Groupon Bashing: Was Groupon den Anwürfen entgegenhält

Groupon-Bashing ist gerade schwer in Mode. Web-/Techies entdecken ihren inneren Anlageberater und entwickeln ungeahnte Qualitäten als E-Commerce-Koriphäen.

Wäre sie nicht gar so schmutzig, könnte Groupon die Schlammschlacht nur recht sein. Jungen Unternehmen kann ohnehin nichts besseres passieren als möglichst lange nicht für voll genommen zu werden.

Öffentlich kann sich Groupon, das an die Börse strebt, zu den Vorwürfen nicht äußern. Deshalb hat Groupon jetzt in einem internen Memo an die Mitarbeiter Stellung genommen, das natürlich trotzdem an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Spannend, einmal die andere Seite zu hören. Andrew Mason beschreibt sehr ausführlich, wie er Markt und Möglichkeiten für Groupon einschätzt – und was er von den Anwürfen hält:

"While we’ve bitten our tongues and allowed insane accusations to go unchallenged publicly, it’s important to me that you have the context necessary to brush this stuff off.

I’ll summarize my excitement with four points:

1) Growth in our core business is strong

2) Our investments in the future — businesses like Getaways & NOW — look great,

3) We are pulling away from competition, and

4) We’ve built a great team that I would pit against anyone.

In other words, all the stuff that one would want to look good? It looks good."

Natürlich ist auch die Groupon-Perspektive stark gefärbt, aber mindestens so spannend zu lesen wie die Untergangsszenarien.

"It’s kind of hard to build a Groupon"

Den Punkt, den viele Nachahmer und "Experten" am meisten unterschätzen, ist, wie schwer es ist, Groupon so einfach mal zu kopieren:

"If there’s a question I’ve received from Groupon skeptics more than any other, it’s, “how will you fend off the competition — especially massive companies like Google and Facebook?”

I could give a dozen reasons to bet on Groupon, but it’s impossible to predict the future or the actions of others.

Well, now the sleeping giants have woken up — and the numbers are showing that what was proven true with literally thousands of other competitors is just as true with the incumbents of the Internet: it’s kind of hard to build a Groupon."

Facebook hat seine Facebook Deals gerade eingestampft. Und man wird sehen, wie lange Google mit Google Offers durchhält. Währenddessen hat Groupon offenbar größere Pläne mit Groupon Goods

Seinen internationalen Firmensitz will Groupon nun, dem Beispiel Ebay folgend, in die Schweiz verlegen.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Crowdsourcing, Live Shopping, Samwer Report, Shopboerse

  1. Jochen, sehr diplomatisch ausgeführt. Sehr vorbildlich. Nach dieser Nummer wird Groupon jedoch kein Parkett sehen. So wie es 1996 Wired wiederfahren ist, nachdem eine ähnliche Mail während der quiet Periode intern verschickt wurde. Die nerven masons liegen blank. Es verpfiffen Milliarden wenn der ipo nichts wird.

  2. Die Nerven würden in so einer Situation bei jedem blank liegen, oder? Bin auch gespannt, ob der Börsengang so noch durchgehen kann. Persönlich würde ichs natürlich bedauern, weils dann keine öffentlichen Daten mehr gibt :)

  3. Naja, ihm persoenlich duerfte es nicht zu sehr wehtun, wenn der IPO nicht klappt. Er hat sich ja schon vorher fuerstlich rauskaufen lassen.
    Aber ein Business-Modell, welches ueber jeden Zweifel erhaben ist, waere auch nicht so angreifbar. Wenn man auf Google oder Facebook schaut, da fiel oder faellt es schwer an den Financials zu zweifeln. Da konnte / kann man zweifeln, ob das Wachstum in dem Masse kommt, aber die hatten / haben wenigstens kein Cash-Problem.

  4. Das Cash Problem scheint sich immer mehr zu bestätigen. In den USA haben sie Marketing ja laut Mason Email schon um 20% runter gefahren. Und auch in China geht es rund. Oliver Samwer hat in china offenbar enorm Geld verbrannt und jetzt is nix mehr da!
    http://www.ft.com/cms/s/2/e8e04c40-ce3a-11e0-99ec-00144feabdc0.html?ftcamp=rss#axzz1WFoS8KVa

  5. Jochen ist halt im Herzen ein Grouponer, was mich immer wieder wundert, da das Geschäftsmodell ja so unheimlich anspruchslos aus e-Commerce-Sicht ist.
    Ich sehe genau den einen Punkt nicht so:
    Es ist doch trivial, das Geschäftsmodell von Groupon einfach so zu kopieren, wie die zig tausend Klons zeigen. Groupon besitzt doch überhaupt kein Alleinstellungsmerkmal aus Endkundensicht (besonders tolle Deals, besonders schnelle Prozesse, …), und die von Groupon (vollkommen ineffizient) erfolgte Skalierung des Geschäftsmodells, welche tief in die roten Zahlen geführt hat, kann ja nun nicht wirklich das relevante Alleinstellungsmerkmal sein.
    @Derrik, Danke!
    Und das sagt ja nun alles aus:
    „Mr Ouyang, a former Tencent executive, runs the company together with four other managing directors hired by Mr Samwer. As part of their pay, the managing directors received bonuses based on how many staff they hired, people familiar with the situation said.“

  6. Gerade aus E-Commerce-Sicht ist das Geschäftsmodell von Groupon eines der genialsten überhaupt.
    Wenn wir in fünf bis zehn Jahren auf den heutigen E-Commerce-Markt zurückblicken werden, werden wir sehen, welch enormen Einfluss Groupon auf künftige E-Commerce-Modelle gehabt haben wird. Denke, das lässt sich heute schon prognostizieren, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen.
    m.E. verändert Groupon das E-Commerce-Verständnis auf ähnliche Weise wie Facebook das Web-Verständnis.

  7. Jochen, sitzt Du etwa auf einem Aktienpaket oder wirst Du von Groupon bezahlt? :-) Ich vertrete genau die gegenteilige Meinung, mal schauen, wer dann in fünf bis zehn Jahren Recht hat.
    Welchen Einfluss meinst Du denn? Doch nicht etwa diese ganzen billow-Reisegutschein-Seiten, die Stroer & Co. jetzt zusammengebastelt haben.

  8. Ehrlich gesagt, ist mir der Erfolg von Groupon selber sowas von egal.
    Die Frage ist aber doch, ob und inwiefern Groupon den Markt und das E-Commerce-Verständnis als Ganzes weiterbringt – von der Kundenansprache über die Angebotsauswahl, die Aufbereitung der Angebote bis hin zu den möglichen Erlösquellen.
    Man sollte einfach die Innovationsleistung von Groupon in diesen Bereichen nicht unterschätzen. Hier ist ein Groupon dem typischen Shop-/Portalbetreiber einfach um Welten voraus.

  9. Hmm, danke für die schnelle Antwort.
    Die Kundenansprache findet ja nun über die klassischen Kanäle statt, wenn mit einem Burgerking-Gutschein -50% in einem Banner geworben wird, dann finde ich das nicht besonders innovativ. Auch die B-2-B-Ansprache der Händler ist absolut traditionell.
    Die Angebotsauswahl (mittlerweile deutlich abgebaut, das Nagelstudio an der Ecke, was dann mit fotolia-Fotos beworben wird, welche nichts mit der Realität zu tun haben) finde ich auch überhaupt nicht innovativ. In Bezug auf die Erlösquelle ist es einigermaßen innovativ, aber zum Beispiel Retailo von Wellington verfolgt mit seinen Gutscheinkarten an der Kasse im stationären Handel genau das gleiche Geschäftsmodell mit den (hoffentlich!) nicht eingelösten Gutscheinen.
    Was wären denn Deiner Meinung nach wirklich ganz konkrete Punkte?

  10. Wir haben schon diverse Aktionen mit Groupon und Groupon-Klonen gefahren.Wir werden es – in Massen – auch weiter machen, und dann in ca 6 Monaten entscheiden, wie es weitergeht.
    Die Erfahrungen (aus Sicht eines online-Shops):
    -Bei 50 % Provision für Groupon können die Deals in sich nicht profitabel sein. Wir haben das jetzt auf 40% runtergehandelt und arbeiten auch schon mal mit 30%. Bei ca. 20% Provision sind auch in sich rentable Deals möglich.
    -Fast alle Deal-Seiten haben operativ enorme Probleme: falsche Abrechnungen, falche Links auf den Werbemails etcpp. Texte und Bilder werden verschlimmbessert…
    -Der Werbeeffekt über Sichbarkeit, Backlinks etc ist schlecht zu beurteilen; jedenfalls ist der Prozentsatz der Grouponkunden, der normal wiederkauft, sehr beschränkt; genau dies wollen wir aber noch besser austesten
    -Aus obengenannten Gründen können wir aktuell nur sonst nicht verkäufliche Restposten (mit Ablaufdatum, dass sich nähert) auf Groupon verkaufen.Der Ertrag muss Versand und Verpackung decken.Dies ist denn auch aktuell das Kriterium für die Selektion von Deals
    -Strategie: Mehr lernen, wie so Wiederkäufer generiert werden können – oder auch nicht. Die Provision der Groupon-Seiten drücken und diese gegeneinander ausspielen. Gegebenenfalls in einem halben Jahr die Deals ganz eisntellen, oder aber skalieren
    -Ja, und noch was: Groupon hat eindeutig ein Akademiker-Problem. Oder um Masons Lobeshymme mal etwas ironisch aufzunehmen: Mitarbeiter können auch zu gut sein;-)

  11. Das Thema Productdeals aus Sicht der Händler/Hersteller und der Couponingpartner ist ein spannendes, u.a. da es sich erst vor ca. 3 Monaten in Europa in größerem Maßstab etabliert hat. Markus Statements kann ich im Großen und Ganzen bestätigen, auch wenn wir im Bereich CE/Lifestyleprodukte tätig sind.
    Wir werten aktuell unsere Erfahrungen auf Europeebene aus, um dann hoffentlich die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das Optimieren – oder wie Markus es nennt „ausspielen“ – ist dabei ein ganz normaler Prozesse auf beiden Seiten, bevor sich die Strukturen und Zusammenarbeitsverhältnisse etabliert haben werden.
    Diese Thematik habe ich bisher in der Agenda K5 nicht ersehen – vielleicht ein interessanter Punkt, da viele Händler und Hersteller ja zwischenzeitlich auch Anbieter bei Groupon, Dealy Deal etc. aktiv sind. Der Großteil dieser Umsätze geht m.E. zu Lasten der „traditionellen“ Onlinechannels wie z.B. ebay WOW, Amazon.

  12. @Markus Kobelt Vielen Dank für die Eindrücke!
    @Florian Mit Kundenansprache meine ich weniger Marketing oder Neukundengewinnung, das sind ja die klassischen Maßnahmen, sondern die Ansprache der bestehenden Kunden/Mitglieder, das fängt beim Seitendesign an und hört beim Angebotsmix auf.

  13. Auch aus Sicht eines Shopbetreibers.
    Hohe Sichtbarkeit = Sicherlich gegeben.
    Dem gegenüber stehen aber so gut wie keine Neukunden, die über den Deal hinaus nochmal bestellen. Es handelt sich um reine Schnäppchenjäger, die nur auf den Preis heiss sind. Wir haben beim besten Willen keine Einheitsprodukte .-)
    Also das was sich die Grouponpartner versprechen tritt kaum ein. Man muss es als reine Marketingaktion betrachten bei der man +- null aus der Aktion rausgeht.
    Der Aufwand im operativen Bereich ist während dieser Zeit stark angestiegen. Das sollte man unbedingt einkalkulieren.
    Ca 30% der Gutscheine wurden nicht eingelöst. Für Groupon super. Der Partner muss es für sich entscheiden.
    Wenn die Prozesse zwischen Groupon und Partner optimiert werden kann man diesen Kanal immer wieder gerne nutzen.

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