Ricardo, Siroop und was die Schweizer online wirklich wollen

Seit dem Dammbruch im letzten Jahr („Die Schweiz öffnet Schleusen für den deutschen Online-Handel“) können sich hiesige Händler die Hände reiben („Auslandeinkauf trifft auch Online mit voller Wucht“). Der grenzüberschreitende Handel boomt. Und die Zahlen zeigen, was sich die Schweizer vom Online-Handel wirklich wünschen: günstige Einkaufsmöglichkeiten, gerne auch jenseits der Schweizer Grenzen.

Ernsthaft kundenorientierte Anbieter würden diesem Kundenbedürfnis Rechnung tragen und statt weiterer Goodwill-Angebote („KALOKA: Post startet Marktplatz für stationäre Kleinhändler“), mit denen sich vor allem der stationäre Handel melken lässt, kundenfreundliche Angebote eröffnen, die internationalen Versendern den Weg in den Schweizer Markt ebnen.

Nutzen Ebay und Ricardo die Gunst der Stunde?

Vor allem für Ebay wäre das eine Riesenchance, um in der Schweiz doch noch zu punkten. Oder man macht es wie Ricardo („Amazon-Marktplatz-Chef soll Ricardo aus der Krise führen“) und holt sich jemanden, der das Marktplatzgeschäft für Amazon in Deutschland aufgebaut hat und lässt ihn – idealerweise mit deutschen Händlern – ein entsprechendes Angebot in der Schweiz hochziehen. Die Schweizer Kunden würden es danken. Man kann allerdings gespannt sein, ob ein angestammtes Medienhaus wie Tamedia so weit gehen würde.

Von den großen Schweizer Handelsgruppen sind derlei Angebote jedenfalls weiter nicht zu erwarten. Das wurde auf der Swiss E-Commerce Connect (via) diese Woche in Zürich deutlich: Die Migros-Gruppe ist weiter zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Und auch die Coop-Gruppe will mit Siroop erstmal lieber den lokalen Handel melken.

Zalando rückt der Schweiz näher denn je

Das eröffnet die Chance für internationale Plattformbetreiber wie Zalando („Zalando übernimmt Tradebyte für seine Plattformstrategie„), das die Schweiz zum Weihnachtsgeschäft grenznah mit Mode bedienen will („Zalando errichtet Logistikzentrum in Lahr in Südbaden“) – von Lahr an der nördlichen Grenze ebenso wie heute schon vom italienischen Stradella aus:

zalandolahr

Schon erstaunlich, wie sehr man sich auch in der Schweiz so kurz vorm Tsunami noch jeder Menge Illusionen hingibt und sich mit nachrangigen Themen und Konzepten befasst, die größtenteils an den wahren Kundenbedürfnissen vorbeigehen und die wirklich wichtigen Fragen dabei ausblendet.

Erstaunlich bleibt zudem, wie sehr sich der Schweizer (Online-)Handel auf sich selbst beschränkt und wie wenig er über den eigenen Markt hinausdenkt.

Mehr zu den Entwicklungen in der Schweiz auch in den Exchanges #126 („Die Schweiz und der Handel von morgen“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse, Zalando

6 replies

  1. ergänzend dazu:

    „Von 2014 auf 2015 nahm das Importvolumen um 32 Prozent zu, in den ersten vier Monaten 2016 liegen wir bereits 46 Prozent über der Vorjahresperiode. Zum Wachstum tragen neben den Onlinegiganten auch viele kleine Boutiquen bei.“

    https://www.post.ch/de/logistikpunkt/news/es-gibt-nichts-was-es-nicht-gibt

Trackbacks

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