Buch/Handel 2020: Keine Plattform ohne eigene Hardware?

von Matthias Hell

Neue Vertriebsmodelle

Sobooks: Auf die
Details zu Sascha Lobos E-Book-Verlag Sobooks hatten
wir bereits in unserem Buchmessen-Special
hingewiesen. Bei Neunetz analysiert
Marcel Weiss
, dass es sich bei dem Publishing-Startup eigentlich um ein
Plattform-Modell handelt und wagt den Vergleich mit Amazon. Spannend auch die
daran anknüpfende Diskussion:

„Um gegen Amazon eine Chance zu haben, braucht Sobooks eine
Hardwarestrategie. (…)

Social Reading ist ein spannendes Feld und Sobooks hat
interessante Ansätze geplant. Aber Sobooks fehlt aktuell die Ausstatttung und
vielleicht auch der Wille, um langfristig gegen Größen wie Amazon erfolgreich
sein zu können.“

Carrefour: Die
französische Handelskette Carrefour schließt sich dem im Retail grassierenden
Trend an, mit eigengebrandeten E-Readern/Tablets vom E-Book-Markt zu
profitieren. Ein Alleinstellungsmerkmal der „Nolim“-Reader sind die 100 bereits
vorinstallierten E-Books. (Pressemitteilung)

Selfpublishing

Pornographie-Skandal:
Britische Zeitungen haben in einer Reihe von E-Book-Stores selbstpublizierte
Bücher mit pornographischen bis strafbaren Inhalten aufgespürt (via Guardian).
Die Aufregung der Boulevardmedien führte schnell zu handfesten Folgen – viele
E-Book-Stores haben
inzwischen selbstpublizierte Erotica-Titel aussortiert
– und Diskussionen
um neue Spielregeln für Selfpublishing-Angebote (via Good
eReader
).

Libiro: Mit dem
Claim „The New Ebook Store For Indie Authors“ adressiert der neue
Selfpublishing-Dienst Libiro primär das
Lesepublikum. Gegenüber Autoren wirbt Libiro mit 80 % Autorenhonorar,
Marketing-Services und einem geplanten Buch-Discoverability-Tool. (via The Creative Penn)

Discoverability

Entwickler-Wettbewerb:
Die Gewinner des von HarperCollins ausgelobten BookSmash-Wettbewerbs für
Buchempfehlungsdienste stehen fest. Prämiert wurden u.a. eine App, die Leser
auf Autoren mit ähnlichen Profilen aufmerksam macht, sowie ein
Discoverability-Tool, das von Nutzern im Netz geteilte Inhalte als Basis für
Leseempfehlungen nimmt. (via Publishers
Weekly
)

Struktureller Wandel

McDonalds: Wertet man es als reinen Werbe-Gag, dass McDonalds nun auch kostenlose
E-Books verteilt, besitzt die Meldung nur wenig Relevanz. Forbes-Blogger Jeremy
Greenfield betrachtet die Fast-Food-Kette jedoch als Vorreiter für neue
E-Book-Distributionsmodelle
:

„This kind
of deal — exposing readers to compelling content at times when they may not be
thinking about books, like when they’re not shopping for them — may offer
publishers wary of Amazon’s growing control over the book distribution market
in the U.S. a way to diversify how they deliver content to readers.“

Amazon hat sein
Engagement im Lehrbuchbereich mit der Übernahme von TenMarks fortgesetzt. Das
Unternehmen ist auf die Entwicklung von Lernprogrammen für den Mathematik-Unterricht
spezialisiert. TenMarks-Inhalte sollen künftig in Amazons Kindle-Ökosystem
integriert werden. (Pressemitteilung), siehe auch Der Kindle als ultimativer Schulbuchkiller

Buchhandel im Umbruch

Service-Studie: Wie
schon im Vorjahr stellte das Deutsche Institut für Servicequalität (DISQ) bei
einem Vergleich der größten Buchketten deutliche Servicemängel fest. Auch wenn
man über die generelle Aussagekraft der DISQ-Studien geteilter Meinung sein
kann, ist das Urteil von Geschäftsführerin Bianca Möller zur Beratungsqualität
der Filialisten bezeichnend:

„Zum Stöbern und Verweilen eignen sich die meisten der
getesteten Filialen. Da aber die Beratungsleistung teilweise zu wünschen übrig
lässt, vergeben viele Buchhändler einen großen Wettbewerbsvorteil gegenüber der
Konkurrenz aus dem Internet.“

Weltbild: Die Situation
bei der finanziell angeschlagenen Weltbild-Gruppe stellt sich weiterhin unübersichtlich
dar: Während Konzern-Chef Carel Halff im Handelsblatt
vor einigen Tagen erklärte, Weltbild sei nicht im Bestand gefährdet, berichtet
die SZ
über sich hinziehende Gespräche mit den Banken.

Unter der Rubrik Buch/Handel 2020 bringen
wir jede Woche das Spannendste zu
den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche
(„Buchlos in die Zukunft“).

Die Rubrik gibt es auch als Feed und als
E-Mail-Newsletter
.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

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