Buch/Handel 2020: „The future is happening to book selling“

von Matthias Hell

Struktureller Wandel

Der Hype um die Drohnen-Pläne hat viele andere spannende Inhalte aus Jeff Bezos CBS-Interview in den Schatten gestellt, darunter die Antwort des Amazon-Chefs auf die Frage nach der Konkurrenz zum Buchhandel (via AllThingsD):

„Charlie Rose: A lot of small book publishers and other smaller companies worry that the power of Amazon gives them no chance. (…)

Jeff Bezos: The Internet is disrupting every media industry, Charlie. You know, people can complain about that, but complaining is not a strategy. Amazon is not happening to book selling; the future is happening to book selling.

Amazon arbeitet unterdessen weiterhin an seinem Platz in der Publishing-Zukunft, aktuell mit einer neuen Kooperation mit amerikanischen College-Bookstores (via The Digital Reader) sowie mit stationären Popup-Stores (via Wallstreet Journal), die dem Kindle im Weihnachtsgeschäft eine erhöhte Sichtbarkeit verschaffen sollen.

Neue Erzählformen

Unter dem Titel „Out of Print, Maybe, but Not Out of Mind” spürt David Streitfeld für die New York Times der scheinbar unüberwindbaren Aura des gedruckten Buchs hinterher und vermisst Ansätze, die konsequent über das „Prinzip Buch“ hinausdenken.

„Even as the universe of printed matter continues to shrivel, the book — or at least some of its best-known features — is showing remarkable staying power online. The idea is apparently embedded so deeply in the collective unconsciousness that no one can bear to leave it behind.

Amazon brags that on its latest e-reader, “the pages are virtually indistinguishable from a physical book.” It recently introduced the Page Flip feature, which mimics the act of skimming. Bookshelves in living rooms may be becoming a thing of the past, but order an e-book from iBooks and Apple promises it “downloads to your bookshelf” immediately.”

Enhanced E-Books: Auf erbitterten Widerstand stößt Streitfelds Artikel unvermeidlicherweise bei Futurebook. Herausgeber Philip Jones sieht hier die Zukunft des Buchs schon längst in der Gegenwart angekommen, als millionenfach gelesene Beispiele dienen ihm dabei u.a. die enhanced E-Book-Ausgaben von Pottermore.

App-Literatur: Gut passt in diesem Kontext auch das Lob von The Atlantic für die Storytelling-App „Device 6“, einem „metaphysischen Thriller“, der mit Sound und vielen interaktiven Elementen angereichert ist:

„When the Best Books of 2013 are listed, the most important may not make the cut. That's because the most exciting literary innovation of the year is not a book at all, but a video game for iPad and iPhone.“

Neue Vertriebsmodelle

Harper Collins: Mit zukunftsweisenden Initiativen ist HarperCollins zuletzt wiederholt in dieser Rubrik aufgetaucht. Mashable beschäftigt sich nun in einem Feature mit der Ausprobierkultur, mit welcher der Großverlag seine Zukunft im E-Publishing sichern will.

Readfy: Streaming-Modelle sind in der Buchbranche en vogue und auch die Werbefinanzierung von Online-Büchern wurde schon wiederholt angedacht. Das Düsseldorfer Startup Readfy will die beiden Trends nun mit einer werbebasierten Lese-Flatrate vereinen. (via Good eReader)

Bundles: Zu den Top-Trends im Publishing-Bereich zählt auch das Bundling von E-Book-Inhalten. Die dabei möglichen Spielarten sind vielfältig und reichen von Buch-„Remixes“ über gebündelte Fachbücher bis hin zu Pricing-Fragen, wie Futurebook in einem lesenswerten Überblicksartikel beschreibt.

Discoverability

BookBub: Als Newsletter-Dienst für aktuelle E-Book-Discounts zählt BookBub zu den außergewöhnlicheren Discoverability-Services, hat dafür aber jede Menge Erfolg. Inzwischen meldet der Empfehlungsdienst mehr als zwei Millionen Newsletter-Abonnenten und setzt bei weitem nicht nur auf das Schnäppchenprinzip. (via Publishers Weekly)

Buchhandel im Umbruch

Tolino: Eine „deutlich sechsstellige Anzahl“ verkaufter Geräte der neuesten Tolino-Generation unterstreicht für Weltbild-Chef Carel Halff die erfolgsträchtige Zukunftsausrichtung der kriselnden Buchkette. (via Börsenblatt)

Chapitre: Wie dünn das Eis wirklich ist verdeutlicht unterdessen die Insolvenz der französischen Buchkette Chapitre, dem zweitgrößte Filialisten des Landes. Der Buchhändler hatte sich mit der Übernahme der französischen Bertelsmann-Filialen 2011 übernommen und schaffte es nicht, für seine Geschäfte einen Käufer zu finden. (via Buchreport)

Unter der Rubrik Buch/Handel 2020 bringen wir jede Woche das Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche („Buchlos in die Zukunft“).

Die Rubrik gibt es auch als Feed und als E-Mail-Newsletter.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

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