Görtz vs. Zalando: Was, wenn die Online-Strategie versagt?

Was passiert, wenn der Online-Wettbewerb in die Vollen geht, das kann man aktuell auch sehr gut am Schuhmarkt verfolgen.

Während Leiser, die Nr. 5 am Markt, mit knapp 200 Mio. Euro Umsatz in die Insolvenz gegangen ist (PDF), dürfte Zalando, das im laufenden Jahr an der Umsatzmilliarde arbeitet, im letzten Jahr auch Görtz beim (Gesamt-)Umsatz überholt haben, immerhin die Nr. 4 unter den größten Schuhfachhändlern (PDF).

Die Görtz-Umsätze sind 2011 um 5% auf knapp 400 Mio. Euro zurückgegangen, die Online-Umsätze, die 2010 bei 35 Mio. Euro gelegen haben sollen, sogar zweistellig eingebrochen.

Der Geschäftsführer hat Görtz nach neun Jahren plötzlich verlassen:

Goertz2012

"2011 musste der Hamburger Schuhfilialist einen Umsatzrückgang von 5% auf knapp 400 Mill. Euro hinnehmen. 

Im Online-Geschäft, das bei Wettbewerbern kräftig zulegt, verbuchte Görtz ein zweistelliges Minus.

Die Wettbewerbsbedingungen für die Hamburger haben sich massiv verschärft."

Görtz ist ein typischer Fall von "Multi-Channel-Strategien, die am Kunden vorbeigehen".

Dass Görtz mit seiner Strategie online nicht weit kommen würde, hat der Geschäftsführer ungewohnt freimütig eingeräumt, die Dynamik der Online-Entwicklung dürfte er aber wie so viele seiner Offline-Kollegen trotzdem unterschätzt haben.

Wie sieht es im Vergleich dazu beim Marktführer Deichmann aus? (siehe auch Muss sich Branchenführer Deichmann vor Zalando fürchten?)

Auf dem deutschen Markt hat Deichmann seinen (Netto-)Umsatz 2011 durch die Eröffnung neuer Filialen um 3% auf 1,53 Mrd. Euro steigern können (PDF). In den bestehenden Filialen gingen die Umsätze um 0,5% zurück. 

Zur Online-Entwicklung macht Deichmann wenig Angaben, außer: "Die digitale Offensive geht weiter" und "Die Online-Umsätze entwickelten sich überall erfreulich." Das verwundert aber auch nicht, denn 2010 lag Deichmann nach 10 Jahren Online-Verkauf erst bei 10 Mio. Euro Online-Umsatz.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Samwer Report, Shopboerse

12 replies

  1. Wobei mal ehrlich sagen muss, dass es nicht ganz fair ist, jeden Schuhhändler mit Zalando zu vergleichen. Görtz & Co. sind etablierte Filialisten mit 3-stelligem Mio. Umsatz und entsprechender stationärer Infrastruktur. Dann kommt Zalando, welches ich jetzt mal als „Projekt“ bezeichnen möchte, welches VC-getrieben pure online macht und dabei auch noch verdammt gut ist. Da kann ein Filialist nicht mithalten, selbst wenn er sagt, ok, Multi-Chanel ist Mist, ich mache neben meinem Stationärgeschäft auch noch einen Pure-Player auf, stecke da 150 Mio. rein und mache die nächsten 5 Jahre genau diesen Betrag minus, während ich mir damit teilweise selbst das profitable Stationär-Geschäft kanibalisiere. Das würde genauso wenig funktionieren.

  2. Natürlich ist der Vergleich fair, weil das nun mal die Wettbewerbsituation anno 2012 ist. Klar kämpfen beide mit unterschiedlichen Waffen, aber eben um denselben Markt.
    Die Schlussfolgerung sollte auch nicht sein, dass jeder (Schuh-)Händler mit viel Kapital den Weg von Zalando geht, sondern dass er sich strategisch darauf einstellt und sich (SEHR VIEL GENAUER als bisher!) überlegt, wie er eine optimale Positionierung/Strategie findet, die ihn dauerhaft wettbewerbsfähig hält.
    Was Görtz macht, ist zwar gängige Lehre, aber aus strategischer Sicht eben extrem ungeschickt.

  3. Zumal die einfach Kopie des Zappos Modells auch nicht unbedingt zum Erfolg führt – siehe mirapodo. Ich kann mir vorstellen, dass mirapodo vieles richtig macht, aber letztlich auch einigen Restriktionen des BAUR-Versands hinnehmen muss (Sourcing, Abgrenzung zu I’m walking, etc.).
    @Jochen: was wäre denn die strategische Empfehlung für Görtz? Du positionierst Dich ja etwas anti-multichannel – aber wäre hier nicht eine nutzstiftende Verzahnung ein Ansatz (sowas wie Fuß-Vermessung offline und Bestellung onlie etc.)?

  4. Zum Beispiel. Görtz ist so ein genialer Schuhhändler (stationär), da finde ich es bedauerlich, dass sie online noch nicht besser für sich zu nutzen wissen.
    Generell bin ich ein Freund von komplementären Ansätzen, die die spezifischen Vorteile der einzelnen Kanäle besser zum Tragen bringen, also online das tun, was online kann: mit spritzigen Ideen/Konzepten schnell und dauerhaft hohe Relevanz gewinnen – und offline das Shoppingerlebnis stärker in den Vordergrund zu stellen, sprich: den Leuten gute(!) Gründe zu geben, in den Laden zu kommen.
    Gerade für Görtz & Co. ist das Shoppingerlebnis im Laden momentan die größere (Online-)Herausforderung. Wenn die Mädels, wie von Zalando propagiert, die Schuhe auch zuhause anprobieren können, warum sollen sie dann noch in den Laden kommen?

  5. Wird ja schon gar nicht mehr propagiert. Aber es ist in der Tat richtig, das einfache ins Netz stellen der eigenen Produktpalette wird wohl für stationäre Händler nicht ausreichen, um den Kampf mit den Pure-Playern aufzunehmen.

  6. Sicherlich sollte jeder Händler das Beispiel Zalando sehr genau betrachen…. Das haben die schon sehr, sehr gut gemacht…
    Aber 2 Fragen/Amerkungen dazu:
    – macht nicht Zalando inzwischen mehr Umsatz mit Kleidung als mit Schuhen? Dann müsste man sie also eher mit Otto vergleichen
    – die Umsatzmilliarde von Zalando ist doch weltweit gesehen, oder? Im Interview steht „150 Mio alleine in Frankreich“. Ich kann nicht beurteilen, ob die anderen Händler wie Deichmann auch im Ausland so aktiv sind….

  7. Zalando macht letzten Angaben zufolge noch etwa 50% mit Schuhen, aber auch die Schuhhändler machen ja zum Teil Umsatz mit Handtaschen, Accessoires, etc.
    Vergleichen kann man Zalando wie Amazon mit allen bzw. alle müssen sich letztlich an jemandem wie Zalando messen lassen.
    Die Umsatzmilliarde ist weltweit, Deichmann ist auch international sehr aktiv, die 1,53 Mrd. sind allerdings die Umsätze für Deutschland.

  8. Wie im Buchhandel setzen wurde von Görtz und Co aber auch auf Versandkosten im Schuhhandel gesetzt. Warum bei imwalking, Siemes und Co Versandkosten bezahlen, wenn Zalando und mirapodo die Schuhe kostenlos schicken. Nicht umsonst hat Görtz inzwischen auf die Versandkosten verzichtet

  9. Siemes hat sich bekanntlich damals an der Quelle.de-Resterampe bedient, was Online-Personal anging, also selbst schuld.

  10. Umsatz ist ja nur die eine Wahrheit – wie sieht es denn mit dem Gewinn aus? Auch wenn die Finanzierung steht; Irgendwann braucht es doch eine Käufer für die Samwers, der das Projekt Zalando kauft? Und dann ist der Ertrag kein unwesentlicher Faktor?

  11. Nicht, wenn man geduldige Kapitalgeber hat:
    Zalando-Interview: „Wir sind solide finanziert und arbeiten an der Umsatzmilliarde für 2012“
    http://www.excitingcommerce.de/2012/06/zalando-interview.html

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