ?

  10. Das sind alles gute Punkte, aber warum holt man sich ausgerechnet Ebay ins Boot, wenn man Händler, Marken, etc. ansprechen will, für die Ebay ein rotes Tuch ist?

  11. …welche Alternativen hätte es gegeben ?
    ich sehe nicht so viele in Bezug auf die eingeschlagene Strategie.
    Das Ebay wirklich das rote Tuch für viele ist glaube ich nicht. Für die Masse der Händler ist Ebay noch immer ein guter „Einstieg“.
    Und ob Magento den Ebayeinstieg aus Händlersicht sieht bzw. bewertet glaube ich auch nicht.

  12. Was in der Bewertung dumm wäre, denn ein bisschen ein Gefühl sollte man als Anbieter schon für die Zielgruppe haben, oder?
    Ansonsten: Ebay war (aus Händlersicht) noch nie ein guter Einstieg für Händler. Traditionelle Händler (und besonders Markenhersteller) meiden Ebay nachwievor. Wenn sie Ebay als Abverkaufskanal nutzen, dann ist das schon das Höchste.
    Wo Ebay punkten konnte, sind neue Händler (einstmals Seller genannt), die dann durch den Ebay-Erfolg zu Powersellern aufstiegen sind, etc. Das ist aber eine neue Händlerklasse, die erstmal nichts mit dem klassischen Handel/E-Commerce zu tun hat. Bei dieser Klasse wird Magento sicher weiter punkten können (hatte ich ja oben schon angemerkt), aber dort finden sich nicht die nötigen Magento-Referenzen für das Enterprise-Segement (wo sie, ebenfalls aus Händlersicht, mit Intershop, Demandware & Co. konkurrieren).
    Kurzum: Ich bin gespannt, wie sich das negative Image von Ebay (bei den Händlern) auf das bisher positive Image von Magento auswirkt. Das ist ja die Kernfrage in der Ebay-Debatte.
    BTW: Das hat alles nichts mit der Community-Debatte zu tun, wo es ja eher darum geht, ob und wie Ebay die strategische Ausrichtung von Magento beeinflusst.

  13. Genau das ist der Punkt. Wenn es die Strategie von Magento wird, die ganzen eBay Powerseller einzusammeln und zu Magento-Go Nutzern zu machen, kann das durchaus funktionieren, aber dann verabschiedet sich Magento ziemlich konsequent aus dem Enterprise-Segment, wo sie imho ausser vom Anspruch und dem Marketing-Gedoens eh nie waren. Ich bezweifle, dass schon allein technisch der Spagat, zwischen Magento-Go und Magento-Enterprise gelingt. Wenn Magento die Enterprise-Strategie jemals selbst ernstgenommen hat, ist der Verkauf an eBay wesentlich unsinniger als sich Geld von VCs zu besorgen und in diese Richtung konsequent weiterzumachen. Zum Vergleich: ATG und ISH z.B. haben sich da bei der Wahl ihrer Grossaktionaere bzw. neuen Besitzer der eigenen Strategie ensprechend besser positioniert.

  14. @Jochen 10 Mio bei 230+ Leuten? Das reicht nichtmal ein Jahr. Sehen wir doch mal den, vermeintlichen, Tatsachen ins Gesicht -Magento braucht dringend viel Geld. Sonst können die den Laden morgen zumachen.

  15. Wie Magento finanziell aufgestellt ist, darueber kann man leider nur spekulieren, von den Ambitionen und der urspruenglichen Strategie her haetten es VCs sein muessen, die Magento finanzieren. Es sein denn, Magento konnte diesen ihr Geschaeftsmodell nicht plausibel machen, weswegen dann vielleicht nur ein finanzstarker Partner in Frage kam, der sich Magento dann so hinbiegt, wie es fuer ihn am besten passt. Womit sich die urspruengliche Strategie natuerlich erledigt hat. Dass das jetzt als tolle Sache verkauft wird, ist ja ganz klar.
    Aber das sind nur Spekulationen. Wie gesagt, die Zeit wird es zeigen, meine Meinung ist, dass Magento im Enterprise-Segment keine Rolle mehr spielen wird.

  16. die kernfrage wird sein, wieviele sich aus der community für ein saas/ebay/paypal/magento dingens begeistern lassen. wenn das attraktiv ist, steckt darin viel wachstumpotential, anders als im enterprise markt. und außerdem: gott bewahre uns vor weiteren 1000 zalando onlineshops ;-)

  17. Fuer ein SaaS-Magento wird sich ueberhaupt keine Community begeistern, weil diese ausser Feature-Requests und guten Ratschlaegen ueberhaupt nichts mehr beisteuern kann / wird.
    Denn ein gehostetes System ist immer sehr abgeschlossen und muss das auch sein, sonst waere das Hosting ein Chaos. Die Community kam ja jetzt schon bei Magento nicht an den Core ran, bei SaaS wird der Core immer groesser und die Teile, an der die Communitity noch mitmachen koennte, werden schnell immer kleiner.
    Magento SaaS (oder Go) und eine Community-Editon (selbst installierbar) werden sich sehr schnell auseinander entwickeln, bzw. Magento wird schon aus Kostengruenden nur noch eine Sache machen koennen und ich rate jetzt mal, dass das nicht die Stand-Alone-Edition (Community oder Enterprise) sein wird. Magento wird in der eBay-Cloud verschwinden und die „Community“ wird zum naechsten Projekt weiterziehen. Im besten Fall werden sie die Magento-Community-Edition forken.

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