Zalando wirkt: Görtz E-Commerce-Leiter nimmt den Hut

Nach dem Geschäftsführer hat bei Görtz auch der E-Commerce-Leiter den Hut genommen:

Goertzdirect

"Lutz Spannuth (52) leitet nicht mehr den Bereich Görtz Direct bei dem
Hamburger Schuh-Filialisten. Auf eigenen Wunsch hat er das
Arbeitsverhältnis zum heutigen Tage beendet."

Görtz hatte zuletzt auch im Online-Geschäft erhebliche Umsatzeinbußen erlitten und entsprechende Sparmaßnahmen angekündigt.

Inzwischen ist die Sanierung in vollem Gang und in der Unternehmenszentrale haben vergangene Woche Dutzende von Mitarbeitern ihre Kündigung erhalten. 30 Läden stehen vor der Schließung.

Interessant dabei: Der Schuhhandel, allen voran Branchenführer Deichmann, möchte letzten Äußerungen zufolge einem Zalando, das weiter fleißig Kapital einsammelt und sich gerade erst für weitere internationale Kapitalgeber geöffnet hat, erstmal nichts entgegensetzen

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Samwer Report, Shopboerse

11 replies

  1. Haben Görtz & Deichmann denn Chancen, wenn sie online versuchen gegen Zalando & Amazon mit deren Mitteln zu gewinnen?
    Ein Zalando ähnliches Investitionsverhalten, dass langfristig auf einen Exit abgestimmt ist, können diese Anbieter nicht nachahmen.
    Das die Online Aktivitäten nicht funktionieren, hätte man also vermuten können. Spannender ist doch eher, was solche Anbieter konkret machen sollten.

  2. Nein, das ist ja damit nicht gesagt. Zalando online nacheifern zu wollen, ist ohnehin nicht die Lösung.
    Das Grundthema ist für diese Anbieter ja auch nicht die Online-Problematik, sondern der Strukturwandel im Handel. Darauf gilt es sich einzustellen und seine Geschäftsmodelle entsprechend anzupassen. Die reine Fokussierung auf Online lenkt da sogar eher ab.
    Ich bin ja durchaus ein Freund der Losung „Kopf statt Kapital“. Geholfen hätte eine frühzeitige strategische Neuausrichtung: Wofür sollen Görtz & Co. in einer zunehmend online-getriebenen Welt stehen?
    Daraus lassen sich dann auch konkrete Maßnahmen ableiten.
    Aber wem erzähl ich das … du hast ja genügend Beiträge dazu verfasst.

  3. Später ist man immer schlauer aber ich bin der Überzeugung, dass der Kopf in der aktuellen Lage nicht mehr über das Kapital siegen kann, man muss sich nur die Zahlen anschauen, in welchen Mengen investiert wird.
    Polemisch könnte man auch meinen, dass es für Deichmann schwer möglich ist, dem eigenen Personal in kürzester Zeit über die Hälfte des Gehaltes zu kürzen, während Zalando, Amazon etc. schon seit Anfang an mit moderner Sklavenarbeit sehr viele Mittel einsparen konnten.

  4. Marke! Das müssen sie tun.
    Ich glaube das es heute für jeden Offline-Spezialisten rel. einfach möglich ist, einen guten Online-Shop von der Stange hinzustellen (siehe z.bsp. esprit oder boss).
    Zumindest ich frage mich aber, warum ich online bzw. überhaupt bei Görtz einkaufen sollte. Was ist denn das besondere Einkaufserlebnis bzw. der Benefit den sie mir bieten? Die alten Marken habenes sich auf ihren Erfolgen zu bequem gemacht.

  5. Ich kann machen was ich will, aber ich Blicke die Logik solchen Investments wie Zalando nicht.
    Da investieren Firmen sehr viel Geld in eine Firma, die den Online Schuhmarkt aufräumt. Dadurch werden den bisherigen Platzhirschen viele Marktanteile strittig gemacht und die werden aus dem Markt gedrängt. So weit so schön, aber die Firma Zalando hat noch keinen Cent verdient, aber verdammt viel gekostet. Potentielle Aufkäufer (Exit) gibt es auch nicht, da Zalando die teils selbst stark unter Finanzdruck gebracht hat (Görtz, Deichmann etc) und andere potentielle Interessenten haben eh schon ihre eigenen „Nischenshops“ online (imwalking, mirapodo, javari usw) und fallen somit als Käufer auch weg.
    Nun verstehe ich nicht, was der Sinn und Zweck der ganzen Geschichte ist. Und irgendwie möchte ich nicht glauben, dass Zalando ernsthaft vor hat, den Laden selbst 20 Jahre lang (und dann profitabal) zu schmeißen… Denn das zalando anfangs in die Fußstapfen eines Zappos treten wollte, liegt ja ziemlich auf der Hand.

  6. @Michael Maaß: Mit „später“ hat das weniger zu tun. Für andere Branchen (Möbel, Mode, Baumärkte, etc.) ist es noch früh, und es gilt dasselbe.
    Man darf einfach nur nicht davon ausgehen, dass Unternehmen das ewige Leben haben. Aber gerade alteingesessene Familienunternehmen neigen ja irgendwie dazu.

  7. Die geringsten Probleme, die Görtz hat, sind die im Online. Einige der massiven, realen Probleme sind es, die das Unternehmen in die Krise gebracht haben:
    1. Eigenmarken
    – Mittlerweile fast unverkäuflich wegen viel zu hoher Preise und weitgehend fehlendem modischen und Qualitäts- Anspruch, der die rechtfertigen könnte.
    – zu hoher Anteil an Eigenmarken, die nicht (mehr) laufen.
    – Das Portfolio wurde seit Einführung niemals überarbeitet
    2. Görtz17
    tot, tot, tot … z.B. im Vergleich zu Zara, da hat man seine Zielgruppe fast vollständig verloren und keine neue gefunden. Aber die Ladenmieten laufen weiter.
    3. Sortiment und Warenpräsentation
    Zerfasert, konzeptlos …
    4. Marketing-Konzept, Positioning
    Nicht Fisch, nicht Fleisch: Teils modisch, dann aber doch wieder nicht; teils preiswert, dann aber doch wieder nicht; teils Produktpräsentation, teils Schachtel-Platzierung und so geht es durch jeden einzelnen Punkt durch.
    Und klar, im Online träumen sie, wie fast alle anderen stationären auch, ihre Multichannel-Traum, aus dem alle immer noch nicht erwachen wollen. Das wird langsam zum Dornröschen-Syndrom, aber ohne Prinz

  8. Man kann Online oder erst recht Multichannel nicht erfolgreich sein, wenn die Prozesse nicht entsprechend angepasst bzw. verschlankt werden, auch und gerade im Offline-Bereich des Konzerns. Was nutzt mir ggf. ein schlanker Onlineshop, wenn dahinter immer noch 200 Einkäufer sitzen? Siehe Quelle, siehe Neckermann et.al.

  9. Ich denke auch, die Problematik bei Görtz muss man einmal ganz ohne Online / Offline Hintergrund betrachten: Wenn man sich die rein durch (in der Tat) mediokre eCommerce Strategien verpassten Chancen wegdenkt, bleiben immer noch ein paar elementare Probleme übrig, die Görtz in – hoffentlich behebbare – Schwierigkeiten gebracht hätten, auch wenn es keinerlei eCommerce geben würde.
    Das ist auch ein grundsätzliches Problem, was ich in der Diskussion über Unternehmen sehr oft beobachte, die heute ins Schlingern geraten: Das wird gern, viel und oft mit mangelhaften eCommerce-Strategien / -Ausrichtungen begründet (also mit einer kanalspezifischen Diskussion), obwohl es bisweilen eigentlich an ganz grundlegenden Dingen des 1×1 des Handels wie Markenpositionierung, Sortimenten und Kundenansprachen usw. mangelt. eCommerce-Strategien können das nicht retten oder ausbügeln. Sie beschleunigen bzw. verstärken im Zweifel diese Grundprobleme noch aufgrund der Wachstumspotentiale in diesem Kanal, sind aber nicht zwangsläufig die Ursache.
    Die Neukundenmaschine Zalando wird doch auch nur dauerhaft bestehen, wenn sie sich diesen grundlegenden Mechanismen stellt, egal in welchem Kanal die Berliner sich bewegen. Alles andere wäre ja die Hybris, zu glauben, man sei am Ende des Marktanteil-Krieges der letzte und einzige Category-Killer und könnte dann die jahrelangen Defizite mit monopolisierten Preis-/Margenerhöhungen wettmachen.

  10. @Jochen, dass stimmt, Unternehmen haben eine gewisse Haltbarkeit.
    Aber man könnte meinen, dass Wort „Unternehmen“ hat seine Haltbarkeit selbst überschritten, weshalb die „alten“ Unternehmen keine Chance mehr haben, es sei denn, Sie kreieren z.B. eine eigene Marke und stellen diese selbst her.
    Was ich beobachte, ist wie hier auch schon beschrieben, dass nicht das Unternehmen und somit auch das Produkt oder der Handel an erster Stelle steht, sondern nur der Wert des ganzen und es gilt diesen ordentlich aufzupusten.
    Es gibt ganz andere Interessen, ob diese positiv sind, sei da hingestellt, zumindest gibt es meiner Meinung nach für die bestehenden grösseren Firmen kaum Chancen, da mit zu kommen.
    Und ich bezweifle, dass Zalando wirklich schwarze Zahlen schafft, wenn nicht das beschriebene wie von Sven im letzten Absatz eintrifft. Wo das im endeffekt hinführt, ist noch nicht abzusehen, es kann positive wie negative Auswirkungen haben.

  11. görtz , eine macht , eine starke expansion,immer mehr immer grösser immer habgieriger,immer schneller und dann wenn man mal genau reinschaut, in dieses geschehen
    Frauen dann auch junge Frauen,dann mal ein Mann die mit allen kräften versuchen diesem hohen Leistungsdruck zu entsprechen, dann nicht gerecht behandelt werden,der verlorene Blick für den kleinen einzelnen Mitarbeiter vom ganzen, ja man in diesem riesen geschehen wie eine zahl sich vorkommt,immer sich selber plagt man nicht gut genug ist trotz aller kraft,obwohl man zahlen erbringt aber die obrigkeiten immer mehr wollen, die oben sitzen immer weiter nach oben gehen wollen und der kleine unten sitzende , der die ganze eigentliche schwere arbeit macht für die da oben ,und diese kleinen mitarbeiter die dann irgendwann einfach so ohne ein danke vor die tür gesetzt werden,weil es das unternehmen nicht nötig hat,weil man in der macht sitzt und mehr anstrebt und dann die wende kommt , dann finde ich es nicht verwunderlich, das es so ist wie es ist.es sind die tränen die sich zu nem meer gesammelt haben,wo diese feurige macht nun überschwemmt wird und das feuer erlischt

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