Crowdfunding: Warum uns Seedmatch so euphorisch macht

Seedmatch ist Deutschlands momentan wichtigstes Online-Startup – und eines, auf das Deutschlands Gründer(innen) lange warten mussten.

Im Grunde hatten wir schon vor vier, fünf Jahren von Smava und den Social Lending Plattformen erhofft, was Seedmatch jetzt zunehmend ermöglicht: die breit gestreute Finanzierung spannender Unternehmungen/Projekte mit Klein- und Kleinstbeträgen.

Seedmatch

Denn was der deutschen Startupszene am allermeisten fehlt, um wirklich in die Gänge zu kommen, ist ein fruchtbarer Nährboden für frische Ideen engagierter Erfinder und Entrepreneure.

Wer viel mit Gründern arbeitet, der weiß, dass selbst in der gegenwärtigen Situation noch viel zu wenige Ideen überhaupt eine Chance bekommen, sich zu beweisen, als dass sich daraus eine ausreichende Zahl aussichtsreicher Projekte herausbilden könnte.

Institutionelle Investoren und leider auch die meisten Business Angels erwarten, dass das erste Geld für die Experimentierphase von den berühmten drei Fs kommt – Family, Friends and Fools.

Doch wer hat schon genügend wohlhabende Freunde, Verwandte und Verrückte, die einen in dieser Phase mit dem nötigen Startkapital unterstützen?

Das Social Web hat den Freundes- und Bekanntenkreis erheblich erweitert. Und ein Seedmatch ermöglicht es nun genau diesen Gruppen, mit überschaubaren Beträgen ab 250 Euro einzusteigen und spannende Ideen und motivierte Teams in noch frühen Phasen zu unterstützen.

Momentan ist Seedmatch noch dabei, Vertrauen aufzubauen. Und das Seedmatch-Team um Jens-Uwe Sauer macht das extrem geschickt – sowohl in der sehr gezielten Auswahl der Startups als auch in der unermüdlichen Arbeit vor und hinter den Kulissen.

Die Blitzfinanzierung von Sugarshape in der vergangenen Woche ist dabei mehr als ein Achtungserfolg für alle Beteiligten. Denn wenn plötzlich auch Gründerinnenteams eine Chance haben, ihr Ding zu machen und irgendwann vielleicht sogar Projekte und Ideen wie Ravelry, die normalerweise durch sämtliche Raster fallen, dann lässt das schon erahnen, welches Potenzial ein Unternehmen wie Seedmatch hat, das auf die Demokratisierung des Finanzierungsprozesses ausgerichtet ist.

Launch-Veranstalter Jason Calacanis hat am Wochenende ebenfalls für breiter gestreute Finanzierungsmodelle plädiert ("The two most important startups in the world").

Wir freuen uns jedenfalls auf die Exceed-Session mit Seedmatch-Gründer Jens-Uwe Sauer und seine Erfahrungen mit dem Crowdfunding-Modell.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Crowdsourcing, Shopboerse, unlimited

  1. Das Problem an der ganzen Geschichte ist jedoch, dass es sich um stille Beteiligungen handelt.
    Also erwartet der Investor eine vernünftige feste Verzinsung von sicherlich 8% und mehr.
    Wie will ein Start-up, dass noch in der Frühphase ist solch eine Verzinsung gewährleisten?
    Zu Neuen Markt Zeiten gab es solche Portale teilweise schon. Ein Beispiel ist Tradecross. Diese Plattform gibt es heute nicht mehr und so weit ich mich erinnern kann, hat nur ein Unternehmen welches Kapital bekommen hat den Durchbruch damals wirklich geschafft.
    Hinzu kommt, dass die Beteiligung wahrscheinlich auf 5-7 Jahre festgelegt ist. Somit können die Startups eine Zeit lang Geld verbrennen und nichts verdienen bis es bei den Investoren negativ aufschlägt.

  2. Das ganze erinnert mich irgendwie an die Filmfonds der 90iger… irgendwie kann man da Geldverdienen, also probieren viele es aus – sind dann überrascht das nur wenige Investments sich rentieren (teils um so mehr lohnen);
    Auch das Beispiel von Johannes ist damals IMHO so gescheitert – wenn ich als Anleger etwas minimale Sicherheit will, dann reicht so eine stille Beteiligung nicht aus (vgl. AG-Anforderungen) – will ich nur zocken: sorry, aber dann nimmt man CFDs, Equities oder sonstwas her, denn das geht schnell, bewährt und mit Glück kann man auch hier seinen Einsatz vervielfachen.
    Zumal viele Gründer (leider) nicht verstehen das ein Gespräch mit einer Bank (ja – unglaublich, auch da kann man Geld von holen) und dem dort vorgelegten Businessplan oftmals viel mehr wert ist als schnell billiges Geld zu holen. Auch wenn man im Internet was neues aufziehen will, so muss man wissen und genau darlegen können wie es sich tragen wird. Das man im klassischen Finanzbereich erwartet das nicht nur Geld von dritten kommen darf, ist auch ein wichtiger Punkt, denn eben der Druck auf die Macher selbst muss so groß sein das Sie bereit sind mehr als 08/15 Einsatz zu zeigen und auch nicht einfach wegen niederer Gründe (keine Lust mehr, Partner ist doof, Jobangebot von Xyz) abzuspringen,

  3. Vorallem sind die kleinen Investments von 250 Euro wohl eher Spielgeld von Privaten die gerne mal bei den „Grossen“ dabei sein wollen.
    Jedoch nur wenn Nachhaltigkeit gegeben ist wird ein Konzept langfristig funktionieren.

  4. Die negativen Kommentare meiner „Vorredner“ verwundern mich. Ich finde Seedmatch wirklich gut und freue mich, dass das ganze nun Fahrt aufnimmt. Warum jemand investiert (Stichwort „Spielgeld“) ist doch egal. Vielleicht machen viele es wirklich eher, um den Gründern – und der tollen Idee – zu helfen als auf die Verzinsung zu schielen. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg!

  5. Negative „Wise Guys“ gibt es ueberall, und scheinbar zu viele davon ganz speziell in Deutschland. Ich jedenfalls wuensche Seedmatch und den zum Teil tollen Projekten viel Erfolg & Ausdauer, und lasst Euch nicht von Schwarzmalerei ablenken. Cheers.

  6. @K.B. Nein, von der Bank kann man eben kein Geld holen. Da sind die Huerden fuer Gruender und speziell fuer welche, die ein komplett neues Geschaeftsmodell haben viel zu hoch. Da hat die Bank keinen Vergleich, keine Ahnung, keine Sicherheiten, also wird es abgelehnt. Und selbst wenn nicht, ist der Prozess so aufwendig und langwierig (kein Internet-Gruender hat 1/2 Jahr Zeit auf das Geld zu warten), dass ich der Meinung bin, die Leute sollten lieber an der Idee arbeiten als an der Geldbeschaffung.
    Und Seedmatch u.a. machen es eben moeglich, dass das Risiko so extrem breit gestreut wird, dass bei der zu erwartenden Erfolgsrate von um die 10% niemand wirklich viel Geld in den Sand setzt, aber im besten Fall am naechsten Groupon beteiligt ist und da geht es nicht um 8% Verzinsung sondern um eine Ver-x-fachung.

  7. Ein Problem sehe ich noch. Wenn ich als Gründer die Wahl habe, entweder Seedmatch mit tausend Kleinanlegern oder Otto eVenture, dann doch immer letzteres. Will sagen: Gute Ideen, die auch echte Investoren finden, würden sich niemals auf seedmatch einlassen, da kein smart money und eine unschöne Gesellschafterstruktur entsteht.

  8. @Claus:
    „Erfolgsrate 10%“ – sorry, aber da sollte man besser ins Kasino gehen, da gibts bei einigen Spielen bessere Erfolgsraten…
    irgendwie sehe ich den Sinn nicht darin Geld mit 90% in die Aktiva, Teil D zu verschieben;
    Aber gut, muss wohl an meiner rücksichtslosen Wirtschaftlichkeitsfokussierung liegen – meine altruistische Ader ist nicht sehr ausgeprägt;
    BTW: 10% erfolg + 90% misserfolg bedeutet bei gleichem invest von je 1000€ einen Bedarf von 10000 Euro invest – nun gehen 9000 € den Bach runter und der eine Invest steigt auf y Fachen wert – super, sinds y * 1000 Euro nach x Jahren – d.h. wenn y kleiner gleich (10 + (1+0,05)^x) bleibt lohnt es sich nicht (also mind. verzehnfachung als Basis im Betrachtungszeitraum plus Verzinsung auf moderatem niveau von 5% der 10k gesamtinvest), und y größer (10 + (1+0,05)^x) ist genauso real wie im Kasino… aber es spielen ja auch viele Lotto weil da ja so viel Geld is, und die schwarzmaler werden da ja eh nie gewinnen…
    @Klaus Kramer:
    Etwas angespannt weil das eigene Funding ned so gut geht?

  9. Man muss das ganze sehr differenziert betrachten.
    Der klare Vorteil für Gründer liegt auf der Hand. Mit einer guten Außendarstellung dürfte es nicht schwer sein an die ersten 100k zu kommen.
    Das schnelle Closing bei Sugarshape macht mich ehrlich gesagt stutzig. Haben sich die „Investoren“ überhaupt Zeit für eine gründliche Due Diligence genommen?
    Oder einfach die Annahmen der Gründerinnen ungefragt übernommen? Die Planzahlen waren da sehr optistisch…

  10. Die Idee von Seedmatch ist für Gründer, die sonst kein Kapital bekommen sehr gut – keine Frage.
    Aber um langfristig als attraktive Plattform zu überleben, reicht es nicht, dass private Investoren aus Gutwill investieren um jungen Gründern zu helfen.
    Ich weiss ja nicht welche Informationen man als Kapitalsuchender seinen Investoren zum Start und dann später beim Reporting preisgeben muss. Aber wenn ein Konkurrent von uns auch über Seedmatch Kapital aufnimmt, dann bin ich auch mit dabei. Denn die Inforamtionen werden ihre 250 Euro Wert sein.

  11. Ich würde allen sehr empfehlen, auch den oben bereits verlinkten Beitrag von Jason Calacanis zu lesen
    http://www.launch.is/blog/the-two-most-important-startups-in-the-world.html
    Auch er zählt ja durchaus zu den Profi-Investoren.
    Ich glaube nicht, dass Crowdfunding nur etwas für die Übriggebliebenen ist, die sonst nicht zum Zug kommen. Gerade bei Projekten im Social Web kann eine bewusst breite Streuung auf Kapitalseite Sinn machen, wenn Unternehmen ihre Unabhängigkeit bewahren wollen.
    Außerdem sollte man den sozialen Druck nicht unterschätzen, der entsteht, wenn man weiß, dass man vielen Leuten verpflichtet ist, die ihr privates Geld gegeben haben.

  12. @KB Du scheinst Dich noch nicht viel mit VC beschaeftigt zu haben. Selbst die Profi-VCs haben keine wesentlich hoehere Erfolgs-Quote als 1/10. Bei der krachts dann aber richtig und damit machen die dann ihr Geschaeft. Kann man z.B. bei den Samwer-Projekten gut beobachten.
    Und aus Beteiligungssicht ist Seedmatch wesentlich besser als jeder Profi-VC denn der redet dem Management schon vom ersten Euro an rein. Ok, man koennte argumentieren, es handele sich dabei um gute Ratschlaege, aber in den allermeisten Faellen haben die Gruender nach den ersten beiden Finanzierungsrunden in ihrem Unternehmen nichts mehr zu sagen bzw. zu entscheiden.

  13. @Claus
    Profi-VCs haben mehr als 1/10 – klar, sonst sind die bald pleite oder arbeitslos – aber wir reden von der „crowd“ – das ist vom niveau her ungefähr das was die T-Aktie und deren run damals war….
    Wegen dem unten genannten ist es so, das ein echter VC 0,0 bock hat auf „crowd“ da er dann nicht mitreden/ bestimmen kann; Ich selbst würde eher 50 000 in ein Startup stecken bei dem ich mitreden kann als 500 in 100 Startups bei denen ich nix zu sagen habe – eben weil man so den profit maximiert!

  14. Jochen, du hast sicherlich Recht, dass durch das Konzept „sozialer Druck“ ensteht.
    Das hilft aber langfristig nichts.
    Warum hat die Deutsche Börse den Freiverkehr aktuell umgebaut? Weil zu viel Schrott auf den Markt kam.
    Bei den aktuellen Start-ups bei Seedmatch & Co handelt es sicherlich nicht um Schrott. Aber Märkte die es ermöglichen leicht Kapital zu raisen neigen dazu mit der Zeit zum Schrottplatz zu mutieren.
    Siehe auch Neuer Markt oder OTC in Amerika.
    Perlen gibt es überall. Aber nicht alles was glänzt ist ne Perle… :-)

  15. Ich finde, der Vergleich hinkt. Crowdfunding erfüllt einen völlig anderen Zweck und Deutsche Börse & Co. sind ja nicht für Seed-Investments da, sondern für bereits etablierte Unternehmen (mehr oder weniger seriöser Art).
    Dass Crowdfunding unter Investmentgesichtspunkten hochrisikant ist, denke ich, müssen wir hier nicht weiter erörtern. Aber wir reden hier auch von Beträgen von 250(!) Euro.
    Und wer andere Modelle bevorzugt und sich gerne mit höheren Beiträgen als Business Angel engagieren will, der kann dies ja auch weiterhin tun. Dafür gibt es genügend Möglichkeiten @KB
    Das Spannende an einem Fundingkonzept wie Seedmatch ist doch, dass im Rahmen der Kapitalsammlung ein Meinungsbildungprozess über Sinn und Zweck einer Businessidee möglich wird, der allen Beteiligten hilft.

  16. Der Verlgeich hinkt aus meiner Sicht nicht. Natürlich hat eine Deutsche Börse eine andere Funktion hinsichtlich der Finanzierungsgröße.
    Und auch wenn es vielleicht bei Seedmatch um einen Meinungsbildungsprozess aus deiner Sicht geht, letztendlich will das Start-up „Kohle“ sehen.
    Vergleicht man bei den einzelnen Startups Kaptialbedarf und die Anzahl der Investoren, sieht man, dass einige auch bereit sind mehr als 250 Euro zu investieren.
    Und mal ehrlich, wer ist bereit 250 Euro bezahlen, damit er seine eigene Meinung abgeben darf…
    Naja, wir werden in 3 Jahren sehen ob das ganze funktioniert oder nicht.

  17. Offen gesagt, ob und wie die Crowd Investing Methodik von Seedmatch euphorisch macht muss jeder selbst entscheiden, und dafuer bzw dagegen mag es verschiedene triftige Gruende geben. Eine interessante Tatsache ist, das dieser Hype zur Zeit so nicht zu erwarten war. Ob und wie sich Crowd Investing langfristig in Deutschland halten wird, muss die Zukunft zeigen. Wuenschenswert waere es auf jeden Fall, das ein positives Bewusstsein fuer diese alternative Art der Finanzierung entsteht. Ob und wie die Seedmatch Projekte nach 3-5 Jahren noch existieren werden bzw den prognostizierten ROI auszahlen koennen, kann keiner garantieren. Aber man sollte den Respekt zeigen und zumindestens allen Beteiligten viel Erfolg wuenschen…. auch wenn man wieder diverse Haare in der Suppe sieht.

  18. Hier kommt eben auch vieles zusammen gerade. Die Leute haben gerade wieder etwas Spielraum in der Haushaltskasse und auf der Bank gibt es Null Zinsen. Vielleicht wuerde das Seedmatch-Modell unter anderen Umstaenden gar nicht funktionieren, aber selbst wenn das nur ne temporaere Sache ist und damit auch viele nicht-valide Geschaeftsmodelle finanziert werden, wird unterm Strich doch ne Menge Innovation haengenbleiben. Kritisch sehe ich die Sache eher noch aus einer anderen Perspektive. Je einfacher es ist, ein kleines Startup zu finanzieren, desto schwieriger wird es fuer die Etablierten an gute Leute zu kommen, denn wohl fast jeder arbeitet lieber in nem hippen Start-up als in nem Grossbetrieb. Und wenn die Leute schon den Samwers weglaufen, damit sie sich VC-finanziert verwirklichen koennen, sieht man, wo sich der Arbeitsmarkt in dieser Branche hinentwickelt. Und das werden Seedmatch&Co. noch verstaerken.

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