Umbrüche im Buchmarkt: Amazon und das Innovator’s Dilemma

von Matthias Hell

„Amazon
remains in a predicament similar to the one it faced when Bezos decided to
create the Kindle. With music, movies, and books transitioning into purely
digital formats, it has to move quickly to stake out its position as a leading
provider of that content.”

Das beste Zwischenfazit zum fünften Geburtstag des marktrevolutionierenden
Amazon-eReaders Kindle liefert Businessweek.
Für die Weiterentwicklung des digitalen Geschäfts hat Firmenchef Jeff Bezos demzufolge
neue Teams und neue Prioritäten geschaffen. Der in dem Artikel zitierte Analyst Scott Devitt hält den Fokus für richtig:

„It’s no
longer about Virgin Media or Barnes & Noble. This is about protecting and
ultimately growing their share of media over time, and competing with a group
of companies that doesn’t have the same structural disadvantages as the
physical retailers that Amazon was once competing with did.”

Neue Vertriebsmodelle

Self Publishing 1:
Self Publishing Geschäftsmodelle, die sich alleine auf eBooks fokussieren,
seien wirtschaftlich nicht tragfähig – so das Ergebnis einer zu Diskussionen
einladenden von Tredition in Auftrag gegebenen Studie. Das Hamburger
Publishing-Unternehmen sieht damit den von ihm propagierten Mix von Digital-
und Printveröffentlichungen unterstützt. (Pressemitteilung)

Self Publishing 2:
Während die neuen Möglichkeiten des digitalen Selbstverlags bereits tausendhaft
genutzt werden, wird gerne vergessen, dass sich Self Publishing Autoren auch
mit der geeigneten Selbstvermarktung auseinandersetzen sollten. Konkrete
Anregungen von Publishing-Berater Rob Eagar gibt es dazu im TOC-Podcast.

Dotbooks: Auf den
in diesem Jahr gestarteten eBook-Verlag der ehemaligen Droemer
Knaur-Verlagsleiterin Beate Kuckertz haben wir an dieser
Stelle bereits hingewiesen
. Ein lesenswertes Update zu den ersten
Erfahrungen und Fortschritten bei Dotbooks hat nun Publishing
Perspectives
veröffentlicht:

„Though
initially she had some concerns about relying on e-book sales too soon,
Kuckertz has come to see value in going through the intensive learning period
of this stage of development: “Nobody has that experience yet, there are no
marketing packages you can simply buy, you have to work everything out with
your technical partners, with your sales partners, and everything from the
ground up.”

Neue Erzählformen

Wikiroman: Der
russische „Polit-Technologe“ Wladislaw Surkow fällt nicht nur dadurch aus der
Rolle, dass er parallel zu seiner Kreml-Tätigkeit unter dem Pseudonym Natan
Dubowizkij als Schlüsselroman zu lesende Crime-Schocker veröffentlicht. Für
sein neuestes Buch hat Surkow/Dubowizkij nur die Grundgedanken vorgegeben und
die literarische Ausführung der Crowd überlassen. (via NZZ)

Digitale Kochbücher:
Kochbücher zählen zu den Bereichen, in denen sich die Aufbereitung von Inhalten
in App-Form besonders anbietet. Doch geht es dabei nicht um 1:1-Umsetzungen,
sondern müssen die Inhalte für die neuen Medienträger neu gedacht werden. (via Publishers
Weekly
)

Struktureller Wandel

Timothy Ferriss: Der
Autor von „The 4-Hour Workweek” und ähnlichen Bestsellern hat sein neues Buch „The
4-Hour Chef“ beim Amazon-Imprint New Harvest veröffentlicht. Vom stationären
US-Buchhandel wird Ferriss nun zwar boykottiert, dafür setzt der Autor aber unter
anderem auf die Vermarktung via dem Filesharing-Netzwerk Bittorrent. (via e-book-news)

Übernahmeverhandlung:
In der durch das Digitalgeschäft unter Druck geratenen Welt der traditionellen
Verlagshäuser steht möglicherweise die nächste Übernahme bevor: Kurz nach dem
Merger von Penguin und Random House sprechen News Corp. und CBS über einen
Zusammenschluss ihrer Verlagstöchter HarperCollins und Simon & Schuster.
(via WSJ)

Buchhandel im Umbruch

Weltbild: Beim
Deutschen Handelskongress präsentierte sich Weltbild-Chef Carel Halff noch als
Vorreiter des digitalen Wandels und lästerte, Thalia sei kein echter
Wettbewerber mehr (via Buchreport).
Einen Kontrast dazu setzt allerdings die Meldung, dass E-Commerce-Chef Klaus
Driever das Unternehmen überraschend verlässt und seine Position nicht neu besetzt
wird. (via Buchmarkt)

Orell Füssli:
Auch der Schweizer Filialist spürt den Trend zum Rückbau von Großflächen. Nun eröffnete
Orell Füssli den „ersten physischen eBook-Shop der Schweiz“ und setzt damit auf
eine Art Apple Store für digitale Leser. (Pressemitteilung)

Unter der Rubrik Buchlos in die Zukunft
bringen wir jede Woche das Spannendste zu
den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

  1. Danke für die wie immer interessant Auswahl. Kurzer Hinweis: Das Unternehmen heißt Tredition.

  2. danke für den Hinweis, ich habe den Vertipper inzwischen korrigiert. „Trend-ition“ hätte bei einem Self Publishing Anbieter aber auch irgendwie gepasst ;-)

  3. Ja, das dachte ich dann auch. :) Lustig auch, dass ich in einem Kommentar auf einen Tippfehler hinweise, der selbst einen enthält. ;)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: