Square, Dwolla und die Zukunft des (Be-)Zahlens

Von Marcel Weiß

Der Payment-Sektor hat in letzter Zeit enorm an Fahrt aufgenommen und befindet sich in einem Umbruch, wie es ihn lang nicht gegeben hat.

Allen voran zeigt vor allem Square, dass einfache Kreditkartenbezahlung mit einem kleinen Hardwarezusatz über iPhone und iPad ermöglicht, was langsam aber sicher alles möglich wird, wenn man Handelsprozesse konsequent in ein Softwareumfeld übersetzt.

Square hat vor ein paar Tagen eine iPad-App herausgebracht, die nicht nur Kassen ersetzen soll, sondern den Händlern auch zusätzliche Features bereitstellt. TechCrunch:

Square register

"Basically, the new app’s UI has been reconfigured so that it’s a perfect fit for brick and mortar businesses, whether they have 10 items or 10,000. Custom item arrangement allows merchants to create a mobile version of their store. The app also allows for custom permissions for employees on the register, giving merchants control and access to specific features, settings, or sensitive information in their sales reports. And with a single tap on the iPad, merchants can wirelessly print receipts or open a cash drawer to make change.

The new app and Square also features in-depth analytics, allowing merchants to segment consumer payments data and transactions. The dashboard provides a glance of basic sales information and recent transaction history, including the number of payments, subtotals, tax, tips, refunds, account deposits, etc. It also shows several interactive data sets, breaking down sales by month, days of the week, time of day, and even size of payment. Merchants can access and explore these analytics when they log into their Square account online as well."

Bei der Register-App von Square kann man auch zum ersten Mal sehen, welche Potentiale sich offenbaren, wenn der Bezahlprozess komplett softwareisiert wird. Man benötigt keine blühende Phantasie, um die Plattform-Möglichkeiten eines erfolgreichen Squares zumindest in Kreditkartenmärkten wie den USA zu erkennen.

Square könnte in den Ländern, in denen der Dienst signifikante Verbreitung erlangt, einen zusätzlichen Nebeneffekt haben: Händler, die bis dato nur offline aktiv waren, besonders kleine Händler, könnten vermehrt etwa über eine integrierte Self-Serve-Lösung online gehen, weil die Kosten für den Schritt zum E-Commerce enorm sinken, wenn die Produkte bereits in digitaler Form auf einer Plattform eingespeist sind. Auf einer Plattform, die vielleicht außerdem noch die Schnittstellen für den Online-Shop gleich mitbringt.

Square kann dank Softwarebasis auch einzelnen Kundengruppen speziell zugeschnittene Angebote bieten. So findet etwa gerade ein Testlauf mit Square in New Yorker Taxen statt:

"Instead of the traditional blaring screens, these taxis will be outfitted with Square’s latest hardware — an iPad encased in a black metal sleeve that is connected to a credit card swiper. The screen displays a slick Apple-like design of New York too, showing information about your location, fare and route."

Das über Square abgewickelte Transaktionsvolumen steigt permanent an und beträgt mittlerweile 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr, oder 11 Millionen US-Dollar pro Tag. Der größte Anteil der 2,75 Prozent Transaktionsgebühren, die Square verlangt, geht allerdings an die Kreditkartenunternehmen.

Dass aktuell die Chancen gut stehen, mit neuartigen Angeboten den lange Zeit eingefahrenen Paymentsektor aufzumischen, zeigen auch die vielen Finanzierungsmeldungen der letzten Tage.

Dwolla, das Payment-Startup, das es mit Kreditkarten aufnehmen will ("Payment-Startup Dwolla will Kreditkartenanbieter aushebeln"), hat in der zweiten Finanzierungsrunde unter anderem von Union Square Ventures insgesamt fünf Millionen US-Dollar erhalten:

"Over the course of 2011, Des Moines-based Dwolla says it increased its userbase by 3,200% to over 80,000 accounts and increased its merchant community by 3,000% to over 7,500 accounts. It now processes between $30 and $50 million per month in transactions, both online and on mobile."

Clover, ein Ein-Klick-Payment-Angebot für In-App-Verkäufe auf mobilen Endgeräten, hat von Andreessen-Horowitz 5,8 Millionen US-Dollar erhalten.

Andreesssen-Horowitz hat außerdem 25 Millionen US-Dollar in Jumio investiert, das mit dem neuen Produkt Netverify Händlern das Akzeptieren von Kreditkarten über handelsübliche Webcams ermöglichen will.

LevelUp, eine mobile Payment-Lösung, welche aktuell mit QR-Codes arbeitet und zusätzlich ein NFC-Angebot plant, erreicht mittlerweile ein monatliches Transaktionsvolumen von einer Million US-Dollar.

Programmable Web listet mittlerweile 124 Payment-Programmierschnittstellen, welche in ihrer Gesamtheit jede denkbare Funktion abdecken.

Lesenswert zum Thema ist auch diese Übersicht über vier Payment-Startups auf VentureBeat:

"Mobile payments is a sector on the cusp of exploding. The Nilson Report recently found that 73 percent of smartphone owners have used their device while shopping, yet only 2 percent claim to have used a mobile wallet or made an in-app purchase. At last week’s Mobile World Congress in Barcelona, I saw a swathe of companies hoping to claim a piece of the pie."

In der Tat eine Explosion. Eine Explosion, die in den USA vor allem durch die dortige Verbreitung von Kreditkarten angetrieben wird. LinkedIn-Gründer Reid Hoffman und zwei seiner Kollegen bei Greylock Partners beschreiben die Kreditkarte deshalb recht treffend als die neue App-Plattform in einem Artikel für Forbes:

"Online commerce is now a $200 billion industry, but it’s still small compared to offline transactions. Up to 70% of consumer spending is influenced by Web and mobile research, but over 90% of actual transactions are still conducted in the physical world. Several major industries are motivated to see this new app developer ecosystem take flight.

Retail marketers know they can advertise more efficiently if they can actually track and close the redemption loop from online browsing to offline buying. Major consumer internet and financial services companies are also highly motivated, as they see a path to greater advertising and promotion-based revenue if they can demonstrate more marketing value through closing the loop.

Online budgets that are directed at social ad campaigns will further expand as consumers share experiences connected to their offline card transactions, including reviews and gifting. So what will be the impact of this emerging app platform on the card carrying public?"

"The Future of Cash" heißt auch der Schwerpunkt der aktuellen t3n-Ausgabe

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Die neuen Tools, unlimited

2 replies

  1. sehr interessante Zusammenfassung, zu der ich ein Bedenken und eine Zukunftsidee habe. Es geht im Kern um diesen Teil des Textes: „Händler, die bis dato nur offline aktiv waren, … könnten … online gehen, weil die Kosten für den Schritt zum E-Commerce enorm sinken, wenn die Produkte bereits in digitaler Form auf einer Plattform eingespeist sind.“
    Bedenken: gerade Offlinehändler tun sich schwer ihre Daten so aufzubereiten, dass sie Onlineshopfähig sind. Es braucht ja nicht nur Stammdaten sondern auch Bilder und verschiedene Texte – abgesehen von rechtlichen Stolperfallen. Dennoch natürlich ein mögliches Szenario.
    Zukunft: der umgekehrte Weg. Onlinehändler gehen offline. Entweder selber oder – das ist der eigentliche Vorteil des des Systems – machen Affiliate/ Franchise wasauchimmer: im Kern verkaufen Leute auf Rechnung beider Ware in Geschäften/Märkten etc pp. Die App-Technologie vereinfacht das erheblich, weil das Warenwirtschaftssystem dort sehr einfach bereit gestellt wird – eine Prozesskompetenz, die klassische Händler teuer aufbauen/kaufen müssen. Ob dann am Ende mit Kreditkarte gezahlt wird ist fast schon egal.

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